Der französische Zentrumspolitiker Francois Bayrou | Bildquelle: REUTERS

Präsidentschaftswahl in Frankreich Ein Bündnispartner für Macron

Stand: 22.02.2017 19:11 Uhr

Vor der Wahl in Frankreich bekommt der unabhängige Macron Rückhalt: Der Zentrumspolitiker Bayrou will mit dem 39-Jährigen ein Bündnis eingehen, statt selbst als Staatsoberhaupt zu kandidieren. Bringt das die Wende im Kopf-an-Kopf-Rennen um das Präsidentenamt?

Rund zwei Monate vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich liefern sich der unabhängige Emmanuel Macron und der konservative François Fillon in Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nun könnte Macron allerdings einen entscheidenden Vorsprung bekommen - durch die Unterstützung des Zentrumspolitiker François Bayrou. Dieser kündigte an, auf eine eigene Kandidatur zu verzichten und bot stattdessen Macron ein Bündnis an.

Seine Entscheidung begründete der Vorsitzende der Mittepartei MoDem damit, dass die politische Landschaft Frankreichs so zersplittert sei wie seit Jahrzehnten nicht. Dadurch drohe der rechtsextreme Front National mit seiner Parteichefin Marine Le Pen bei der bevorstehenden Wahl Erfolge einzufahren. Macron reagierte umgehend und nahm das Angebot an.

Links der unabhängige Präsidentschaftskandidat Macron, rechts sein neuer Bündnispartner Bayrou | Bildquelle: AFP
galerie

Neue Bündnispartner im Rennen um das Präsidentenamt: Emmanuel Macron (li.) und François Bayrou.

Bayrou bringt Erfahrung mit, die Macron fehlt

Macron könnte damit entscheidende Wählerstimmen auf seine Seite ziehen. Er gilt zwar als liberal und Hoffnungsträger auf Reformen, allerdings wird ihm mit seinen 39 Jahren häufig auch politische Unerfahrenheit angelastet.

Ganz anders Bayrou: 65 Jahre alt, Parteivorsitzender, Bürgermeister der Stadt Pau im Süden Frankreichs, ehemaliger Bildungsminister. Dreimal war er bereits selbst im Rennen um das Präsidentenamt angetreten - in den Jahren 2002, 2007 und 2012. Bei allen drei Kandidaturen war er jedoch in der ersten Wahlrunde ausgeschieden. 2012 hatte er anschließend den späteren Gewinner der Wahl, François Hollande, unterstützt.

Kein Mann leiser Töne

Und auch im jetzigen Wahlkampf war Bayrou bislang kein Mann der ruhigen Töne gewesen. Vor allem den konservativen Fillon hatte er scharf angegriffen. Dessen Reformpläne seinen "ultraliberal", kritisierte Bayrou. Zusätzlichen Zündstoff lieferten die Vorwürfe, Fillon hätte Vetternwirtschaft betrieben, indem er seine Ehefrau nur zum Schein als Parlamentsmitarbeiterin angestellt hätte. Fillon hatte sich seine Kandidatur in der Vorwahl gegen seinen konservativen Konkurrenten Alain Juppé erkämpft. Im Gegensatz zu Fillon genoss dieser den Rückhalt von Bayrou.

Nun also die Wende hin zu Macron, doch auch der bekommt das Bündnis nicht ganz umsonst. Bayrou hat Bedingungen aufgestellt, so forderte er etwa ein Gesetz für mehr Moral in der Politik, sollte Macron es tatsächlich zum Präsidenten schaffen.

Die Wahl findet am 23. April und am 7. Mai statt. In der Vorrunde wird Umfragen zufolge Front-National-Chefin Le Pen die meisten Stimmen erhalten, in der Stichwahl werden ihr allerdings keine Chancen eingeräumt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 22. Februar 2017 um 19:03 Uhr.

Darstellung: