François Fillon | Bildquelle: dpa

Verdacht der Scheinbeschäftigung Fillons Pariser Wohnung durchsucht

Stand: 02.03.2017 20:13 Uhr

Die nächste Stufe in der Scheinbeschäftigungsaffäre um die Ehefrau und Kinder des konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten Fillon: Seine Pariser Wohnung wurde durchsucht. Fillon droht die Eröffnung eines Verfahrens - an seiner Kandidatur hält er aber fest.

Ermittler haben nach übereinstimmenden Medienberichten die Wohnung des französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon und seiner Frau Penelope durchsucht. Wie die Zeitung "Le Parisien" unter Berufung auf "übereinstimmende Quellen" berichtet, sei die Durchsuchung im siebten Arrondissement "früher am Tag" erfolgt. Die Polizisten hätten mehrere Dokumente beschlagnahmt, schreibt die Zeitung "Le Journal du Dimanche". "Die Durchsuchung wurde vor einigen Stunden beendet", hieß es am Abend aus dem Umfeld des früheren Premierministers. Die Nationale Finanz-Staatsanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage nicht und verwies auf das Ermittlungsgeheimnis.

Penelope und Francois Fillon | Bildquelle: AFP
galerie

François Fillon mit seiner Frau Penelope.

Der Konservative steht wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten unter Druck. Die Justiz ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Hinterziehung öffentlicher Gelder. Penelope Fillon war jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann angestellt. Wie die Satirezeitung "Le Canard Enchaîné" berichtete, soll sie in dieser Zeit 830.000 Euro verdient haben, es gebe allerdings Zweifel daran, ob sie auch wirklich gearbeitet habe. Neben ihr hätten auch zwei seiner Kinder Geld für nicht existierende Jobs bekommen - als angebliche Parlamentsgehilfen in den Jahren 2005 bis 2007.

Fillon hält an Kandidatur fest

Fillon hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass er für den 15. März von den Ermittlungsrichtern vorgeladen ist. Dabei droht ihm die Eröffnung eines Verfahrens. Ein solcher Schritt ist laut der französischen Strafprozessordnung angebracht, wenn "schwerwiegende oder übereinstimmende Indizien" eine Täterschaft oder Mittäterschaft des Verdächtigen "wahrscheinlich" machen. Fillon weist den Vorwurf einer Scheinbeschäftigung jedoch zurück. Trotz der Vorladung will er seine Präsidentschaftskandidatur nicht aufgeben. Damit zog er sich allerdings den Unmut vieler Parteifreunde zu, die eine Kandidatur unter diesen Umständen für nicht mehr möglich halten.

Die Zeitung "Libération" zählte 56 Politiker der Republikaner-Partei und ihrer Verbündeten, die von Fillons Kampagne abrückten, darunter Abgeordnete und Senatoren. Der Schatzmeister der Kampagne Kampagne, Gilles Boyer, reichte seinen Rücktritt ein. 17 Bürgermeister und kommunale Mandatsträger forderten Fillon in einem Gastartikel in der Zeitung "L'Opinion" auf, sich zurückzuziehen: Ein "moralischer Pakt" sei gebrochen worden. Ursprünglich hatte Fillon gesagt, im Fall eines Verfahrens gegen ihn nicht anzutreten.

Fillons Umfragewerte sind seit Beginn der Affäre Ende Januar deutlich zurückgegangen. Nach jetzigem Stand würde er den Einzug in die Stichwahl am 7. Mai verfehlen. Er liegt in Umfragen hinter der rechtsextremen Front-National-Chefin Marine Le Pen und dem parteilosen Mitte-Kandidaten Emmanuel Macron.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. März 2017 um 22:00 Uhr.

Darstellung: