Hütten in Grande Synthe | Bildquelle: REUTERS

Neues Flüchtlingslager in Nordfrankreich Holzhütten für mehr Menschlichkeit

Stand: 07.03.2016 17:51 Uhr

Es ist das erste Flüchtlingscamp nach internationalen Standards in Frankreich: Unweit vom teils geräumten Flüchtlingslager Calais haben "Ärzte ohne Grenzen" und die Gemeinde Grande Synthe ein Holzhüttencamp errichtet, das Platz für ein wenig Erholung bietet.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Grande Synthe bei Dünkirchen - dieser Ort steht in Frankreich für noch schlimmere Zustände als der Dschungel von Calais. In einem improvisierten Lager leben nach offiziellen Angaben 1050 Flüchtlinge, davon 60 Frauen und mehr als 70 Kinder. Sie leben im Schlamm, umgeben von Müll und Ratten. Die meisten Bewohner sind Kurden aus dem Irak.

"Jeder will hier weg", erzählt ein Flüchtling namens Saadi. "Niemand will mehr hier bleiben. Das hier ist nicht für Menschen gemacht. Noch nicht einmal Tiere können hier leben."

Ein festes Dach über dem Kopf

Nun gibt es zumindest einen kleinen Lichtblick für die Menschen, deren Ziel die andere Seite des Ärmelkanals ist. Etwa einen Kilometer von ihrem Camp aus Plastikplanen und Zelten entfernt hat ein neues Flüchtlingslager seine Pforten geöffnet.

Mehr als 200 Hütten aus Holz, zwischen acht und zehn Quadratmeter groß, sollen den Flüchtlingen ein festes Dach über dem Kopf bieten: "In diesen Holzhütten können im Schnitt vier Personen unterkommen", erklärt Angélique Muller von "Ärzte ohne Grenzen", die das Camp mit aufgebaut hat. "Es gibt ein Belüftungssystem mit speziellen Fenstern. Jeder Familie steht in den Hütten eine Heizung zur Verfügung."

Holzhütten-Lager bei Grande Synthe | Bildquelle: REUTERS
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In den Holzhütten können bis zu vier Personen unterkommen.

Außerdem bietet das Camp ausreichend Duschen, Toiletten, Gemeinschaftsküchen und eine Schule. Es ist das erste Flüchtlingscamp in Frankreich, das internationalen Standards entspricht. Momentan ist hier Platz für 1200 Menschen, in den kommenden Wochen sollen aber noch mehr Holzhütten aufgestellt werden. Dann sollen mehr als doppelt so viele unterkommen können.

Ein wenig Erholung

Drei Millionen Euro hat das Lager mit den Holzhütten gekostet. "Ärzte ohne Grenzen", sonst meist in Krisengebieten im Einsatz, hat einen Großteil davon finanziert. Auch die Gemeinde Grande-Synthe hat Geld beigesteuert.

Deren grüner Bürgermeister Damien Careme spricht von einem Tag voller Menschlichkeit. Er sieht die Lage der Flüchtlinge dennoch realistisch: "Niemand träumt davon, in so einem Camp zu wohnen und hier Tage und Wochen zu verbringen, während sie auf eine Chance warten, nach Großbritannien zu gelangen. Aber hier können sie sich ein wenig erholen."

Regierung will Aufnahmezentren

Ein Flüchtlingslager dieser Art hätte sich Maya Konforti von der Hilfsorganisation "Auberge des migrants" auch für das nur rund 40 Kilometer weiter gelegene Calais vorstellen können: "Das wäre eine gute Idee gewesen. Dies umso mehr, als der Staat dort ja ein Containerdorf errichtet hat, das aber mit 18 Millionen Euro viel teurer ist als das Camp von Grande-Synthe mit seinen drei Millionen. Das ist ein gewaltiger Unterschied - für ungefähr die gleiche Anzahl an Menschen."

Doch Frankreichs Regierung sieht das neue Camp in Grande-Synthe alles andere als gern. Sie will die Flüchtlinge lieber umsiedeln, unter anderem in spezielle Aufnahmezentren, von wo aus sie dann Asyl in Frankreich beantragen können. Präsident Francois Hollande hatte erst vergangenen Woche betont: Wer nach Calais kommt, kann nicht nach Großbritannien rüberfahren. Für Grande-Synthe gilt dies ebenso.

Dieser Beitrag lief am 07. März 2016 um 18:36 Uhr im Deutschlandfunk.

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