Rechstpopulistin Le Pen | Bildquelle: dpa

Parlamentswahl in Frankreich Warum der FN wohl schwach abschneiden wird

Stand: 11.06.2017 13:12 Uhr

Derzeit ist der Front National mit zwei Abgeordneten im französischen Parlament vertreten. Ursprüngliches Ziel der Partei war es, bei der heutigen Wahl bis zu 60 Mandate zu erreichen. Davon ist der FN laut Umfragen jedoch weit entfernt.

Von Daniela Junghans, ARD-Studio Paris

Keine zwei Monate ist es her, da hoffte Marine Le Pen noch, sie könne erst die französischen Präsidentschafts- und später dann die Parlamentswahlen gewinnen. Präsidentin wurde sie nicht, und auch bei den nun anstehenden Wahlen zur Assemblee Nationale hat der Front National längst nicht mehr so gute Karten. Aktuelle Umfragen gehen von höchstens 16 erreichbaren Mandaten aus.

Ein erstaunlicher Wandel, wenn man bedenkt, dass Le Pen in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen vor gut einem Monat noch mehr als 10 Millionen Wählerstimmen für sich verbuchen konnte. Damals rechnete der Front National noch mit mindestens 40 Mandaten im neuen Parlament, manche sprachen gar von 60 oder mehr.

Dass es nun wohl deutlich weniger werden könnten, weiß auch Parteisprecher Nicolas Bay. Zahlen seien jedoch nicht alles. "Der Kampfgeist, den wir als Opposition haben werden, hängt nicht nur mit der Zahl unserer Sitze im Parlament zusammen. Ich denke, das ist eher eine Frage des politischen Willens", meint Bay.

Interner Streit im Front National

Die schlechten Umfragewerte des Front National haben mehrere Ursachen: Die Partei ist intern zerstritten, zum Beispiel bei der Frage eines möglichen Euro-Austritts. Der Front National hatte sich bisher dafür ausgesprochen, dass Frankreich den Euro verlässt. Doch eine Mehrheit der Franzosen ist gegen einen solchen Schritt. Eine weniger radikale Position könnte der Partei also mehr Stimmen bringen.

Eine Klärung dieser und anderer Fragen innerhalb der Partei soll es in den kommenden Monaten geben, also erst nach der Wahl. "Ich denke, es wird eine Zeit kommen, in der wir über alle Themen ohne Tabus nachdenken müssen. Aber so kurz vor der Wahl geht es darum, die Menschen zu mobilisieren", sagt Generalsekretär Bay.

Irritation durch Rücktritt der Nichte

Marion Marechal-Le Pen
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Rückzug aus privaten Gründen: Marion Maréchal Le Pen

Für zusätzliche Irritationen sorgt, dass mit Marion Maréchal - Le Pen ausgerechnet die Nichte von Marine Le Pen kurzfristig von ihrer Parlaments-Kandidatur zurücktrat. Die 27-jährige aus Südfrankreich ist eine von zwei Abgeordneten, die schon jetzt für den Front National im Parlament sitzen. Unter den Anhängern der Partei ist sie sehr beliebt. Auch wenn sie ausschließlich private Gründe für ihren Rückzug aus der aktiven Politik nennt, dürfte der Richtungsstreit im Front National dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Maréchal - Le Pen gilt im Vergleich zu ihrer Tante als deutlich rechter, deutlich näher an den Positionen ihres Großvaters Jean-Marie Le Pen.

Parlamentseinzug nur über Gewinn eines Wahlkreises

Aber nicht nur die internen Debatten sorgen für schlechte Prognosen: Nach französischem Wahlrecht zieht nur ins Parlament, wer einen Wahlkreis gewinnt. Etwas mit der deutschen Zweitstimme vergleichbares gibt es nicht. Selbst mehrere Millionen FN-Wähler landesweit bedeuten also nicht automatisch, dass die Partei auch viele Mandate bekommt.

Ganz leer ausgehen wird sie wohl nicht, vor allem in Nordfrankreich liegen einige Kandidaten in ihren Wahlkreisen in den Umfragen weit vorn, auch Marine Le Pen gehört dazu. Die neue Zielmarke der Partei: mindestens 15 Abgeordnete. Denn erst dann könnte der Front National eine eigene Fraktion in der Assemblee Nationale stellen.

Der Front National vor den Parlamentswahlen
Daniela Junghans, ARD Paris
11.06.2017 11:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Juni 2017 um 13:15 Uhr.

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