Französischer Polizist am Pariser Bahnhof Gare de Lyon | Bildquelle: AP

Terrorpläne in Frankreich Verdächtige wollten bald angreifen

Stand: 25.11.2016 15:58 Uhr

Die kürzlich in Frankreich festgenommenen Terrorverdächtigen wollten offenbar bereits in der kommenden Woche einen Anschlag verüben. Ihre Befehle erhielten sie offenbar vom IS. Über die Anschlagsziele wird intensiv spekuliert.

In Frankreich festgenommene Terrorverdächtige wollten am 1. Dezember einen Anschlag verüben. Wie der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins in Paris bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz sagte, sei aber nicht klar, welches Ziel die Verdächtigen im Visier gehabt hätten.

Ermittler hatten am vergangenen Wochenende in Straßburg und Marseille sieben Verdächtige festgenommen. Zwei von ihnen wurden am Dienstag wieder freigelassen.

Gleichlautende Anweisungen

Die übrigen Fünf seien von einem Befehlsgeber in Syrien oder dem Irak gesteuert worden, sagte Molins. Über verschlüsselte Apps hätten diese den gleichlautenden Auftrag erhalten, sich Waffen zu beschaffen. Bei Durchsuchungen seien in den Wohnungen der Verdächtigen mehrere Pistolen, eine Maschinenpistole sowie handschriftliche Dokumente gefunden worden, die klare Bekenntnisse zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) seien und den Märtyrertod verherrlichten. Einer der Festgenommenen habe 104.000 Euro bei sich geführt.

Zwei der fünf Verdächtigen seien im März 2015 an die türkisch-syrische Grenze gereist. Ob sie von dort auch ins vom IS kontrollierte Gebiet gelangten, sei unklar. Ein weiterer Mann habe im vergangenen Jahr versucht, in die Türkei zu reisen, ihm sei die Einreise aber verweigert worden.

Der französische Anti-Staatsanwalt Molins | Bildquelle: AFP
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Spricht von zahlreichen Indizien für einen knapp verhinderten Anschlag: Staatsanwalt Molins

Hinweise in Handys

Die Auswertung von beschlagnahmten Material habe ergeben, dass die Gruppe am kommenden Donnerstag ihre Pläne umsetzen wollte. Welche Ziele sie attackieren wollten, sei noch unklar. Ermittler hätten allerdings auf einem Handy und einem Computer Screenshots von mehreren Orten in einem Online-Kartendienst gefunden. Die Ermittler hätten dies als einen Hinweis auf eine Suche nach Zielen interpretiert, so Molins.

Zwei Männer hätten vor ihrer Festnahme zudem das Programm Periscope auf ihr Smartphone geladen, mit dem man Videos live übertragen kann. Molins wertete das als ein weiteres Indiz für eine kurz bevorstehende Tat.

Spekulationen über mögliche Anschlagsziele

Französische Medien hatten zuletzt über mögliche Anschlagsziele in Paris und Umgebung spekuliert. Aus Material, das bei Durchsuchungen sichergestellt worden sei, gehe hervor, dass die Verdächtigen den Sitz der Kriminalpolizei im Zentrum der Hauptstadt, den Inlandsgeheimdienst DGSI, Metrostationen, der Weihnachtsmarkt auf dem Boulevard Champs-Élysées, Caféterrassen und den Freizeitpark Disneyland vor den Toren von Paris ins Visier genommen hätten.

Die Männer sind nach Angaben des Innenministeriums zwischen 29 und 37 Jahre alt und stammen aus Frankreich, Marokko und Afghanistan. Das Straßburger Kommando bestand aus vier Männern im Alter zwischen 36 und 37 Jahren, die seit langem miteinander befreundet sein sollen. Kontakte zwischen ihnen und dem in Marseille Festgenommenen seien bislang aber nicht nachgewiesen worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. November 2016 um 14:00 Uhr

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