Passant geht an Plakaten von Fillon und Le Pen vorbei. | Bildquelle: REUTERS

Frankreich-Wahl Helfen die Nicht-Wähler Le Pen?

Stand: 07.04.2017 16:53 Uhr

Präsidentschaftswahlen in Frankreich zeichnen sich traditionell durch eine hohe Wahlbeteiligung aus. Das könnte sich in diesem Jahr ändern - die Franzosen zeigen sich politikmüde. Und davon könnte Le Pen profitieren.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Egal, ob im südfranzösischen Toulouse, im nordfranzösischen Roubaix oder sonst wo in Frankreich: Die Franzosen scheinen die Nase voll zu haben von den Lügnern, den Manipulateuren, den Profiteuren.

Die Verachtung für die politische Kaste schlägt sich in einer Resignation nieder, die für französische Verhältnisse äußerst ungewöhnlich ist: "Früher hat man das nicht so direkt gehört, dass die Leute sagen, es ändert doch sowieso nichts", beschreibt Sylvie die Situation. Die Aktivistin spricht auf den Straßen von Roubaix Leute an und versucht sie zu bewegen, zur Wahl zu gehen.

Mit mäßigem Erfolg. Die Präsidentschaft von François Hollande und die Affären der Präsidentschafts-Kandidaten haben den Franzosen zugesetzt. Angeekelt schauen sie nach Paris und wenden sich ab.

Geringe Wahlbeteiligung erwartet

Serge Galam geht von einer Wahlenthaltung von etwa 30 Prozent in der ersten Wahlrunde aus. Der Physiker von der renommierten Elite-Hochschule Sciences Po berechnet Wahl-Modelle, er hat unter anderem die Dynamik vorhergesagt, die zum Sieg von Donald Trump in den USA geführt hat.

Auch bei Le Pen sieht Galam eine gewisse Dynamik in der Wählerschaft, die der Kandidatin des rechtsextremen Front National zum Sieg verhelfen könnte.

Mobilisierung im zweiten Wahlgang entscheidend

Eine massive Enthaltung der Franzosen, sagt Galam, könnte dazu führen, dass die rechtsextreme Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich für eine Überraschung sorgt.

Das entscheidende Kriterium sei nämlich die Mobilisierung im zweiten Wahlgang. Galam nennt das differenzierte Enthaltung: "Marine Le Pen könnte zum Beispiel gewinnen, selbst wenn insgesamt nur 42 Prozent der Wähler die Absicht geäußert haben, für sie zu stimmen."

Marine Le Pen vom französischen Front National | Bildquelle: AFP
galerie

Marine Le Pen könnte von einer geringen Wahlbeteiligung profitieren.

Entscheidend dafür wiederum ist die Haltung der Wählerinnen und Wähler zur Kandidatin des Front National und zu deren Kontrahenten in der Stichwahl. Das neue Phänomen sei, dass die Leute, die nicht Le Pen wählen wollen, gleichzeitig eine tiefe Abneigung gegen ihre Kontrahenten wie Fillon oder Macron empfinden.

Unsicherheit bei den Wählern

"Meine Hypothese ist nun, dass sich der Nicht-FN-Wähler sagt, ich wähle vielleicht widerwillig den Kontrahenten von Marine Le Pen, aber wenn ich eine gute Ausrede finde, um nicht wählen zu müssen, wähle ich nicht."

Dazu kommt eine grassierende Unsicherheit: 66 Prozent der Wähler und Wählerinnen wissen heute noch nicht, für wen sie stimmen werden. Der Physiker Galam hat die Wahrscheinlichkeit, dass Le Pen Präsidentin wird, nach den ganzen Skandalen im Wahlkampf von "unmöglich" über "unwahrscheinlich" auf "nicht unmöglich" hochgestuft. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2017 um 09:24 Uhr

Darstellung: