Zerstörungen nach Überschwemmungen in Südfrankreich | Bildquelle: AFP

Unwetter an der Côte d'Azur "Sturzbäche von allen Seiten"

Stand: 04.10.2015 17:37 Uhr

Die Bewohner an der Côte d'Azur sprechen von "Apokalypse": Bei Überschwemmungen in Frankreich sind mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Präsident Hollande versprach bei einem Besuch in der Region Hilfe.

Von Andreas Teska, ARD-Hörfunkstudio Paris

"Das war furchtbar, einfach furchtbar. Da kann man gar nichts mehr zu sagen. Das war die Apokalypse live", erzählt ein Anwohner. So wie er wurden viele Einwohner in Cannes und Umgebung am Samstagabend von einem schweren Unwetter mit extremen Regenfällen überrascht.

Überraschende Sturzbäche

Wassermassen wie sonst in zwei Monaten fielen binnen drei Stunden, in Cannes 195 Liter pro Quadratmeter - so etwas gab es hier noch nie. Straßen und Tunnel wurden überflutet, Tiefgaragen verwandelten sich binnen Minuten zu tödlichen Fallen.

Mehrere Menschen starben, als sie versuchten, ihre Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen, berichten zwei Augenzeuginnen: "Die Türen gehen nach außen auf. Als sie reinkamen, war das kein Problem, aber als sie raus wollten, waren sie blockiert. Sturzbäche kamen von allen Seiten, und die Autos sind losgeschwommen wie Schiffe."

Verwüstungen und mindestens 16 Tote durch Hochwasser an der Côte d'Azur
ARD-Morgenmagazin, 05.10.2015, Mathias Werth, ARD Paris

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Überschwemmtes Altenheim

Die Brague, normalerweise ein harmloser kleiner Fluss, trat über die Ufer. Eine zwei Meter hohe Welle schwappte aus den Bergen Richtung Mittelmeer. Nahe gelegene Campingplätze wurden überflutet, ebenso ein Altersheim in Biot. Krankenschwestern versuchten, die alten Menschen ins Obergeschoss zu bringen, doch für einige kam die Hilfe zu spät, sagte der Arzt aus dem "Le Clos St. Gregoire": "Drei Bewohner dieser Zimmer sind aufgestanden und haben versucht, sich in Sicherheit zu bringen, und sie sind dabei ertrunken. Andere, die liegengeblieben sind, sind mit ihrem Bettzeug davongeschwemmt worden."

Die Verkehrsbilanz des Unwetters: Die Autobahn nach Italien war gesperrt, Nebenstraßen von Schlamm überzogen, der Zugverkehr zwischen Toulon und Nizza unterbrochen, der Bahnhof in Cannes stand unter Wasser. Mehr als 20.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom, das Erstliga-Fußballspiel gestern Abend in Nizza war abgebrochen worden.

Präsident verspricht Hilfe

Heute Vormittag besuchte Staatspräsident Hollande mehrere benachbarte Orte, in denen das lokal eng begrenzte Unwetter getobt hatte und sicherte Hilfe zu: "Ich möchte zunächst all den betroffenen Familien Unterstützung zusagen, die heute trauern. Ich danke allen Hilfskräften und den Behörden. Der Staat wird helfen."

In der nächsten Kabinettssitzung am Mittwoch soll die Gegend an der Cote d'Azur zu einem Gebiet erklärt werden, das von einer Naturkatastrophe betroffen ist. Dadurch wird es leichter, unbürokratisch zu helfen und Entschädigungen schneller auszuzahlen.

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Zerstörung an der Côte d’Azur

Ein Auto in Mandelieu-la-Napoule, Frankreich, steht im Wasser.

Über die Côte d'Azur in Frankreich sind heftige Unwetter hinweggezogen. Mindestens 16 Menschen kamen dabei ums Leben. | Bildquelle: AFP

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