François Fillon | Bildquelle: REUTERS

Frankreichs Konservative Um Fillon wird es einsam

Stand: 03.03.2017 12:46 Uhr

Um den konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten Fillon wird es einsam: Sein Kampagnenchef wirft seinen Job hin. Immer mehr Politiker fordern den Rückzug Fillons. Und einer bringt sich als Ersatzmann in Stellung.

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Sein Sprecher Thierry Solère stellte sein Amt zur Verfügung. "Ich habe mich entschlossen, meine Aufgabe als Pressesprecher von Francois Fillon zu beenden", teilte er über Twitter mit. Solère hatte auch die Vorwahlen organisiert, aus denen Fillon als Kandidat der Republikaner hervorging.

Thierry SOLERE @solere92
Organisateur de la primaire, j ai décidé de mettre fin à mes fonctions de porte-parole de @FrancoisFillon
Thierry Solere | Bildquelle: AFP
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Thierry Solère war ein wichtiger Vertrauter von Fillon.

Zuletzt hatten Fillon weniger als zwei Monate vor der Wahl immer mehr wichtige Unterstützer die Gefolgschaft verweigert. Der frühere Premierminister Dominique de Villepin forderte Fillon ebenso zum Rückzug auf wie die Europaabgeordnete Nadine Morano. "Er kann nicht mehr Kandidat sein, weil er keinen inhaltlichen Wahlkampf mehr führen kann", sagte de Villepin im Sender Europe1. Morano warnte bei Franceinfo: "Wenn er trotz allem weiter macht, sind wir in einer Sackgasse."

Trotz der Vorladung im Ermittlungsverfahren in der Affäre um eine mögliche Scheinbeschäftigung seiner Frau will Fillon aber weitermachen.

Juppé könnte übernehmen

Ein möglicher Ersatzmann für Fillon steht aber bereits in den Startlöchern: Alain Juppé, wie Fillon ehemaliger Premierminister, erklärte sich nun doch bereit, als Spitzenkandidat für die Präsidentschaftswahl anzutreten. Der Bürgermeister von Bordeaux würde sich bei einem Verzicht Fillons nicht vor der Verantwortung "drücken", verlautete aus Juppés Umfeld. Bislang hatte Juppé es abgelehnt, für Fillon einzuspringen, sollte dieser wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre auf seine Kandidatur verzichten.

Allerdings stellt der 71-Jährige, der Fillon bei den Präsidentschaftsvorwahlen der Konservativen im November klar unterlegen war, nach Angaben seines Umfelds zwei Bedingungen: Fillon müsse von sich aus auf seine Kandidatur verzichten und die Konservativen müssten sich geschlossen hinter ihn stellen.

Fillon ist durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau und zwei seiner Kinder massiv unter Druck geraten. Die französische Justiz dürfte bald ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleiten.

Umfragen: Fillon auf drittem Platz

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April würde Fillon aktuellen Umfragen zufolge auf Platz drei landen - hinter der rechtsgerichteten Marine Le Pen und hinter dem unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron. Das bedeutet, dass Fillon nicht in die Stichwahl gelangen könnte. Falls er den zweiten Wahlgang am 7. Mai doch erreichen würde, hätte Fillon aber Umfragen zufolge Chancen, sich gegen Le Pen durchzusetzen.

Ellis Fröder, ARD Paris, zur Fillon-Affäre
tagesschau 14:15 Uhr, 03.03.2017

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. März 2017 um 12:44 Uhr

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