Mélenchon steht vor Kameras in Paris und hält sich den Zeigefinger zum Schweigen vor den Mund. | Bildquelle: AP

Wahlkampf in Frankreich Das Schweigen des Monsieur Mélenchon

Stand: 28.04.2017 17:18 Uhr

In Frankreich tobt der Wahlkampf zwischen Le Pen und Macron. Ihnen geht es um die Wähler, die im ersten Wahlgang nicht für sie gestimmt haben. Besonders intensiv werben sie um die Anhänger des Linken Mélenchon.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Hörfunkstudio Paris

Die Wählerinnen und Wähler der radikalen Linken stehen vor einem merkwürdigen Dilemma. "Ich bin überhaupt nicht einverstanden, dass man uns jetzt das Messer an die Kehle setzt und befiehlt: Los, wählt zwischen Macron und Le Pen", sagt Martina in Toulouse. "Das ist eine große Mauschelei."

Wahlplakate von Le Pen und Macron | Bildquelle: REUTERS
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Le Pen und Macron hoffen beide auf die Stimme der Mélenchon-Anhänger.

Wie ihr geht es vielen, vor allen jungen Leuten, die mehrheitlich für den radikalen Linken Jean-Luc Mélenchon gestimmt haben und jetzt zwischen einer rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen und einem Ex-Investment-Banker Emmanuel Macron wählen sollen. Pest oder Cholera sagen viele.

Keine Empfehlung von Mélenchon

Das Problem im Problem: Le Pen ist als Anti-System-Kandidatin vielen Mélenchon-Wählern näher als Macron, aber als Rechtsextreme für radikale Linke quasi tabu. Mélenchon selbst schweigt seit dem Wahlabend, sein Sprecher erklärte lapidar: "Unsere Wahlempfehlung lautet: Keine Stimme darf an den Front National gehen."

Sieben Millionen Stimmen hatte der Ex-Journalist, Ex-Sozialist und Neo-Populist Mélenchon eingesammelt - und er denkt nicht daran, sie über eine Wahlempfehlung quasi ins andere Lager, zu Macron zu schicken, und sei es zum Preis, dass er damit Le Pen stärkt.

Verkehrte Welt beim Front National

Sich nicht zu positionieren bedeutet, sich für Marine Le Pen zu entscheiden", sagt Macron - Le Pen wiederum rief heute im Internet die Mélenchon-Wähler dazu auf, Macron zu verhindern: "Je m’adresse à la France insoumise, faire barrage à Emmanuel Macron", womit sie kühn die Rhetorik der letzten 15 Jahre auf den Kopf stellte. Faire barrage, einen Damm zu errichten, hieß in der Vergangenheit nämlich immer, den Front National zu verhindern.

Die Front geben die Front bröckelt

Jean-Luc Mélenchon | Bildquelle: AP
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Jean-Luc Mélenchon denkt offenbar taktisch über die Präsidentenwahl hinaus.

Heute ist die republikanische Front all der Parteien, die sich gegen den Extremismus stellen, geschwächt - eine Front, zu der im Jahr 2002 auch Mélenchon gehörte. Der radikale Linke schielt auf die Parlamentswahlen im Juni, er hofft, die ausgezehrten Sozialisten übernehmen zu können und eine starke linke Fraktion in der Nationalversammlung zu stellen. "Ich rufe euch auf, beisammen und in Bewegung, eine Bewegung zu bleiben", lautete sein Appell am Wahlabend. Mehr Appelle gab es nicht.

Auch im Lager der konservativen Republikaner hat man keine generelle Wahlempfehlung für Emmanuel Macron abgegeben, auch dort hat man die Parlamentswahlen im Blick. Nur: Die führenden Köpfe wie Nicolas Sarkozy, François Fillon und Alain Juppé haben alle erklärt, sie persönlich würden Macron wählen.

Mélenchon hingegen schweigt sich aus. Darüber, wen er wählt, darüber, wen seine Wähler wählen sollen. Damit spielt er ein gefährliches Spiel: Er setzt Le Pen und Macron gleich. Die Entteufelung der rechtsextremen Partei von Le Pen bekommt dadurch einen weiteren Schub. Der Front National wird so immer mehr zur ganz normalen Partei.

Frankreich: Kampf um die Stimmen der Radikalen Linken
B. Kostolnik, ARD Paris
28.04.2017 16:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2017 um 05:44 Uhr

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