Der Hubschrauber des chinesischen Eisbrechers  | Bildquelle: AFP

Rettungsmission für "Akademik Shokalskiy" Aus dem Eis befreit

Stand: 02.01.2014 12:34 Uhr

Nach mehr als zwei Wochen im Packeis haben die 52 Passagiere der "Akademik Shokalskiy" das festgefahrene Schiff verlassen. Mit einem Hubschrauber wurden sie zunächst auf ein chinesisches Schiff gebracht. Die Crew bleibt vorerst an Bord.

Von Gerd Wolff, ARD-Hörfunkstudio Singapur

Der rote Hubschrauber, der vom chinesischen Eisbrecher "Xue Long" ("Schneedrache") kam, überflog am Nachmittag Ortszeit mehrmals die Landestelle, die die Passagiere der "Akademik Shokalskiy" in den vergangenen beiden Tagen vorbereitet hatten. An Bord kam neue Hoffnung auf, denn eigentlich war die Rettungsaktion für heute erneut abgesagt worden.

Auch Expeditionsleiter Chris Turney grinste überglücklich in seine Handy-Kamera: "Halb sechs nachmittags am 2. Januar: Gerade hat der Hubschrauber des Schneedrachen unsere Landestelle getestet. Wenn alles gut geht, können wir in einer Stunde los."   

So schnell ging es dann doch nicht. Der chinesische Helikopter setzte zunächst kurz und sehr vorsichtig neben dem festsitzenden Forschungsschiff auf. Mehrere Insassen stiegen aus, und die Maschine flog einmal wieder ab.

Erleichterung unter den Passagieren

An Bord der "Akamedik Shokalskiy" begannen die Gespräche über den Ablauf der Evakuierung. Erst als die Crew damit begann, per Schlitten die Gepäckstücke vom Schiff Richtung Landeplatz zu ziehen, machte sich unter den Passagieren Erleichterung breit. "Wir hatten uns häufig vergeblich Hoffnungen gemacht und hatten schon gedacht, dass wir mindestens noch eine Woche hier sein würden. Aber jetzt werden wir spätestens heute Abend hier weg sein", sagte Andrew Luck-Baker, der die Polarexpedition für die BBC beobachtet hatte.

Flug dauerte eine halbe Stunde

Strahlender Sonnenschein, dank eines plötzlichen Wetterumschwungs, hatte die Rettung begünstigt. Die 52 Touristen, Wissenschaftler und Journalisten sollten offenbar zunächst auf die "Xue Long" gebracht werden, um von dort aus per Boot auf den australischen Versorger "Aurora Australis" überzusetzen. Die Evakuierung erfolgte in Etappen, der Hubschrauber konnte jeweils nur ein Dutzend Passagiere aufnehmen. Nach einem gut halbstündigen Flug hatten sie dann ihr im Eis festsitzendes mit einem an der Packeisgrenze schwimmenden Schiff getauscht.

Akademik Shokalskiy | Bildquelle: AFP
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Mehr als eine Woche saßen die Passagiere auf der "Akademik Shokalskiy" im antarktischen Eis fest.

"Die Pinguine hier sind wirklich sehr nett"

Vier Stunden dauerte die Rettungsaktion insgesamt. Frühestens Mitte Januar wird die Gruppe dann wieder in Australien zurückerwartet. Zeit genug, um den Expeditions-Hit zur Aufführungsreife zu bringen, der während der Wartezeit an Bord der Shokalskiy entstanden war: Ein Lied, das die Passagiere komponiert und bei YouTube veröffentlicht hatten.

Der Text: "Wir sind die Polar-Expedition und sind weit gereist und hatten viel Spaß beim Forschen im Eis. Viel Sturm und der Schnee ist fest wie ein Brett, aber die Pinguine hier sind wirklich sehr nett."

Seit dem ersten Weihnachtstag im Eis

Die 22-köpfige Crew der "Akamedik Shokalskiy" bleibt weiter an Bord, bis ihr Schiff aus dem Eis befreit werden kann. Ein weiterer schwerer Eisbrecher ist auf dem Weg in die Region.

Das Forschungsschiff, das unter russischer Flagge fährt, hatte seit dem ersten Weihnachtstag rund 2800 Kilometer südlich von Australien im Eis festgesteckt. Die Expedition war auf den Spuren des australischen Polarforschers Douglas Mawson unterwegs, dessen Aufzeichnungen von vor 100 Jahren noch heute Schlüsse über Klimaveränderungen in der Antarktis zulassen. Diese sollen unter anderem für wiederholte Trockenperioden auf dem australischen Kontinent verantwortlich sein.

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