Porträt den französischen Politikers Macron | Bildquelle: AFP

Emmanuel Macron im Porträt Auf dem Sprung in den Élysée-Palast

Stand: 07.05.2017 20:15 Uhr

Ihn hatte keiner auf dem Zettel - und nun ist der politische Nachwuchsstar Macron auf dem Sprung in den Élysée-Palast. Doch wer ist dieser Neue auf dem Polit-Parkett, der sich gegen Front-National-Chefin Le Pen durchgesetzt hat?

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Er ist jung, dynamisch und der Hoffnungsträger vieler bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich: Emmanuel Macron, 39 Jahre alt, parteilos und sozialliberal, Ex-Bankier und Ex-Minister. Er mischt die etablierten Parteien mächtig auf. Mit seiner Bewegung "en marche" hat er mittlerweile ganz Frankreich erfasst, überall setzen sich Menschen in Bewegung, um ihm zu folgen.

Sprung in die Arena der wilden Tiere

"Das Löwenjunge Macron betritt nun die Arena der wilden Tiere", hieß es im französischen Radio, als Macron nach einem kurzen zweijährigen Intermezzo als Wirtschaftsminister unter dem sozialistischen Präsidenten François Hollande im August 2016 seinen Rücktritt ankündigte. Allen war klar, dass nun die nächste Etappe folgen würde, was prompt geschah: "Ich kandidiere für das Amt des Präsidenten", erklärte das Löwenjunge und begann, die vielen Favoriten der etablierten Parteien das Fürchten zu lehren.

Damit, das Fürchten zu lehren, kannte er sich aus, schließlich hatte er bereits im zarten Alter von 15 Jahren in einem Theaterstück geglänzt - und zwar als Vogelscheuche. "Er hat in der Tat eine Vogelscheuche gespielt, und er war wirklich unglaublich präsent auf der Bühne", erinnerte sich seine damalige Lehrerin, Brigitte. Sie ließ für den talentierten Emmanuel Mann und Kinder sitzen, um Macron 2007 zu heiraten. 24 Jahre Altersunterschied hin oder her.

Wahlkampf, bis die Stimmbänder nicht mehr mitmachen

"Ihre Meinung ist mir wichtig", sagt Macron über seine Frau, die wiederum der Meinung ist: Eigentlich braucht er gar keine Beratung. "Er weiß schon, was zu tun ist", sagt Brigitte. Sie sei auch die Präsidentin seines Fanclubs. Bald könnte Brigitte die erste Frau im Staate sein - wenn Macron und sein "en marche" weiter so anscheinend unaufhaltsam voranschreiten.

Und er gibt ja wirklich alles. Bei einem Meeting verausgabte er sich bei einer Liebeserklärung an Europa derart, dass man sich um seine Stimmbänder sorgen musste: "Ich liebe Europa, ich will Europa", rief er seinen Anhängern zu. Er will mit dem alten Links-Rechts-Denken der französischen Politik brechen, den Unternehmern mehr Freiheit und den Arbeitnehmern mehr Sicherheit verschaffen.

"Ich habe 'en marche' als neue politische Bewegung geschaffen", sagte Macron vor einem Jahr bei der Gründungsveranstaltung in seiner Geburtsstadt Amiens. "Eine Bewegung, die nicht links und nicht rechts ist, weil wir etwas anderes schaffen wollen mit positiver Energie."

In Berlin hat Macron schon Pluspunkte

Der Versuch, mit der Mitte und durch die Mitte zum Ziel zu kommen, kann allerdings nur gelingen, wenn Macron genügend linke und rechte Wählerinnen und Wähler mit auf die Reise nehmen kann. Zwar liegt er derzeit in den Umfragen vorne, viele seiner potenziellen Wähler sind jedoch nicht sicher, ob sie ihn auch wirklich wählen werden, weil sie nicht genau wissen, wofür er wirklich steht.

Womöglich hat er sich ein paar Ideen von Kanzlerin Angela Merkel geholt, die ja bekanntlich eine Meisterin des Ungefähren ist, ebenfalls zu Beginn ihrer Kanzlerschaft unterschätzt wurde und nun als mächtigste Frau Europas gilt. "Ich habe der Kanzlerin gesagt, dass ich mir wünsche, dass das deutsch-französische Paar in den nächsten Monaten stärker wird", sagte ein entspannter Macron nach seinem Treffen mit Merkel im März. In Berlin wird Emmanuel Macron schon jetzt sehr geschätzt.

Von der Vogelscheuche zum Polit-Star: Porträt Macron
Barbara Kostolnik, ARD Paris
06.05.2017 21:15 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Mai 2017 um 09:00 Uhr.

Korrespondentin

Barbara Kostolnik Logo WDR

Barbara Kostolnik, WDR

Darstellung: