Marine Le Pen freut sich über ihren Wahlsieg. | Bildquelle: REUTERS

Erste Runde der Regionalwahlen in Frankreich Front National liegt vorn

Stand: 06.12.2015 23:23 Uhr

Bei der ersten Runde der Regionalwahlen in Frankreich hat der Front National Prognosen zufolge mit etwa 30 Prozent gewonnen. In der zweiten Runde wollen die Konservativen um Ex-Präsident Sarkozy nicht gemeinsam mit den Sozialisten gegen die Rechtsextremen antreten.

Die rechtsextreme Partei Front National hat bei den Regionalwahlen in Frankreich Prognosen zufolge einen Sieg erzielt. Drei Wochen nach den Anschlägen von Paris kam die Partei von Marine Le Pen in der ersten Wahlrunde demnach auf rund 30 Prozent der Stimmen. Das konservativ-bürgerliche Lager von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy erzielte rund 27 Prozent. Die Sozialisten von Präsident François Hollande erreichten nur etwa 23 Prozent.

Wahlerfolg für rechtsextremen Front National
tagesthemen 23:13 Uhr , 06.12.2015, Ellis Fröder, ARD Paris

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Den Prognosen zufolge landete der Front National in sechs der 13 französischen Regionen auf dem ersten Platz, unter anderem in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, wo Parteichefin Le Pen als Spitzenkandidatin antrat, und in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, wo ihre 25-jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen die FN-Liste anführt. Auch in der Grenzregion Elsass-Lothringen-Champagne-Ardenne wurde der Front National stärkste Kraft.

Le Pen bezeichnete ihre FN in einer Reaktion als "erste Partei Frankreichs". Ihre Partei habe ein großartiges Ergebnis erzielt, sagte Le Pen vor jubelnden Anhängern. "Wir sind dazu berufen, die nationale Einheit zu erreichen, die das Land braucht", sagte die 47-Jährige.

Sarkozy: Nicht gemeinsam gegen Le Pen

Es gilt als unwahrscheinlich, dass eine Partei bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit in einer Region erzielt. Der zweite Wahlgang steht kommenden Sonntag an. Sozialisten und Konservative könnten theoretisch gemeinsam versuchen, dem Front National in der zweiten Wahlrunde den Weg zu verbauen. Beide Parteien müssten dazu ihre Listen zusammenlegen - oder eine Partei müsste zugunsten der anderen ihre Liste zurückziehen.

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy | Bildquelle: AFP
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Sarkozy will sich nicht mit den Sozialisten gegen Le Pen verbünden.

Die konservativen Republikaner lehnten dies aber umgehend nach Bekanntwerden der Prognosen ab: Parteichef Sarkozy sagte, es würden weder Listen zurückgezogen noch mit den Sozialisten zusammengelegt. Diese können aber mit Unterstützung der Grünen und der radikalen Linken rechnen, die zusammen bei gut 10 Prozent landeten.

Sozialisten ziehen Listen in zwei Regionen zurück

Sozialistenchef Jean-Christophe Cambadélis kündigte noch am Wahlabend an, dass die Partei ihre Wahllisten in zwei Regionen zurückzieht: In Nord-Pas-de-Calais-Picardie und Provence-Alpes-Côte d'Azur, wo die Sozialisten jeweils hinter der Front National und den Konservativen auf dem dritten Platz landeten. Es müsse eine "Sperre" gegen die Front National geschaffen werden, sagte Cambadélis, auch wenn das bedeute, dass die Sozialisten in den kommenden Jahren nicht im Parlament dieser Regionen vertreten seien.

Die Regionalwahlen sind die letzte landesweite Entscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2017. Sie gelten deswegen als wichtiger politischer Stimmungstest. Bei den Präsidentschaftswahlen hat Le Pen laut Umfragen gute Chancen, in die Stichwahl einzuziehen.

Hollande hat bislang offengelassen, ob er eine zweite Amtszeit anstrebt. Die Beliebtheitswerte des Staatschef stiegen nach den Anschlägen zwar sprunghaft an; auf die Regionalwahlen hatte dies aber offenbar keine Auswirkungen. Hollande und seine Sozialisten werden von vielen Franzosen unter anderem für die Rekordarbeitslosigkeit und das schwache Wirtschaftswachstum verantwortlich gemacht. Die Regierungspartei hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Wahlniederlagen hinnehmen müssen.

Die Wahl fand unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Sicherheitsleute durchsuchten an den Eingängen von Wahlbüros Taschen, Polizisten und Soldaten patrouillierten verstärkt.

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