Eine Dunstglocke hängt über Paris | Bildquelle: AFP

Klimaplan vorgelegt Frankreich will grüner werden

Stand: 06.07.2017 20:44 Uhr

Der neue französische Umweltminister Hulot will eine neue, grünere Ära in der Politik einläuten. Dafür hat er einen Fünf-Jahres-Plan für das Klima vorgelegt - mit klaren Aussagen zur CO2-Reduzierung. Zur Atomkraft sagt er jedoch wenig.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Das kann es auch nur in Frankreich geben: Der Umweltminister stellt eineinhalb Stunden lang seinen "Fünf-Jahres-Klima-Plan" vor - und verliert genau einen halben Satz über Atomkraft: "Dieser Plan zielt auch darauf ab, zusammen mit einem Bündel von anderen Maßnahmen, den Anteil der Atomenergie auf 50 Prozent bis ins Jahr 2025 zu reduzieren."

Selbst das ist nicht neu. Nicolas Hulot wiederholt nur, was seine Vorgängerin bereits festgezurrt hat - und wieder einmal stellt man fest: Frankreich und die Atomkraft, das ist mit deutschen Augen gesehen ein wunderliches Verhältnis.

"Ein paar Meiler stilllegen"

Am Ende der Veranstaltung wird Hulot dann tatsächlich noch darauf angesprochen, was der Umweltminister mit der Atomkraft vorhat. Die Antwort ist reichlich ausweichend: "Ich bin in dieser Frage nicht dogmatisch. Aber niemand würde verstehen, wenn er wir sagen, wir senken den Stromverbrauch, bauen die erneuerbaren Energien aus und lassen gleichzeitig eine bestimmte Anzahl an Atomreaktoren am Netz. Das glaubt uns doch keiner, also werden wir eine gewisse Anzahl an Meilern stilllegen."

Das Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze | Bildquelle: dpa
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Das Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze gehört zu den umstrittenen französischen Meilern.

Welche Meiler das wann sein werden, dazu kein Wort - alles müsse erst einmal geprüft werden. Kein brutales Aussteigen aus der Atomenergie, das ist ganz offenbar auch die Linie der neuen Regierung unter Präsident Emmanuel Macron. Überhaupt will man die Franzosen vorsichtig an das sensible Thema Umweltschutz heranführen: "Mit Brutalität gefährdet man die Umsetzung", meint Hulot.

Keine Energie mehr aus Kohle

Der Minister will den verantwortungsvollen Umgang beim Heizen und Autofahren fördern, erneuerbare Energien und den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen und sagt den fossilen Energien den Kampf an: "Wir hören definitiv mit der Ausbeutung der fossilen Energien aus: Kohle zum Beispiel ist die Hauptquelle für Kohlendioxid auf dem Planeten. Wir beziehen fünf Prozent unserer Energie aus Kohle, was wenig ist, aber immer noch zu viel: Bis 2022 wird damit komplett Schluss sein."

2040 das Aus für Verbrennungsmotoren

An den Kragen will der Minister auch Diesel- und Benzin-Fahrzeugen: "Wir kündigen das Ende des Verkaufs von Diesel- und Benzinfahrzeugen bis zum Jahr 2040 an." Dazu kommt noch eine Abwrackprämie für Haushalte mit niedrigem Einkommen, damit diese ihre alten Autos abschaffen und dafür umweltfreundlichere, am besten noch Elektroautos kaufen.

Frankreich schreibt sich bei den Elektroautos ja schon länger auf die Fahnen, deutlich fortschrittlicher als Deutschland zu sein - dieser Vorsprung soll gehalten werden. Der generelle Anspruch ist groß: "Warum machen wir diesen Klima-Plan? Weil wir Verantwortung tragen und weil wir unsere Vorreiterrolle behalten wollen", sagt der Umweltminister.

Appell an französische Umweltmuffel

Hulot weiß um die Schwierigkeiten, ein in puncto Umweltschutz und Energiesparen eher träges Volk in Bewegung zu setzen, daher setzt er ganz an den Schluss einen Appell: "Meine Botschaft lautet: Helfen Sie uns alle, weil Umweltschutz ein universelles Anliegen ist; helfen Sie uns, Bäume zu pflanzen, auf denen wir uns nie werden ausruhen können, aber vielleicht unsere Kinder."

Der Klima-Plan von Umweltminister Hulot: Kampf den fossilen Energien
Barbara Kostolnik, ARD Paris
06.07.2017 19:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2017 um 11:39 Uhr.

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