Marine Le Pen redet nach der Niederlage bei den Regionalwahlen | Bildquelle: AP

Regionalwahl in Frankreich Pleite für Le Pen

Stand: 14.12.2015 00:37 Uhr

Im Jahr 2017 will sich Front-National-Chefin Le Pen zur Präsidentin wählen lassen. Die jetzigen Regionalwahlen galten als Stimmungstest. Aber während Le Pen in Runde eins triumphierte, wurde Runde zwei für sie und ihre Partei zum Debakel. Sie gibt sich trotzdem kämpferisch.

Die französischen Wähler haben dem rechtsextremen Front National (FN) von Marine Le Pen eine Niederlage beschert. Die Partei gewann in der entscheidenden zweiten Runde der Regionalwahlen keine Region. In der ersten Runde hatte der FN noch in sechs der 13 Regionen vorn gelegen.

Diesmal gewann das konservativ-bürgerliche Lager um Ex-Präsident Nicolas Sarkozy in sieben Regionen. Präsident François Hollandes Sozialisten und verbündete Linksparteien siegten laut Zahlen des Innenministeriums in fünf Regionen. Offenbar hatten viele Wähler aus dem linken und rechten Spektrum in einer Art Allianz dafür gesorgt, dass der Front National nach seinem Sieg in der ersten Runde von der Macht fernblieb. Den Konservativen kam dabei auch zugute, dass die Sozialisten einige chancenlose Kandidaten nach der ersten Runde zurückgezogen hatten.

Insgesamt wurde Le Pens Partei landesweit nur dritte Kraft, nachdem sie in der ersten Runde noch auf Platz ein gelegen hatte. Für die Konservativen stimmten laut den Zahlen des Inneministeriums, die auf der Auszählung von 98 Prozent der Stimmen basieren, etwa 40,6 Prozent der Wähler. Für das Bündnis der Sozialisten entschieden sich demnach 29,1 Prozent und für den FN 27,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit rund 58,4 Prozent höher als in der ersten Runde mit etwa 50 Prozent. Sozialisten und Republikaner hatten versucht, ihre Wähler stärker zu mobilisieren als vor einer Woche.

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Dämpfer auf dem Weg zur Präsidentenwahl

Dieses Ergebnis ist ein Dämpfer für Le Pens politische Ambitionen. Die Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen will bei der kommenden Präsidentschaftswahl antreten. Nach dem Triumph beim ersten Durchgang der Regionalwahl schien ein Sieg im Jahr 2017 so realistisch wie noch nie.

Auch die Debatte und der Ausnahmezustand nach den islamistischen Pariser Anschlägen schien dem FN zu nutzen. Le Pen warnte damals vor einer "Islamisierung" Frankreichs. Wenn Frankreich sich nicht wehre, werde eines Tages "die Scharia unsere Verfassung ersetzen".

Niederlage im Norden

Das aktuelle Ergebnis der zweiten Runde der Regionalwahlen bedeutet - gemessen am Erfolg der ersten Runde - einen Rückschlag für die Ambitionen Le Pens und ihrer Partei, zumal Le Pen auch persönlich eine Niederlage erlitt: In der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie wurde sie mit 42,2 Prozent Zweite hinter ihrem konservativen Gegner Xavier Bertrand, der sich mit 57,8 Prozent klar durchsetzte. Le Pen hatte den Wählern versprochen, als Regionalpräsidentin werde sie zeigen, dass sie und der FN Regierungsverantwortung übernehmen könnten.

Le Pens 26-jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen unterlag in Südfrankreich offenbar ebenfalls deutlich. Sie gilt als Nachwuchshoffnung der Rechtsextremen. Den Zahlen des Innenministeriums zufolge unterlag sie mit einem Stimmenanteil von 45,2 Prozent dem konservativen Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, der auf 54,8 Prozent der Stimmen kam.

Marion Marechal-Le Pen | Bildquelle: dpa
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Auch FN-Nachwuchshoffnung Marion Maréchal-Le Pen erlitt eine Niederlage.

"Uns wird nichts stoppen"

Ungeachtet der schweren Niederlagen gab sich Le Pen nach der Wahl kämpferisch. "Uns wird nichts stoppen", sagte die FN-Chefin. Sie betonte die für die Partei positiven Aspekte der Wahl, etwa die höhere Zahl der Sitze in den Regionalparlamenten. Diese hätten sich verdreifacht. Florian Philippot, die Nummer Zwei der Partei, meinte, die jetzige Wahl habe die Chancen für die Präsidentenwahl 2017 nicht verringert.

Auch Le Pens Gegner warnten davor, Le Pen und den FN jetzt zu unterschätzen. Trotz der Niederlage bleibe dieser gefährlich, sagte Premier Manuel Valls. Die Ergebnisse seien keine Botschaft des Sieges, denn die Gefahr der extremen Rechten sei nicht beiseite geschoben. Er rief die Franzosen dazu auf, nach diesem erbitterten Wahlkampf zusammenzustehen.

"Wir sind stolz auf die Ergebnisse", sagte Sarkozy vor Anhängern seiner Republikaner. Seine Partei werde aber den Front National im Blick halten. Er lehnte jegliche Zusammenarbeit mit extremen Parteien ab - sagte aber, dass jetzt eine Debatte über die "großen Fragen" folgen müsse, die die Franzosen ängstigten. Er habe Sorgen über die Sicherheit, Enttäuschung über die Europäische Einheit und über Arbeitslosigkeit bemerkt, sagte er mit Blick auf Themen, die Le Pen für ihren Wahlkampf genutzt hatte.

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