Holzfiguren von Marine Le Pen und Emmanuel Macron und Francois Fillon | Bildquelle: AFP

Wahlkampf in Frankreich Nur einer macht die Rechten nervös

Stand: 31.01.2017 05:51 Uhr

Keine drei Monate mehr, bis Frankreich einen neuen Präsidenten wählt. Eine wegweisende Wahl, auch für Deutschland und Europa. Der Ausgang der Wahl könnte überraschen.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Sie ist die einzige Frau im Reigen der vorläufigen Kandidaten. Und es gelingt Marine Le Pen vom rechten Front National wieder einmal, alle übrigen Bewerber vor sich her zu treiben. Ihr Programm: gegen die EU, gegen die Globalisierung, gegen Migranten mit der einfachen Devise "Frankreich first!".

Das erinnert an Donald Trump und manchmal auch an Theresa May. Das bestätigt auch Le Pen selbst: "Tatsächlich wenden die beiden doch mein Programm in der Wirklichkeit an. Und das läuft doch super."

Bislang kann nur Fillon mithalten

In den Umfragen für den ersten Wahlgang konnte der Front National Chefin in den vergangenen Wochen nur einer das Wasser reichen: Francois Fillon. Hinsichtlich sder propagierten Werte fischt der erzkonservative Kandidat im Gewässer der Nationalisten.

Beim Wirtschaftsprogramm setzt er allerdings auf harte, liberale Reformen - getreu seiner Ansage: "Ich bin nicht der Kandidat des Kompromisses, ich werde das Haus ernsthaft einreißen, um es neu aufzubauen."

Allerdings ist Fillon, der sich als Saubermann inszeniert, derzeit angeschlagen. Eine Zeitung hatte enthüllt, dass seine Frau Penelope viel Geld für Parlamentsarbeit kassierte, von der nicht klar ist, ob sie diese überhaupt geleistet hat.

Hamon muss versuchen, die Linke zu einen

Ob das dem linken Vorwahlsieger Benoît Hamon nützen wird, ist unklar. Mit Vorschlägen wie einem bedingungslosen Grundeinkommen oder einer 32-Stunden-Woche gab er seiner sozialistischen Partei wieder "eine Vision davon, wie Frankreich sein könnte."

Allerdings ist ungewiss, ob Hamon mit seinen teilweise utopischen Positionen die Linke hinter sich vereinen kann. Anfangen sollte er vielleicht zunächst mit zwei weiteren Präsidentschaftskandidaten, die ganz ähnliche Positionen vertreten wie er: Dem Grünen Yannick Jadot, der ein Bündnis nicht ausschließt und dem ultralinken Jean-Luc Melenchon, der auf seiner Kandidatur beharrt.

Die rund zehn Prozent, die Melenchon laut Umfragen auf sich vereinen könnte, könnten am Schluss den Ausschlag dafür geben, dass die Linke chancenlos ins Rennen um die Präsidentschaft geht.

Macron - beinahe gleichauf mit Fillon

Bleibt noch Emmanuel Macron. Während der laufenden Präsidentschaft von François Hollande boxte der junge Shootingstar als Wirtschaftsminister Reformen am Arbeitsmarkt durch. Dann machte er sich aber mit seiner Bewegung "En marche!" selbst auf den Weg, um eine Politik jenseits alter Schubladen anzubieten: "Sie wird nicht links und sie wird nicht rechts sein."

Noch fragen sich viele Franzosen, wie sie dann überhaupt sein wird, denn konkrete Vorschläge ist Macron noch schuldig. Mit seinem Charisma und seiner Aufbruchsstimmung heimst der ehemalige Banker trotzdem viele Vorschusslorbeeren ein und liegt in Umfragen mittlerweile mit dem konservativen Fillon fast gleichauf.

Emmanuel Macron, Kandidat bei der französischen Präsidentenwahl. | Bildquelle: REUTERS
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Ex-Bänker Macron könnte die französische Präsidentenwahl durcheinanderwirbeln.

Sorgt Macron am Ende für eine Überraschung?

"Dieser Junge steht für alles, was wir bekämpfen", reibt sich Marine Le Pen schon einmal demonstrativ die Hände. Aber hinter dieser zur Schau gestellten Gelassenheit steckt auch große Nervosität. Denn auch beim Front National schleicht sich die Erkenntnis ein, dass Macron das Zeug haben könnte, im Mai für eine große, ja sogar ganz große Überraschung zu sorgen.

Präsidentschaftswahl in Frankreich: diese Kandidaten treten an
M. Wagner, ARD Paris
30.01.2017 21:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 31. Januar 2017 um 09:39 Uhr.

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