Beleuchtungsverbot: In Frankreich geht nachts das Licht aus

Beleuchtungsverbot mit Ausnahmen

In Frankreich geht nachts das Licht aus

Paris wird auch nachts weiterhin strahlen, denn dort greift eine der vielen Ausnahmeregelungen. Grundsätzlich gilt in Frankreich ab sofort aber ein nächtliches Beleuchtungsverbot für Schaufenster und Außenfassaden.

Von Anne Christine Heckmann, ARD-Hörfunkstudio Paris

Um ein Uhr nachts wird der Stecker gezogen. Dann wird es dunkel in den meisten Städten in Frankreich. Schaufenster, Unternehmensgebäude und öffentliche Fassaden dürfen über Nacht nicht mehr beleuchtet sein. Frankreich will Strom sparen. Das Gesetz wurde schon unter der konservativen Vorgänger-Regierung beschlossen.

Viele Einzelhändler sind verärgert. Denn für sie ist Beleuchtung gleichbedeutend mit Werbung. "Gerade jetzt in Krisenzeiten sollte man doch alles tun um uns zu unterstützen", sagt eine Einzelhändlerin. "Stattdessen legt man uns Steine in den Weg."

In Frankreich gehen die Lichter aus
A. C. Heckmann, ARD Paris
01.07.2013 12:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Zwischen ein Uhr nachts und sieben Uhr morgens muss das Licht aus bleiben. Falls ein Geschäft später schließt, muss die Beleuchtung mindestens eine Stunde nach Ladenschluss ausgeschaltet werden, sonst drohen Strafen - bis zu 750 Euro. Aber es gibt auch Ausnahmen: Diskotheken und Bars, die nachts geöffnet sind - und Apotheken. Denn deren grünes Leuchtkreuz soll Tag und Nacht zu sehen sein.

Trotzdem: Fußgängerzonen oder kleinere Einkaufsstraßen sind nachts jetzt dunkel. Einwohner sehen schwarz: "Wenn alles dunkel ist, sind die Straßen weniger schön, einfach glanzlos. Und außerdem gibt es in dunklen Ecken vielleicht eher Überfälle. Sicher das muss nicht sein, aber es kann passieren", sagt eine Passantin.

Das befürchtet auch der französische Handelsverband. Deshalb hatte er sich dafür eingesetzt, dass die Regelung erst nachts um eins greift, statt wie ursprünglich vorgesehen schon abends um zehn. Sophie Mulle vom Handelsverband bleibt trotzdem skeptisch: "Das Licht der Geschäfte ersetzt in Frankreich teilweise die öffentliche Beleuchtung, vor allem in kleinen Städten. Es entstehen also zwei Probleme: Erstens werden Einzelhändler weniger wahrgenommen. Zweitens entsteht ein Gefühl der Unsicherheit wenn alles dunkel ist."  

Wird nun wirklich Strom gespart?

Blick auf Paris bei Nacht (Bildquelle: picture alliance / Arco Images G)
galerie

Blick auf Paris bei Nacht. An diesem Anblick wird sich wenig ändern, hier gilt eine Sonderregleung.

Die Regierung in Paris argumentiert mit Zahlen. Zwei Terrawatt-Stunden Strom könnten jährlich eingespart werden. Das entspricht dem Verbrauch von 750.000 Haushalten in Frankreich pro Jahr. Die Einzelhändler glauben allerdings nicht, dass es ihnen unterm Strich etwas bringt, nachts das Licht auszuschalten. Für Gewerkschafter Jean-Michel Trouis geht die Rechnung nicht auf: "Diese Maßnahme wird keine echte Auswirkung haben. Denn zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens ist der Energieverbrauch ohnehin gering. 90 Prozent des Stroms wird tagsüber verbraucht."

Auch der Umweltgedanke zieht nicht wirklich in Frankreich. 41 Gemeinden haben schon Ausnahmeregelungen beantragt - und bekommen. Dazu zählt auch Paris. Die Hauptstadt hat alleine sieben Sonderzonen, wo die Nacht zum Tag werden darf. Paris braucht sich um seinen Ruf als Lichterstadt also nicht zu fürchten. Bei Großereignissen, an Feiertagen und rund um Weihnachten ist ohnehin weiterhin alles erlaubt!

Dieser Beitrag lief am 01. Juli 2013 um 12:38 Uhr auf NDR Info.

Stand: 01.07.2013 13:36 Uhr

Darstellung: