Papst Franziskus | Bildquelle: AFP

Drei Jahre nach der Wahl Papst Franziskus gibt Rätsel auf

Stand: 13.03.2016 02:21 Uhr

Für viele Katholiken bleibt Papst Franziskus auch drei Jahre nach seiner Wahl ein Rätsel. Sein Stil: Er fährt mit dem Kleinwagen, trägt selbst seine Aktentasche - erlaubt Journalisten alle Fragen, ist Diplomat und unbequemer Mahner für den Frieden. Und er hat es eilig.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Dieser Papst scheint es eilig zu haben. Als sich Jorge Mario Bergoglio am Abend des 13. März 2013 - kurz nach seiner Wahl - auf der Loggia des Petersdoms zeigte, hat er die ersten Reformen bereits hinter sich. Papst Franziskus verzichtete auf die roten Schuhe und den roten Umhang (die "Mozzetta") und soll der Legende nach zum päpstlichen Zeremonienmeister gesagt haben: "Karneval ist vorbei".

Und den Menschen unten auf dem Petersplatz stellte er sich nicht als Papst, sondern ganz bescheiden als "Bischof von Rom" vor: "Es scheint fast so, als hätten mich meine Mitbrüder im Kardinalsamt vom Ende der Welt geholt."

Im Kleinwagen unterwegs

Papst Franziskus an seinem ersten Arbeitstag | Bildquelle: dpa
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Papst Franziskus an seinem ersten Arbeitstag. (Archiv)

Franziskus, der Jesuit, der Papst "vom Ende der Welt", überrascht vom ersten Tag an mit einem völlig neuen Stil. Er lässt sich im Kleinwagen durch die Straßen fahren und sucht den direkten Kontakt mit den Menschen. Auf dem Hinflug zu seiner ersten Auslandsreise nach Brasilien trägt er höchstpersönlich seine Aktentasche ins Flugzeug. Und auf dem Rückflug gibt er seine erste richtige Pressekonferenz.

Alle Fragen sind erlaubt - auch die eines Journalisten nach der Rolle von Homosexuellen in der Kirche: "Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?" Wer bin ich? Aus dem Mund des Papstes eine rhetorische Frage. Viele Katholiken fragen sich jedoch tatsächlich: Wer ist dieser Papst? Was will er?

"Sprecht mit dem Herrn, und geht weiter"

Bei einem Besuch in der evangelischen Kirche in Rom wird Franziskus von einem Gemeindemitglied gefragt, wann denn katholisch-evangelische Ehepartner gemeinsam zum Abendmahl gehen können. Eine Antwort bleibt der Papst scheinbar schuldig: "Ich werde es niemals wagen, eine Erlaubnis zu geben, um das zu tun, denn das ist nicht meine Kompetenz. Sprecht mit dem Herrn, und geht weiter! Mehr wage ich nicht zu sagen."

In dogmatischen, innerkirchlich umstrittenen Fragen verzichtet Franziskus auf eindeutige Anweisungen, Richtungsvorgaben und setzt auf die Eigenverantwortung des mündigen Christenmenschen. Einigen Katholiken ist das zu wenig, sie wollen konkrete Reformen, keine Rätsel.

Auch im Vatikan gibt es Unzufriedenheit. Manche Mitarbeiter fürchten die von Franziskus angestrebte Kurienreform samt absoluter Transparenz in Finanzfragen. Der Papst spürt diese Widerstände und hat in einer Weihnachtsansprache vor den Kardinälen mit drastischen Worten darauf reagiert: "Ein ganz normaler Besuch auf dem Friedhof kann uns helfen, die Namen all der Personen zu sehen, die sich für unersetzbar hielten."

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Papst Franziskus - ein Porträt in Bildern

Jorge Mario Bergoglio - Der Papst mit den vielen Facetten

Jorge Mario Bergoglio mit Familie

Bergoglio, der sich den Namen Franziskus gab und damit als erster Papst dem Heiligen Franz von Assisi nacheifern will, kam am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires zur Welt. Er hat vier Geschwister. Der Vater war aus Italien eingewandert und arbeitete bei der Eisenbahn. Auf diesem undatierten Foto ist er (2. hinten von links) mit seiner Familie zu sehen. | Bildquelle: REUTERS

Ein unbequemer Mahner für den Frieden

Franziskus beschert der katholischen Kirche eine ganz neue Aufmerksamkeit. Der Vatikan wird als Gesprächspartner ernst genommen. Hinter den Kulissen wirkt der Papst als Diplomat, etwa bei der Annäherung zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten. In der Öffentlichkeit ist Franziskus ein unbequemer Mahner für den Frieden und eine gerechtere Weltordnung.

In seiner Enzyklika "Laudato Sì" sieht er einen ganz engen Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Umwelt und sozialer Ungerechtigkeit: "Wir können es uns nicht leisten, 'einige Zeitpläne' auf die Zukunft zu verschieben. Die Zukunft verlangt von uns kritische und globale Entscheidungen im Hinblick auf die weltweiten Konflikte, die die Anzahl der Ausgeschlossenen und Bedürftigen erhöhen."

Der erste Eindruck hat nicht getäuscht. Papst Franziskus hat es eilig, er ist ungeduldig, er will etwas verändern, etwas bewegen. In der Kirche und in der Welt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 13. März 2016 um 12:23 Uhr.

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