Papst Franziskus während der Christmette | Bildquelle: dpa

Christmette im Petersdom "Oft trunken vor Konsum und Eigenliebe"

Stand: 25.12.2015 05:35 Uhr

Während der Christmette im Petersdom hat Papst Franziskus den Gläubigen ins Gewissen geredet. Die Gesellschaft sei oft trunken vor Konsum und Eigenliebe. Er forderte stattdessen einen Lebensstil voller Einfühlungsvermögen und Barmherzigkeit.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Sogar ein Weihnachtslied aus Deutschland ertönte in St. Peter. Mit Tausenden Gläubigen hat Papst Franziskus die Christmette gefeiert, mit vielen Kardinälen und Bischöfen. Die Petersbasilika erstrahlte in weihnachtlichem Glanz. Ein Umfeld, das so ganz anders ist, als die Geschichte von Jesus Christus, der laut christlicher Tradition vor mehr als 2000 Jahren in einem Stall geboren wurde.

Papst Franziskus erinnerte in seiner Predigt daran: "Dieses Kind lehrt uns, was wirklich wesentlich ist in unserem Leben. Jesus wird in der Armut der Welt geboren. In einem Stall findet er Unterschlupf und Rückhalt und wird in eine Futterkrippe für Tiere gelegt. Von hier aus beginnt für die Menschen mit schlichtem Herzen der Weg der wahren Befreiung und der ewigen Erlösung."

Papst Franziskus ruft in Christmette Menschen zu Mäßigung auf
tagesschau24 09:00 Uhr, 25.12.2015, Ellen Trapp, ARD Rom

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"Trunken von Konsum und Vergnügung"

Die Messe dauert etwas über eineinhalb Stunden und war damit vergleichsweise kurz. Am Ende brachten elf Kinder Blumen zur Krippe in St. Peter. Franziskus hatte kurz im Gebet vor der Szene verharrt, die die Geburt Christi darstellt.

In seiner Predigt kam der Papst auf die Gegenwart zu sprechen und prangerte Fehlentwicklungen an, auf die uns die Geschichte von der Geburt Jesu Christi aufmerksam machen will: "In einer Gesellschaft, die oft trunken ist von Konsum und Vergnügung, von Überfluss und Luxus, von Augenschein und Eigenliebe, ruft er uns zu einem nüchtern-besonnenen, das heißt einfachen, ausgewogenen und gradlinigen Verhalten auf, das fähig ist, das Wesentliche zu erfassen und zu leben."

Papst Franziskus im Petersdom | Bildquelle: REUTERS
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Papst Franziskus leitete die Christmette im prachtvollen Petersdom.

Papst Franziskus @Pontifex_de
Gott ist verliebt in uns. Er macht sich klein; so hilft er uns, seiner Liebe zu antworten.

Millionen Pilger in Rom erwartet

Papst Franziskus während der Christmette | Bildquelle: REUTERS
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Franziskus rief am 8.12. ein Heiliges Jahr aus.

Dass besondere an den diesjährigen Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan ist, dass sie in einem außerordentlichen "Heiligen Jahr" stattfinden. Am 8. Dezember hatte Franziskus die Heilige Pforte von St. Peter und damit auch in Rom das Jahr der Barmherzigkeit eröffnet. Millionen Pilger werden bis zum 20. November 2016 in Rom erwartet.

Auch in der Predigt kam der Papst auf das Thema Barmherzigkeit zu sprechen, das ihm seit seinem Amtsantritt vor fast drei Jahren besonders am Herzen liegt. "In einer Kultur der Gleichgültigkeit, die am Ende nicht selten erbarmungslos ist, soll dagegen unser Lebensstil erfüllt sein von Erbarmen, Einfühlungsvermögen, Mitleid und Barmherzigkeit."

Segen wird in rund 60 Staaten übertragen

Die Christmette ist der Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan. Heute um 12.00 Uhr wird Papst Franziskus vom Mittelbalkon der Fassade von St. Peter die Weihnachtsbotschaft sprechen und anschließend den Segen Urbi et Orbi, der Stadt und dem Erdkreis, spenden. 120 Fernsehsender werden das in rund 60 Länder live übertragen.

Weihnachten in Rom
J. Kitzler, BR Rom
25.12.2015 06:28 Uhr

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