Marine Le Pen | Bildquelle: AP

Regionalwahlen in Frankreich Le Pen verhindert - vorerst

Stand: 14.12.2015 12:50 Uhr

Aus Sicht von Konservativen und Sozialisten ist die ganz große Katastrophe bei den Regionalwahlen in Frankreich ausgeblieben: Der Front National kam nicht zum Zuge. Grund zum Jubeln gibt es dennoch nicht. Er werde den Franzosen künftig besser zuhören, versprach Premier Valls.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Hörfunkstudio Paris

Grund für Champagnerlaune gab es in keinem der politischen Lager. Vielleicht noch bei den Sozialisten, die mit fünf von 13 Regionen deutlich mehr erobern konnten als gedacht. Und vielleicht auch, weil ihre Rechnung aufgegangen war, den Front National im Norden und Süden des Landes zu verhindern. Im Nord-Pas-de-Calais-Picardie, immerhin die drittgrößte Regionen des Landes, unterlag die Chefin der rechtsextremen Partei Marine Le Pen deutlich dem Kontrahenten der Republikaner, Xavier Bertrand.

Front National gewinnt keine einzige Region
tagesschau 14:00 Uhr, 14.12.2015, Mathias Werth, ARD Paris

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Doch für viele der linken Wähler, die einen Wahlzettel für den Mann der Sarkozy-Partei in die Urne geworfen hatten, war das ein Sieg mit schalem Beigeschmack: "Wir haben der extremen Rechten den Weg versperrt", sagt ein Mann. "Aber ich denke, mit der Politik, die Xavier Bertrand machen wird, werde ich auf keinen Fall einverstanden sein." Und ein weiterer fügt hinzu: "Wir werden nun ruhiger schlafen, aber wir werden sehr wachsam sein."

Im Süden, wo die Enkelin des Front-National-Gründers Jean-Marie Le Pen, Marion Marechal-Le Pen, ebenfalls mit Hilfe der Linken-Stimmen ausgebremst wurde, gab diese sich gegenüber ihren Anhängern kämpferisch: "Seid nicht traurig. Es gibt Siege, für die sich die Sieger schämen. Im Namen der Werte der Republik haben sie die Demokratie aufgegeben. Mit Zehn gegen einen zu gewinnen, ist nichts anderes als eine Niederlage", erklärte Marechal-Le Pen.

Nach den Regionalwahlen
K. Gallmeyer, ARD Paris
14.12.2015 13:12 Uhr

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FN ist wählbare Alternative geworden

Trotz der Erleichterung bei den etablierten Parteien darüber, dass die ganz große Katastrophe nun ausgeblieben ist, ist man sich aber doch der Realität bewusst: Für die Franzosen ist der Front National zu einer wählbaren Alternative geworden. Mit rund 6,8 Millionen Stimmen im zweiten Durchgang hatten Marine Le Pen und ihre Mitstreiter mehr Wähler als je zuvor. Eine mehr als ordentliche Ausgangsposition also für die Präsidentschaftswahlen 2017.

Agence France-Presse @afpfr
#Régionales2015 Les résultats du 2e tour #AFP https://t.co/5cz5ueOUK8

Mit landesweit 40,2 Prozent der Stimmen ist die konservative Partei des früheren Präsidenten Sarkozy (LR) klare Siegerin der zweiten Wahlrunde. Die Sozialisten von Staatschef Hollande (PS) kamen auf 28,9 Prozent, und der Front National (FN) landete mit 27,1 Prozent auf dem dritten Platz, wie aus den amtlichen Ergebnissen hervorgeht. Der FN konnte in keiner Region eine Mehrheit erringen.

"Noch mehr zuhören"

Premierminister Manuel Valls von den Sozialisten versprach: "Ich werde die Ergebnisse des ersten Wahlgangs und der vorherigen Wahlen nicht vergessen. Ich lese daraus meine Verantwortung und die meiner Regierung unter der Autorität des Staatspräsidenten ab. Das alles verpflichtet uns, den Franzosen noch mehr zuzuhören."

Der konservative Ex-Premierminister Francois Fillon von den Republikanern, der sich auch schon als nächster Präsidentschaftskandidat seiner Partei zu positionieren versucht, gibt sich weitsichtig:"Ich denke, wenn nach der Präsidentschaftswahl 2017 die Arbeitslosigkeit nicht sinkt, wenn die Wirtschaft nicht in Gang kommt, könnte das Land tatsächlich in die Versuchung eines extremen Abenteuers geraten."

Wenn es bis dahin nicht schon zu spät ist. Marine Le Pen jedenfalls macht sich weiterhin große Hoffnungen, dass sie bereits 2017 als Staatspräsidentin in den Elysée-Palast einziehen könnte. Zumindest, was den Einzug in die Stichwahl angeht, sprechen die derzeitigen Zahlen für sie.

Reaktionen von CDU und Grünen auf Wahl in Frankreich
tagesschau 10:35 Uhr, 14.12.2015, Tim Herden, ARD Berlin

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