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21.11.2009

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Ausland

Proteste legen Frankreichs Unis seit Monaten lahm

Uni-Proteste in Frankreich

"Das ist nicht mehr lustig!"

Seit Monaten stehen die französischen Unis im Streik. Doch Präsident Sarkozy nimmt seine Reformpläne nicht zurück und die Blockade fällt auf die Studenten zurück: Sie könnten ein Studienjahr verlieren. Die deutschen Gaststudenten schwanken zwischen Ärger und Faszination.

Von Angela Ulrich, SR-Hörfunkstudio Paris 

Eva hat die Nase voll. Verbarrikadierte Hörsäle, Demos statt Vorlesungen, Sit-ins statt Studium - so hat sich die 22-Jährige aus Bonn ihr Auslandsjahr in Paris nicht vorgestellt: "Es ist total nervig. Es ist auch nicht mehr in dem Sinne spannend, dass man sagt: Ich bekomme wenigstens die französische Streik-Kultur hautnah mit! Das ist nicht mehr lustig"

Sorbonne-Studenten protestieren gegen Sarkozys Bildungspolitik (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Gegen den Ausverkauf des Bildungssystems gehen die Studenten auf die Straße und müssen nun um ihre Prüfungen bangen. ]
Eva wollte eigentlich ihren Bachelor-Abschluss in Paris in deutsch-französischen Studien machen. Der ist jetzt in Gefahr. Auch Kommilitonin Sabrina aus Essen hat die Sorbonne bisher kaum von innen gesehen. Die Erasmus-Studentin findet es schon einigermassen bizarr, dass die Uni seit ihrer Ankunft im Februar gerade einmal eineinhalb Wochen geöffnet war. "Sonst war immer der Strom abgeschaltet. Die Türen zum Campus waren abgeschlossen. Man kam über nicht zum Studieren!"

Vereint gegen Präsident Sarkozy

Blockade, Randale, sogar Tränengas-Einsätze der Polizei - schon mehr als drei Monate dauern die Hochschul-Proteste in Frankreich an. Zeitweise war jede zweite Uni im Land betroffen – komplett dicht oder in Teilen lahmgelegt. Derzeit sind noch gut 15 Hochschulen im Streik. Dabei ziehen Studierende und Dozenten an einem Strang – gegen die Hochschulpolitik der Regierung. Präsident Nicolas Sarkozy will die Unis eigenständiger und konkurrenzfähiger machen. Sie sollen verstärkt selbst auf Suche nach privaten Finanzierungsmitteln gehen. Viele Studenten sehen darin einen Ausverkauf des Bildungssystems.

Für Eva aus Bonn ist das nur teilweise nachvollziehbar: "Ich kann zwar verstehen, dass das für die französischen Studenten sehr wichtig ist. Es geht um deren Zukunft. Andererseits gibt es extreme Leute, die während der Vorlesung in den Hörsaal rennen, pfeifen, schreien und "Sorbonne en grève" rufen. Dafür habe ich dann nicht mehr viel Verständnis!"

Ein Studienjahr ohne Prüfungen?

Doch langsam bröckelt die Streikfront. Denn immer mehr Studenten fürchten um ihre Prüfungen und damit um das gesamte Studienjahr. Das macht auch Eva zu schaffen: "Wir hängen in der Schwebe. Es wird eine Verschiebung der Klausuren auf September diskutiert. Aber ich kann nicht nochmal wiederkommen, weil ich da ein Praktikum mache und meinen Master anfangen möchte. Das geht aber natürlich auch nur mit dem Abschluss."

Polizisten stürmen ein Gebäude der Sorbonne, das Studenten besetzt halten. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Polizei in der Sorbonne - Mitte Februar stürmten Einsatzkräfte Gebäude, die die Studenten besetzt hielten. ]
Sarkozy seinerseits will hart bleiben. Ohne reguläre Prüfungen soll das Uni-Jahr nicht angerechnet werden. Der Appell von Hochschul-Präsidenten auf einen "Blankoscheck" für alle Studierenden, ob im Ausstand oder nicht, verhallte bisher ungehört. Eva aus Bonn hofft nun darauf, dass ihre Uni in Deutschland ihr notfalls den Bachelor auch nach einem Streiksemester in Paris anerkennt. "Abwarten!", hat das Pariser Erasmus-Büro auch Sabrina aus Essen geraten. Die 22-Jährige nimmt es inzwischen gelassen und mit Humor: "Es wäre zwar schade, wenn mir jetzt keine Kurse angerechnet werden, aber die kulturelle Erfahrung hier in Paris wird mir keiner mehr nehmen können. Egal, ob Streik oder nicht Streik!"

Kollege Cornelius aus Köln genießt den Streik sogar: "Ich studiere, um möglichst viele Erfahrungen in meinem Leben zu machen. Die verbinden sich hier zu einem Konglomerat, das ich mit Vorliebe in mich aufsauge und mit nach Deutschland zurücknehmen werde!"

Stand: 16.05.2009 13:17 Uhr
 

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