Frankreichs Premierminister Manuel Valls

Kandidaten in Frankreich Valls gegen Shooting-Star und Rüpel

Stand: 06.12.2016 03:29 Uhr

Der französische Premier Manuel Valls tritt heute offiziell zurück, um sich ganz seiner Präsidentschaftskandidatur zu widmen. Doch das Feld der Mitbewerber im linken Lager ist stark. Ein Überblick.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Arnaud Montebourg - der Beau

Der linke Anwalt ist ein wenig der Popstar unter den Bewerbern. Die Zeitung "Elle" wählte ihn zum attraktivsten Politiker Frankreichs, sein Gesicht zierte eine Zeit lang Schokoladentafeln, für einen Herrenausstatter fungiert er als Sympathieträger.

Arnaud Montebourg | Bildquelle: AFP
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Arnaud Montebourg hat mit seinem Positionen starke Unterstützung im linken Lager.

Unter Präsident François Hollande war Arnaud Montebourg mehr als zwei Jahre lang einflussreicher Industrie- und Wirtschaftsminister und galt als Bindeglied zum linken Lager innerhalb der Sozialisten. Als Minister kritisierte er immer wieder scharf die deutsche Sparpolitik in Europa und kämpfte gegen das Ausbluten der französischen Industrie, auch, indem er sich dafür stark machte, dass der Staat bei Bedarf in die private Wirtschaft eingreift, etwa um Übernahmen durch ausländische Konzerne zu verhindern.

Montebourg ist für sein loses Mundwerk bekannt. Unter anderem seine harten Attacken gegen die deutsche Regierung sorgten dafür, dass er als Minister abdanken musste. Präsident Hollande verlor dadurch massiv an Rückhalt unter seinen Parteilinken, die seine Reformen fortan zu torpedieren versuchten. Montebourg hat mit seinen radikal linken Positionen eine starke Basis und liegt in Umfragen zur Vorwahl mit dem gerade als Premier zurückgetretenen Manuel Valls gleichauf.

Ellis Fröder, ARD Paris, zum Rücktritt von Valls
tagesschau 12:00 Uhr, 06.12.2016

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Emmanuel Macron - der Shooting-Star

Emmanuel Macron löste Arnaud Montebourg als Wirtschafts- und Industrieminister ab. Obwohl damals gerade 36 Jahre alt, blickte er bereits auf eine kurze Karriere als Investmentbanker und Präsidentenberater zurück. Als studierter Philosoph, ausgezeichneter Pianist, dazu verheiratet mit seiner ehemaligen Französischlehrerin, die deutlich älter ist als er, lieferte er einen ähnlichen Glamour-Faktor wie sein Vorgänger, der Polit-Beau Montebourg.

Emmanuel Macron | Bildquelle: REUTERS
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Emmanuel Macron will mit seiner eigenen Bewegung ins Rennen gehen und nicht an der Vorwahl der Linken teilnehmen.

Was die politischen Positionen angeht, trennen die beiden aber Welten. Macron verfolgte als Minister eine liberale Wirtschaftspolitik und bemühte sich um Reformen, zum Beispiel bei den starren Arbeitsmarktregeln in Frankreich. Der Bruch zwischen Präsident Hollande und vielen seiner sozialistischen Abgeordneten wurde dadurch noch größer.

Als er mit "En marche!", frei übersetzt "Auf geht's!" eine eigene parteiähnliche Bewegung lancierte, forderten viele in den eigenen Reihen von Präsident Hollande, er möge den jungen Parvenü aus der Regierung werfen. Macron ging schließlich von selbst. Da er keiner Partei angehört, will er sich auch nicht der Vorwahl der Linken unterwerfen und positioniert sich als Kandidat der Mitte.

Manuel Valls - der Ober-Realo

Manuel Valls wollte schon 2012 Präsident werden. Nachdem er in der Vorwahl der Linken aber gegen François Hollande unterlag, wurde er während dessen Präsidentschaft zum Mann für alle Fälle. Zunächst Innenminister, übernahm er nach miserablen Regional-Wahlergebnissen der Sozialisten 2014 das Amt des Premierministers und betrieb eine ambitionierte Reformpolitik.

Manuel Valls | Bildquelle: AFP
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Manuel Valls tritt als Premier zurück, um sich ganz auf das Rennen um das Präsidentenamt zu konzentrieren.

Sein Kurs, der eher als sozialdemokratisch denn als sozialistisch gewertet wurde, brachte das linke Lager an den Rand des Zerfalls. Als der Stern seines Chefs, Präsident Hollande, immer weiter sank, deutete er früh an, notfalls als Präsidentschaftskandidat einspringen zu können. Nachdem Hollande mit umfangreichen Bekenntnisgesprächen, die zwei Journalisten in einem Buch veröffentlichen durften, auch noch viele seine Gefolgsleute vor den Kopf gestoßen hatte, setzte Valls seinem Chef schließlich die Pistole auf die Brust und drohte an, in einer Vorwahl notfalls gegen ihn zu kandidieren. Dem kam Hollande mit seiner Erklärung, nicht mehr zur Wahl anzutreten, zuvor.

Manuel Valls hat deutlich bessere Beliebtheitswerte als Präsident Hollande und gilt bei der Vorwahl im Januar zusammen mit dem deutlich linkeren Arnaud Montebourg als Top-Favorit. Als Bürde trägt er aber die dürftige Bilanz der Regierungszeit Hollandes mit sich, die er nun seinen Landsleuten als Erfolg verkaufen muss und will. Sein größtes Problem dürfte sein, die Linken im linken Lager hinter sich zu vereinen.

Jean-Luc Mélenchon - der Rüpel

Jean-Luc Mélenchon ist bekannt für seinen konfrontativen Stil und seine scharfen Attacken gegenüber der deutschen Regierung und ihrer Sparpolitik. Weil dem Ur-Linken die Sozialisten zu rechts geworden waren, gründete er 2008 eine eigene Bewegung, den Front de gauche, die linke Front. An deren Spitze erhielt er bei der letzten Präsidentschaftswahl beachtliche elf Prozent der Stimmen.

Jean-Luc Mélenchon | Bildquelle: AFP
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Jean-Luc Mélenchon erreichte bei der Präsidentschaftswahl 2012 elf Prozent der Stimmen.

Eine Vorwahl im linken Lager könnte allerdings für ihn bedeuten, dass er sich als Kandidat nicht durchsetzen würde. Um dieses Risiko zu umgehen, wird er an der Vorwahl gar nicht erst teilnehmen und sich als unabhängiger Kandidat präsentieren.

Die erneuten elf Prozent, die aktuelle Umfragen Jean-Luc Mélenchon bei der Präsidentschaftswahl 2017 voraussagen, dürften dem Sieger der Vorwahl der Linken schmerzlich fehlen. Am Ende könnte genau deshalb gar kein linker Kandidat bei der Präsidentschaftswahl in die Stichwahl der beiden besten einziehen.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 05. Dezember 2016 um 00:24 Uhr.

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