Valls und Hollande in einem Gespräch | Bildquelle: dpa

Wahlkampf in Frankreich Kampf um Hollandes Erbe

Stand: 17.12.2016 13:53 Uhr

Präsident Hollande ist nur noch wenige Monate im Amt. Er hinterlässt eine tief zerstrittene Partei, die sich jetzt neu aufstellen muss. Acht Männer und eine Frau aus dem sozialistischen Lager haben sich für die Präsidentschaftsvorwahl angemeldet.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

An erster Stelle steht Manuel Valls. Der ehemalige Premierminister ruft seit der Ankündigung seiner Kandidatur zum Zusammenhalt auf. Dabei klingt er nicht nur wie François Hollande, sondern er gibt sich auch so.

Valls, der rechteste der linken Anwärter um die Präsidentschaftskandidatur, will das Programm des scheidenden Präsidenten verteidigen.

Ob er damit bei den Sozialisten oder einer Mehrheit der Franzosen Erfolg haben wird, scheint allerdings fraglich. Viele Kritiker werfen ihm vor, er sei neben Hollande mit daran schuld, dass sich die Linke in einem dermaßen desaströsen Zustand befindet.

Valls im Anzug | Bildquelle: AFP
galerie

Manuel Valls arbeitete als Premierminister für Hollande. Nach Bekanntgabe seiner Kandidatur trat er von seinem Amt zurück. Innerhalb des sozialistischen Lagers ist er für seine harte Linie bei der Sicherheitspolitik und der Einwanderung umstritten.

Gute Chancen für den selbstbewussten Montebourg

Im Windschatten von Valls lauert Arnaud Montebourg, Frankreichs attraktivster Politiker, glaubt man den Leserinnen der Frauenzeitschrift "Elle". Der Mann hat nicht nur die Augenbrauen von Francois Fillon, dem Überraschungs-Kandidaten der Konservativen, sondern er könnte ähnlich wie Fillon bei den Anwärtern um die Präsidentschaftskandidatur ebenfalls für eine Überraschung sorgen.

So war der Ex-Wirtschaftsminister unter den Premierministern Ayrault und Valls zu seiner Zeit mit stramm linken Positionen aufgefallen. Im Jahr 2014 verließ er nach zwei Jahren die Regierung, um sich ganz dem Ziel zu widmen, Präsident aller Franzosen zu werden.

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm dabei nicht. Außerdem kann er auf die Unterstützung der Linken und der Kommunisten zählen.

Montebourg | Bildquelle: REUTERS
galerie

Dem Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg werden neben Valls innerhalb des sozialistischen Lagers die besten Chancen zugesprochen.

Peillon könnte Valls schaden

Ein weiterer, zumindest in Frankreich nicht vollkommen unbekannter Kandidat, ist Benoît Hamon. Auch er war Minister unter Regierungschef Valls. Er hatte die Regierung verlassen, weil er mit dem seiner Meinung nach zu rechten Kurs des Premiers nicht einverstanden war.

Benoit Hamon | Bildquelle: AP
galerie

Der frühere Bildungsminister Benoît Hamon verfolgt einen linksgerichteten Kurs.

Ein Kandidat, der aus der Tiefe kommt, zumindest aus der Tiefe Brüssels, ist der Europa-Abgeordnete Vincent Peillon. Von ihm heißt es, er sei von den Anhängern Hollandes ins Rennen getrieben worden, um Valls zu schaden, dem noch die Rolle des Brutus anhaftet. Valls wird vorgeworfen, letztlich dafür verantwortlich zu sein, dass Hollande nicht erneut antritt.

Peillon hält sich an einem Gitter fest | Bildquelle: dpa
galerie

Der frühere Bildungsminister Vincent Peillon will mit 56 Jahren ebenfalls an der Vorwahl der Sozialisten teilnehmen.

Die aussichtslosen Kandidaten

Da die Vorwahlen auch für Grünen-Politiker offen sind, hat auch der ehemalige Fraktions-Vize der Grünen in der Nationalversammlung, Francois de Rugy, seinen Hut in den Ring geworfen.

Rugby | Bildquelle: AFP
galerie

Grünen-Politker Francois de Rugy hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Dieser wird dort wohl auch liegen bleiben. De Rugy hat denselben Außenseiterstatus wie Jean-Luc Behnnahmias oder Fabien Verdier: Namen, die man sich nicht merken muss, weil sie bei den Vorwahlen keine Rolle spielen werden.

Als einzige Frau, und ähnlich aussichtslos wie bei den Republikanern Natalie Kosciusko-Morizet, geht Sylvia Pinel von der radikal-linken Partei Parti Radical De Gauche ins Rennen. Sie ist dabei keineswegs linksradikal, sondern eher sozialliberal ausgerichtet.

Bei allen Unterschieden ist den Vorwahlen bei Konservativen und Linken eines gemein: Frauen haben weder hier noch dort den Hauch einer Chance.

Pinel lächelt | Bildquelle: AFP
galerie

Sylvia Pinel von der sozialliberalen Partei PRG ist die einzige weibliche Präsidentschaftskandidatin des sozialistischen Lagers.

Vorwahlen der Linken: Munteres Kandidaten-Karussell
B. Kostolnik, ARD Paris
17.12.2016 12:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Dezember 2016 um 07:29 Uhr

Darstellung: