FN-Kandidatin Le Pen in Marseille | Bildquelle: AFP

Frankreich vor der Wahl Le Pen will Islamismus "ausrotten"

Stand: 20.04.2017 03:02 Uhr

Auftakt zum Schlussspurt: Mit symbolischen Gesten und markigen Worten haben die aussichtsreichsten Kandidaten für die französische Präsidentenwahl für sich geworben. Während Le Pen forderte, den Islamismus "auszurotten", traf sich Macron mit Muslimen.

Die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, hat vor der Wahl am Sonntag dafür geworben, Frankreich aus dem Schengen-Abkommen herauszulösen. Das Land müsse seine Grenzen zurückbekommen, diese seien ein "Sieb" für Terroristen, die derzeit wie Touristen durch Europa reisten, sagte sie in Marseille.

Zugleich forderte sie, das "Gift" der radikalen Islamisten müsse "ausgerottet" werden. Am Dienstag hatten Sicherheitskräfte in der Stadt zwei mutmaßliche Terroristen festgenommen, die im Zuge der Wahl einen Angriff geplant haben sollen.

Auseinandersetzungen in Marseille

In Frankreich gilt seit 2015 der Ausnahmezustand. Nach einer Reihe von islamistischen Anschlägen herrscht die höchste Alarmstufe. Seit Anfang 2015 wurden mehr als 230 Menschen bei Attentaten getötet.

Am Rande den FN-Veranstaltung kam es in Marseille zu Auseinandersetzungen zwischen Linksradikalen und der Polizei. Die Einsatzkräfte nutzten Tränengas, um die Menge auseinanderzutreiben. Auf einem Plakat der Demonstranten war zu lesen: "Rechtsextreme können nicht an der Wahlurne bekämpft werden." Auch in Paris waren Le Pen-Gegner in dieser Woche mit Polizeikräften in Konflikt geraten.

Ausschreitungen in Marseille | Bildquelle: AFP
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Polizisten im Einsatz gegen Demonstranten in Marseille

Umfragen sagen knappen Ausgang voraus

Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron traf sich mit Vertretern der muslimischen Gemeinde in Frankreich. Dabei warb er für gemeinsame Lösungen. Muslimische Offizielle und der Staat hätten eine "gemeinsame Front" im Kampf gegen Islamismus, sagte er.

Einer Umfrage zufolge führt Macron mit einem Prozentpunkt vor Le Pen. Der linke Politiker Jean-Luc Mélenchon und der Konservative François Fillon lagen vier Prozentpunkte dahinter, wie die Hochrechnung der Firma BVA ergab. Die erste Runde der Präsidentenwahl findet an diesem Sonntag statt. Die beiden Kandidaten, die dabei die meisten Stimmen erhalten, treten am 7. Mai in einer Stichwahl gegeneinander an.

Interview-Marathon im TV

Letztmals vor der ersten Wahlrunde präsentieren sich am Abend alle elf Bewerber im Fernsehen. Nach Angaben des Senders France 2 werden jedem Bewerber 15 Minuten zugestanden, um seine oder ihre Pläne zu erläutern. Den Anfang des Interview-Marathons macht der Linkspolitiker Mélenchon. Ursprünglich sollte es eine gemeinsame Diskussionsrunde mit allen Kandidaten geben, wie bereits Anfang April. Wegen Bedenken einiger Bewerber wurde diese jedoch abgesagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. April 2017 um 5:06 Uhr.

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