Der französische konservative Präsidentschaftskandidat Francois Fillon | Bildquelle: AFP

Konservativer Präsidentschaftskandidat Ermittlungen gegen Fillon offenbar ausgeweitet

Stand: 21.03.2017 23:32 Uhr

Erst Scheinbeschäftigung, jetzt noch Betrug und Fälschung: Die Vorwürfe gegen den französischen Präsidentschaftskandidaten Fillon mehren sich. Die Ermittlungen sollen einem Bericht zufolge ausgeweitet worden sein. Von dem Anwalt seiner Frau kam bereits Widerspruch.

Die Vorwürfe gegen den Präsidentschaftskandidaten François Fillon nehmen kein Ende: Nun soll gegen den konservativen Politiker nicht nur wegen möglicher Scheinbeschäftigung und Bestechlichkeit, sondern auch wegen des Verdachts des "schweren Betrugs und der Fälschung" ermittelt werden. Das berichtete die Zeitung "Le Monde" unter Berufung auf Justizkreise.

Die Ermittlungen gegen Fillon waren Mitte März eingeleitet worden. Zunächst warf man ihm vor, seine Ehefrau Penelope jahrelang nur zum Schein beschäftigt und dafür Hunderttausende Euro Steuergelder kassiert zu haben. Später weitete sich der Verdacht der Scheinbeschäftigung auch auf Fillons Kinder auf: Die Tochter Marie soll von Oktober 2005 bis Dezember 2006 für ihren Vater gearbeitet haben, für ein Monatsgehalt von 3800 Euro brutto. Seinen Sohn Charles soll Fillon zwischen Januar und Juni 2007 beschäftigt haben, für ein Brutto-Monatsgehalt von 4850 Euro.

Kurz darauf kam dann der Verdacht auf Bestechlichkeit hinzu, nachdem herausgekommen war, dass sich Fillon von einem Freund Luxusanzüge im Wert von rund 13.000 Euro hatte schenken lassen.

Falsche Dokumente ausgestellt?

Und nun steht offenbar auch noch Betrug und Fälschung auf der Liste der Ermittler. Unterlagen, die sie von der Pariser Finanzstaatsanwaltschaft erhalten haben, werfen laut "Le Monde"-Bericht die Frage auf, ob das Ehepaar Fillon falsche Dokumente ausstellte, um die Bezahlung Penelopes zu rechtfertigen. Zu den Dokumenten sollen demnach auch von Fillons Frau abgezeichnete Gehaltszettel zählen, die "unterschiedliche Berechnungen von Arbeitsstunden" belegen.

Offiziell bestätigt wurden die Angaben der Zeitung bislang nicht. Allerdings äußerte sich Penelopes Anwalt, Pierre Cornut-Gentille, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: Von Fälschungen könne keine Rede sein, seine Mandantin werde sich aber erst vor Gericht zu den Vorwürfen äußern.

Fillon bestreitet Rechtsverstöße

Der Präsidentschaftskandidat Fillon bestreitet bislang, in irgendeiner Weise gegen geltendes Recht verstoßen zu haben. Das betonte er erneut im TV-Duell der fünf aussichtsreichen Kandidaten für das Amt des Staatschefs und versuchte, die Vorwürfe abzumildern: "Ich habe einige Fehler gemacht und habe Schwächen, aber wer hat die nicht?", fragte Fillon. Auch auf Rücktrittsforderungen aus den Reihen seiner eigenen Partei reagierte er mit Widerstand.

Die Franzosen sind am 23. April zum ersten Urnengang für die Wahl eines neuen Präsidenten aufgerufen, Anfang Mai soll die zweite Wahlrunde folgen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. März 2017 um 04:42 Uhr.

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