Nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" sichern Soladaten den Platz vor dem Louvre in Paris. | Bildquelle: REUTERS

Nach Anschlag auf "Charlie Hebdo" in Paris Mehrere Verdächtige festgenommen

Stand: 08.01.2015 12:44 Uhr

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Pariser Satirezeitung "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten hat es nach Angaben des französischen Premierministers Manuel Valls mehrere Festnahmen gegeben. Zur Frage, um wie viele Festnahmen es sich handle, wollte Valls sich nicht äußern. Noch ist unklar, ob unter den Festgenommenen auch die beiden Hauptverdächtigen sind. Bisher hieß es, die mutmaßlichen Attentäter seien weiter auf der Flucht.

In Paris gab es am Morgen eine Schießerei am südlichen Stadtrand. Ein Mann mit einer schusssicheren Weste und einem Schnellfeuergewehr habe um 08.19 Uhr das Feuer auf Polizisten eröffnet, teilte die Polizei mit. Eine Beamtin starb an ihren schweren Verletzungen. Ein Mitarbeiter der Stadtreinigung wurden lebensgefährlich verletzt. Meldungen, laut denen der Angreifer festgenommen werden konnte, dementierte Innenminister Bernard Cazeneuve.

Tatverdächtige wurden überwacht

Cazeneuve erklärte zudem, die beiden gesuchten Tatverdächtigen des Anschlags auf "Charlie Hebdo" seien überwacht worden. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben, gegen die Männer habe es auch kein juristisches Verfahren gegeben, sagte der Innenminister dem Sender Europe 1. "Wir treffen hundertprozentig Vorsichtsmaßnahmen, ein Null-Risiko gibt es aber nicht". Die derzeitige Risikolage könne auch zu anderen Gewalttaten führen, warnte der Innenminister.

Mutmaßliche Haupttäter weiterhin auf der Flucht
tagesschau 12:00 Uhr, 08.01.2015, Mathias Werth, ARD Paris

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Noch fahndet die französische Polizei offenbar mit Tausenden Beamten und Spezialkräften in mehreren Städten nach den Brüdern Said Kouachi (34) und Chérif Kouachi (32). Dieser soll 2008 verurteilt worden sein, weil er dabei geholfen hatte, Kämpfer in den Irak zu schleusen.

Ein mutmaßlicher Helfer der Brüder hatte sich nach knapp zwölf Stunden freiwillig der Polizei gestellt. Der 18-Jährige wurde ebenso verhört wie das Umfeld der verdächtigen Brüder. Die Behörden veröffentlichten im Internet ein Fahndungsplakat, um Zeugen zu finden. Alle drei Männer sollen aus Paris kommen und die französische Staatsbürgerschaft haben.

Mutmaßlicher Helfer offenbar in Gewahrsam

Der mutmaßliche Helfer sei in der Kleinstadt Charleville-Mézière nahe der belgischen Grenze in Polizeigewahrsam, hieß es in übereinstimmenden Medienberichten. Er heiße Hamyd M. und soll seine Unschuld beteuert haben. Er habe sich gestellt, weil sein Name in den sozialen Netzwerken genannt worden sei. Mitschüler in Charleville-Mézière sollen Medien zufolge erklärt haben, er sei am Morgen in der Schule gewesen.

Spezialkräfte umstellten in der Nacht ein Haus im ostfranzösischen Reims. Die Attentäter haben auf der Flucht offenbar einen schweren Fehler gemacht und die Polizei so auf ihre Spur gebracht. Wie die Zeitschrift "Le Point" und die Zeitung "Le Monde" schreiben, vergaß einer der Brüder seinen Personalausweis im Fluchtwagen, als die Attentäter am Rande der Hauptstadt das Auto wechselten.

Fahndungsfotos der mutmaßlichen Terroristen (Quelle: Französische Polizei)
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Die Polizei fahndet nach Cherif K., 32, (links) und seinen Bruder Said K., 34.

Nationaler Trauertag in Frankreich

Der französische Staatspräsident François Hollande ordnete heute einen Tag der nationalen Trauer an. Er forderte die Franzosen auf, in dieser schweren Zeit zusammenzustehen.

Die Brüder sollen am Mittwochvormittag schwarz vermummt die Redaktion des Magazins mitten in der Hauptstadt gestürmt und unter anderem mit einer Kalaschnikow um sich geschossen haben. Zwölf Menschen wurden getötet, darunter acht Journalisten. Elf Menschen wurden verletzt. Die Terroristen riefen während des Anschlags "Allah ist groß", "Wir haben den Propheten gerächt" und "Wir haben Charlie Hebdo getötet". Zudem hätten sie behauptet, zur Terrororganisation Al-Kaida zu gehören. Die Sicherheitsmaßnahmen im Großraum Paris wurden massiv verschärft.

Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich noch nicht zu der Frage, ob die Täter bei ihrer Tat im Redaktionsgebäude ihr Motiv erkennen ließen.

Immer wieder angefeindet

"Charlie Hebdo" war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten und angefeindet worden. Erst am Dienstag hatte die Zeitschrift eine Karikatur veröffentlicht, auf der ein islamistischer Terrorist mit einer umgehängten Kalaschnikow auf dem Rücken sagt: "Noch immer kein Attentat in Frankreich, aber man darf sich ja bis Ende Januar was wünschen."

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