Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn verlässt ein Gerichtsgebäude | Bildquelle: AFP

Lüge gegenüber dem FBI Trump schweigt nach Flynns Geständnis

Stand: 02.12.2017 11:11 Uhr

Anhänger von US-Präsident Trump spielen das Geständnis seines Ex-Sicherheitsberaters Flynn herunter. Gegner sehen in dessen Lüge gegenüber dem FBI ein Indiz, dass weit mehr hinter den Russland-Kontakten steckt. Trump selbst schweigt auffällig.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Kein Wort des Präsidenten über das Schicksal von Michael Flynn: Donald Trump hielt selbst bei Twitter die Finger still - obwohl er doch sonst schnell seine Meinung in alle Welt verschickt.

US-Präsident Trump reckt einen Daumen empor | Bildquelle: AP
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US-Präsident Trump schweigt bislang zu Flynns Geständnis.

Im Wahlkampf war Flynn ein wichtiger Berater des Präsidenten. Trump verteidigte ihn, selbst, nachdem er ihn als Nationalen Sicherheitsberater entlassen hatte. Flynn gehörte zum engen Kreis der Trump-Berater. Dass er jetzt mit dem Sonderermittler zusammenarbeitet, sei eine große Sache, sagte der frühere Geheimdienst-Koordinator James Clapper bei CNN: "In diesem Land setzt sich das Gesetz durch - das ist wichtig. Kein guter Tag für das Weiße Haus. Flynn war kein Kaffee-Holer. Das ist kein Scherz, kein Fake. Das ist echt."

Flynn gibt Lüge gegenüber dem FBI zu

Michael Flynn hatte sich gestern für schuldig erklärt, das FBI angelogen zu haben. Er hatte verschwiegen, dass er mit dem russischen Botschafter über Sanktionen und UN-Resolutionen gesprochen hatte, bevor die Trump-Regierung ins Amt kam. Gleichzeitig erklärte er sich bereit, dem Sonderermittler zu helfen -, das sei im besten Interesse seiner Familie und des Landes.

US-Sonderermittler Robert Mueller | Bildquelle: AP
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US-Sonderermittler Mueller muss prüfen, ob es Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gab.

Der konservative Kommentator Ben Shapiro sagte bei Fox News: "Das Trump-Team kann sagen: Wenn das alles ist, was ihr habt - das FBI anzulügen über Gespräche, die nicht illegal waren und politisch nicht problematisch - dann ist das eine Hexenjagd."

Die zentrale Frage für Sonderermittler Robert Mueller ist: Gab es eine Absprache von Trumps Wahlkampf-Team mit Russland, um die Wahlen zu beeinflussen? Flynn ist bereits der vierte Angeklagte aus Trumps Wahlkampf-Team - und der zweite, der sich selbst für schuldig erklärt hat und mit dem Sonderermittler kooperiert.

"Dann verbergen sie etwas Großes"

Die demokratische Strategin Mary Anne March sagte: "Fast jeder hat gelogen, wenn es um Russland geht. Man muss sich fragen: Warum? Wenn sie bereit sind, das FBI anzulügen oder Meineid zu begehen, dann verbergen sie etwas Großes."

Wohin die Ermittlungen führen - da ist der Sonderermittler äußerst schweigsam. Flynn gab jetzt an, dass er seine umstrittenen Telefongespräche mit führenden Wahlkampfmanagern abgesprochen habe - laut Medienberichten auch mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Damit haben die Ermittlungen den engsten Zirkel des Präsidenten erreicht.

"Es scheint keine Verschwörung gegeben zu haben"

Trump-Unterstützer Brad Blakeman gab bei Fox News trotzdem Entwarnung: "Es gibt offenbar keine Hinweise auf Verdunkelung, Zwang, Verschwörung bei Trumps Wahlkampfteam. Die Russen haben versucht, Einfluss zu nehmen, aber sie waren nicht erfolgreich. Es scheint keine Verschwörung eines Kandidaten oder seines Teams gegeben zu haben, dabei zu helfen."

Auffällig ist aber: Flynn betrieb mehrere zweifelhafte Geschäfte, zum Beispiel für russische Medien oder für die türkische Regierung. Jetzt geht es aber nur darum, dass er das FBI über seine Telefonate mit dem russischen Botschafter belogen hat.

John Carlin war unter Präsident Obama im Justizministerium für nationale Sicherheit zuständig. Er sagte bei PBS: "Man sollte jemanden nicht wegen des kleinsten Verstoßes anklagen - außer, man denkt, er könnte helfen, jemanden zu überführen, der mehr Verantwortung hat. Das zeigt, Flynn bietet wertvolle Kooperation - es wird noch mehr geben." Carlin sagte, die Flynn-Anklage habe allen Beteiligten klar gemacht: Wer sich stellt und kooperationsbereit zeigt, kann erhebliche Strafnachlässe erwarten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2017 um 08:09 Uhr.

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