Emmanuel Macron spricht vor seinen Anhängern in Paris | Bildquelle: AP

Wirtschaft in Frankreich Was hat Macron vor?

Stand: 08.05.2017 18:21 Uhr

Mit Emmanuel Macron verbinden viele Franzosen die Hoffnung, dass es nach jahrelanger Flaute in der Wirtschaft wieder aufwärts geht. Was hat Macron im Wahlkampf versprochen und wie steht Frankreich wirtschaftlich da? Eine Übersicht.

So steht Frankreich zu Macrons Amtsbeginn wirtschaftlich da

Arbeitslosigkeit: Das wohl dringendste Problem in Frankreich ist die Arbeitslosigkeit. Sie liegt mit rund zehn Prozent weit über dem deutschen Wert (3,9 Prozent). Fast jeder vierte junge Franzose hat keinen Job. Die EU-Kommission rechnet damit, dass sich die Arbeitslosigkeit nur langsam abbaut. 2018 dürfte sie immer noch bei 9,6 Prozent liegen. Experten machen das französische Ausbildungssystem dafür mitverantwortlich, da es vor allem auf staatliche Hochschulen und weniger auf duale Strukturen der Berufsausbildung setzt - also dem Lernen in Betrieb und Berufsschule.

Wachstum: Legte die französische Wirtschaft zwischen 1997 und 2012 mit durchschnittlich 1,7 Prozent noch stärker zu als die deutsche mit 1,4 Prozent, so wurde sie in den vergangenen Jahren von ihrem Nachbarn abgehängt. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stieg 2016 um 1,9 Prozent, das französische um 1,2 Prozent.

Für dieses Jahr sieht es ähnlich aus: Frankreich wird ein Plus von 1,4 Prozent zugetraut, Deutschland von 1,6 Prozent. Die hiesige Industrieproduktion liegt heute um etwa zehn Prozent über dem Mitte der 2000er-Jahre erreichten Niveau, die französische um mehr als zehn Prozent darunter.

Staatsverschuldung: Frankreich drückt ein Schuldenberg, der inzwischen mehr als 96 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmacht und den Spielraum des Staates etwa für Konjunkturprogramme einschränkt. Die EU-Verträge sehen eigentlich eine Obergrenze von 60 Prozent vor. Das Defizit überschreitet in Frankreich seit Jahren die in den EU-Verträgen vorgesehenen Grenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft.

Die EU-Kommission erwartet sowohl für dieses als auch für kommendes Jahr eine Neuverschuldung um die Drei-Prozent-Marke. Die Staatsausgaben machen rund 57 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, in Deutschland liegt der Anteil mit 44 Prozent deutlich niedriger.

Was sich Macron wirtschaftspolitisch vorgenommen hat

Steuern: Die Unternehmenssteuer soll von derzeit 33 auf 25 Prozent gesenkt werden. Die Steuergutschrift für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (CICE) soll umgewandelt werden in eine dauerhafte Entlastung für Arbeitnehmer mit niedrigen Löhnen.

Arbeitszeit: An der 35-Stunden-Woche soll festgehalten werden. Allerdings könnte sie flexibler geregelt werden, indem Betriebe über die tatsächliche Arbeitszeit mit ihren Beschäftigten verhandeln.

Geringverdiener: Sie sollen von bestimmten Sozialabgaben befreit werden. Dadurch könnten Niedriglohnempfänger einen zusätzlichen Monatslohn pro Jahr in ihren Taschen haben.

Investitionen: Binnen fünf Jahren sollen 50 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern investiert werden. 15 Milliarden Euro davon sollen in bessere Aus- und Weiterbildung gesteckt werden, um die Einstellungschancen von Jobsuchenden zu verbessern. Ebenfalls 15 Milliarden Euro sind eingeplant, um erneuerbare Energien zu fördern. Weitere Milliarden sind für die Landwirtschaft, die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung, für Infrastruktur und das Gesundheitswesen gedacht.

Einsparungen: 60 Milliarden Euro an Einsparungen sind bei den Staatsausgaben vorgesehen, die in Frankreich traditionell hoch sind. Zehn Milliarden Euro soll der erwartete Rückgang der Arbeitslosenquote von derzeit etwa zehn auf sieben Prozent bringen, indem die Ausgaben für Arbeitslosengeld sinken. Durch eine verbesserte Effizienz soll das Gesundheitswesen zehn Milliarden einsparen, weitere 25 Milliarden Euro die Modernisierung des Staatsapparates.

Bildung: In Gegenden mit niedrigen Einkommen soll die Schülerzahl auf zwölf pro Klasse begrenzt werden. Lehrer sollen als Anreiz für eine Arbeit in solchen Regionen einen Bonus von 3000 Euro pro Jahr bekommen. Alle 18-Jährigen sollen einen Kulturpass im Wert von 500 Euro erhalten, den sie beispielsweise für Kino-, Theater- und Konzertbesuche ausgeben können.

Quelle: Reuters

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Mai 2017 um 23:15 Uhr.

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