Bewaffneter Polizist neben einem Thalys-Zug | Bildquelle: dpa

Reaktion auf Terrorgefahr Metalldetektoren an Thalys-Zügen

Stand: 24.11.2015 14:33 Uhr

Frankreich verstärkt die Zugangskontrollen zu Hochgeschwindigkeitszügen. An den Bahnhöfen in Paris und Lille sollen an Thalys-Gleisen bald Metalldetektoren eingerichtet werden. In Paris wurde der erste Verdächtige nach den Anschlägen dem Haftrichter vorgeführt.

Frankreich wird Passagiere der internationalen Thalys-Schnellzüge bald mit Metalldetektoren kontrollieren. An den Bahnhöfen von Paris und Lille würden "vor dem 20. Dezember" solche Sicherheitsschleusen für Thalys-Züge installiert, sagte die auch für Verkehr zuständige französische Umweltministerin Ségolène Royal dem Radiosender France Inter.

Später werde dies auch in "Brüssel, Amsterdam, Köln" geschehen. "Bei Bedarf" werde Frankreich diese Metalldetektoren aufstellen, damit die Maßnahmen "kohärent" seien, sagte die Ministerin eineinhalb Wochen nach den Anschlägen in Paris.

Die Deutsche Bahn erklärte allerdings, sie plane keine Sicherheitsschleusen am Kölner Bahnhof. Man tausche sich permanent mit den Behörden aus, an deren Vorgaben und Empfehlungen man sich anpasse.

Schon im August Sicherheitsschleusen gefordert

Der Thalys verbindet Frankreich, Deutschland, Belgien und die Niederlande. Royal hatte bereits nach dem Anschlagsversuch auf einen Thalys von Amsterdam nach Paris im August Metalldetektoren für den internationalen Zugverkehr gefordert, auch die EU-Innenminister berieten über solche Maßnahmen.

Der Anschlagsversuch war glimpflich ausgegangen, weil Fahrgäste den verantwortlichen Islamisten überwältigen konnten. Bislang gibt es Sicherheitsschleusen im französischen Zugverkehr nur bei den Eurostar-Zügen nach Großbritannien.

Verdächtiger vor Haftrichter

Unterdessen wurde der Vermieter der bei einer Razzia gestürmten Wohnung in Saint-Denis dem Haftrichter vorgeführt. Gegen Jawad B. müssen bei der Anhörung entweder konkrete Vorwürfe erhoben werden, oder er muss freigelassen werden. Er ist der bislang einzige Verdächtige in Frankreich, dem im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris ein Prozess drohen könnte.

B. war in Gewahrsam genommen worden, nachdem er in einem Fernsehinterview eingestanden hatte, dass er zwei Belgier in seiner Wohnung untergebracht hatte. Bei einer Polizeirazzia waren dort der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, dessen Cousine und ein noch nicht identifizierter Mann getötet worden. B. sagte dem Sender BFM, er habe nichts von den Anschlagsplänen gewusst. "Ich wurde um einen Gefallen gebeten, ich habe ihnen den Gefallen getan."

Sprengstoffgürtel gefunden

In einem Vorort von Paris wurde gestern ein weggeworfener Sprengstoffgürtel entdeckt. Laut Polizei lag das verdächtige Fundstück in einem Mülleimer in der bislang nicht im Mittelpunkt der Terrorermittlungen stehenden Gemeinde Montrouge. Dort in der Nähe - in Châtillon - war am Abend der Anschläge von Paris das Mobiltelefon des international gesuchten Terrorverdächtigen Salah Abdeslam geortet worden. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab.

Sprengstoffgürtel ohne Zünder in südlichem Vorort gefunden
tagesschau 12:00 Uhr, 24.11.2015, Isabel Schayani, ARD Paris

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