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Bei dem Uranunfall in der südfranzösischen Atomanlage Tricastin ist nach Einschätzung unabhängiger Forscher die Umwelt stärker mit Strahlung belastet worden als bisher von den Behörden eingeräumt. Man könne davon ausgehen, dass die Strahlung 100 Mal höher sei als die für das Gesamtjahr zulässige Obergrenze, erklärte die Kommission für Unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität (CRIIRAD).
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Der Unfall hatte sich am Dienstagmorgen um 06.30 Uhr in dem Werk zur Behandlung von Atomabfällen Socatri auf dem Gelände der Atomanlage Tricastin bei Avignon ereignet. Die Behörden hatten aber bis zum Abend mit der Bekanntgabe gewartet. Aus einem undichten Tank war radioaktive Flüssigkeit mit 360 Kilogramm Uran ausgetreten. Ein Teil gelangte in die kleinen Flüsse Gaffière und Lauzon und die Rhône.
[Bildunterschrift: In dieser Atomanlage ereignete sich der Unfall. ]
Die Behörden gaben zunächst keine Strahlungswerte an. Der Sprecher der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN, Charles-Antoine Louet, nannte die Gefahr für die Bevölkerung gering. Das in der ausgetretenen Lösung enthaltene Uran sei nicht angereichert und damit nur schwach radioaktiv. In einem der betroffenen Flüsse wurde später eine Urankonzentration rund 1000 Mal über dem Normalwert gemessen. Durch Verdünnung seien die Werte mittlerweile aber deutlich zurückgangen, teilten die Behörden einen Tag nach dem Unfall mit.
Im Grundwasser sei keine erhöhte Uran-Konzentration gemessen worden. Dasselbe gelte für drei Seen, wo am Dienstag rund 100 Badegäste evakuiert worden waren. Sie seien keiner Strahlung ausgesetzt worden, hieß es. Das Wasser der Flüsse Gaffière und Lauzon und die Rhône dürfe aber dennoch bis auf weiteres nicht zur Bewässerung von Feldern und für den Wassersport genutzt werden.
Der Atomkonzern Areva erklärte, der Austritt der radioaktiven Flüssigkeit habe keinerlei Folgen für das Personal und die Anwohner gehabt. Man habe der ASN empfohlen, den Zwischenfall als Stufe 1 auf einer siebenstufigen Skala zu klassifizieren. Die Anti-Atomkraft-Gruppe Sortir du Nucléaire warf den Behörden vor, den Zwischenfall zu verharmlosen. Es sei "unmöglich", dass es keine Gesundheitsgefährdung gebe. Wer mit 360 Kilogramm Uran verseuchtes Wasser trinke, habe die Partikel im Körper. Auch bei geringer Strahlung entstehe dann erhebliche Krebsgefahr.
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