Francois Hollande | Bildquelle: AP

Vorwahl der Sozialisten Frankreich: Sieben gegen Rechts

Stand: 12.01.2017 17:37 Uhr

Im linken Lager steht noch immer nicht fest, wer das Rennen um die Nachfolge von Frankreichs Präsident Hollande machen wird. Die Vorwahlen werden mit einer TV-Debatte eingeläutet - und könnten für die Sozialisten zum Debakel werden.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Christophe Borgel (Archivbid) | Bildquelle: AFP
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Christophe Borgel organisiert für die Sozialisten die Vorwahlen.

Christophe Borgel dürfte mittlerweile erkannt haben, dass er da einen überaus undankbaren Job angenommen hat. Den Job nämlich, die Vorwahl in Frankreichs linkem Lager zu organisieren - oder dem, was von diesem linken Lager noch übrig ist.

Seinen Optimismus hat sich der Abgeordnete der Nationalversammlung bei der Vorstellung der Wahlmodalitäten trotzdem nicht nehmen lassen, auch wenn man sich nur schwer des Eindrucks erwehren konnte, dass es sich hier um Zweckoptimismus handelte: "Die Teilnahme an der Vorwahl kostet einen Euro pro Wahlgang. Wir schätzen, dass die Vorwahl zwischen dreieinhalb und vier Millionen Euro kostet. Also scheint es uns nicht nötig zu sein, mehr Geld zu nehmen, um die Kosten decken zu können."

Das würde also bedeuten, Wahlleiter Borgel rechnet mit etwa zwei Millionen Teilnehmern - pro Wahlgang. Historisch gesehen ist diese Hoffnung durchaus angebracht. Als 2011 Frankreichs Linke als erste bereits eine für alle Wähler offene Vorwahl durchgeführten, nahmen im Schnitt sogar 2,8 Millionen Menschen teil. Bei den Konservativen gingen im November gar über vier Millionen Wähler an die Urnen - pro Wahlgang, wohlgemerkt.

Altlast Hollande

François Fillon | Bildquelle: dpa
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Der konservative Kandidat Fillon gibt keinem der sozialistischen Kandidaten eine große Chance.

Deren siegreicher Kandidat, Francois Fillon, brachte allerdings mit Blick auf seine linken Herausforderer unlängst auf den Punkt, warum diese insgeheim trotzdem ein Debakel bei ihrer Vorwahl befürchten. Ihr Problem heißt Hollande, Präsident Hollande: "Das Wachstum ist minimal, die Arbeitslosigkeit erdrückt uns, die Verarmung schreitet fort, die Schuldenlast blutet uns aus, die extremen Rechten feiern Triumphe. Wir müssen uns bei der Bilanz gar nicht aufhalten: Francois Hollande fand sie schließlich selbst so ungenügend, dass er nicht mehr als Kandidat antritt."

Viele Favoriten Teil der erfolglosen Regierung

Manuel Valls | Bildquelle: AFP
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Mitfavorit Valls war Premier unter dem erfolglosen Präsidenten Hollande.

Tatsächlich ist die Bilanz des amtierenden Präsidenten aus Sicht vieler Franzosen mehr als mager. Nur: Ausgerechnet die vier aussichtsreichen Kandidaten bei der anstehenden linken Vorwahl haben diese Politik mindestens als Minister, Top-Favorit Manuel Valls gar als Premierminister mitgestaltet.

Für ihn wird es also im heutigen TV-Debatte darum gehen, nicht nur seinen Mitbewerbern, sondern vor allem auch den Zuschauern klar zu machen, warum und wie er es selbst als Präsident besser machen sollte. Sein stärkster Herausforderer, Arnaud Montebourg, kann immerhin darauf verweisen, sich wegen inhaltlicher Differenzen schon früher von der Regierungsbank verdrückt zu haben.

Weitere Kandidaten von links

Jean-Luc Mélenchon | Bildquelle: AFP
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Jean-Luc Mélenchon nimmt nicht an den Vorwahlen teil.

Im Falle eines Sieges hätte er allerdings genau wie Manuel Valls noch ein weiteres, gravierendes Problem, nämlich dass seine deutlich linkere Position bereits durch einen starken Kandidaten abgedeckt wird: Jean-Luc Mélenchon, der ebenso wie der linke Reformer Emmanuel Macron gar nicht erst an der Vorwahl der Linken teilnimmt - und sich im Vorfeld sogar über den möglichen Herausforderer in´m eigenen Lager mokiert: "Er liegt ja schon jetzt nur an fünfter Position, nämlich hinter Herrn Macron und mir. Das ist also doch keine sinnvolle, sondern eine völlig unsinnige Abstimmung. Aber sie werden das schon verstehen, weil das Leben nun mal so ist."

Und tatsächlich wären drei linke Kandidaten nahezu der Garant dafür, dass keiner von ihnen bei der Präsidentschaftswahl Chancen hätte, überhaupt in die Stichwahl einzuziehen. Das wissen auch die Wähler, und es könnte das Interesse an der bevorstehenden Vorwahl zusätzlich drücken - von den außer den beiden Top-Favoriten eher blassen und wenig bekannten weiteren Kandidaten ganz abgesehen.

Vorwahl kann teuer werden

Wahlleiter Christophe Borgel dürfte daher die Einschaltquoten für die erste Fernsehdebatte heute Abend mit großer Spannung erwarten. Vielleicht wird er sich danach fragen müssen, ob es wirklich eine gute Entscheidung war, zur Kostendeckung nur einen Euro für die Teilnahme an der Vorwahl zu verlangen.

Erstes TV-Duell bei Frankreichs Linken
M. Wagner, ARD Paris
12.01.2017 15:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2017 um 05:52 Uhr.

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