Wrackteile des russischen Flugzeugs, das über dem Sinai abgestürzt ist | Bildquelle: AFP

Flugzeugabsturz in Ägypten Erste Opfer nach Russland gebracht

Stand: 02.11.2015 05:38 Uhr

Nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeugs in Ägypten sind die ersten Todesopfer nach Russland überführt worden. Insgesamt kamen 224 Menschen bei dem Unglück ums Leben. Offenbar war der A321 aus unbekannten Gründen in der Luft auseinandergebrochen.

Auf dem Flughafen von St. Petersburg ist am frühen Montagmorgen eine erste Maschine mit Opfern des Flugzeugsabsturzes in Ägypten gelandet. Nach Angaben von Vertretern des russischen Katastrophenschutzministeriums brachte die Maschine die sterblichen Überreste von 144 Insassen nach Russland zurück. Ihre Identifizierung soll noch heute beginnen. Wegen des Unglücks gilt in Russland heute offiziell Staatstrauer.

In großer Höhe auseinandergebrochen

Nach Angaben russischer Ermittler brach die Maschine in der Luft auseinander. Der Leiter des russischen Luftfahrtbehörde, Alexander Neradko, sagte im russischen Fernsehen, die Maschine sei in "großer Höhe" auseinandergebrochen. Wegen des riesigen Trümmerfeldes gestaltet sich auch die Bergung der Leichen schwierig.

Der Chef des Luftfahrtkomitees, Viktor Soroschenko, sagte nach einem Besuch der Absturzstelle, "auf den ersten Blick" lasse sich keine These zur Absturzursache ausschließen. Zu dem Absturz hatte sich ein ägyptischer Ableger der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Jedoch halten die russischen und ägyptischen Behörden dieses Bekenntnis für nicht glaubwürdig.

Erste Opfer des Flugzeugabsturzes nach St. Petersburg überführt
tagesschau24, 09:45 Uhr, 02.11.2015, Thomas Aders, SWR

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Der Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Metrojet war am Samstagmorgen kurz nach dem Start vom Badeort Sharm El-Sheik über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Insassen, zumeist russische Urlauber, kamen ums Leben. Die Unglücksursache ist noch unklar. An der Untersuchung der ägyptischen Behörden beteiligen sich auch internationale Experten. Aufschluss über die Absturzursache erhoffen sich die russischen und ägyptischen Behörden vor allem von den inzwischen gefundenen Flugschreibern. Der Flugschreiber und der Stimmenrekorder seien nach erstem Augenschein nur gering beschädigt, hieß es.

Crew wurde kurz vor dem Start noch untersucht

Die russische Justiz hat nach eigenen Angaben keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Besatzung oder dem verwendeten Treibstoff des Airbus A321. "Die Piloten und Stewards sind vor dem Start in Sharm El-Sheikh medizinisch geprüft und für flugtauglich erklärt worden", sagte Behördensprecherin Maja Iwanowa der Agentur Interfax. Auch eine Untersuchung des Treibstoffs habe keine Hinweise ergeben: Ermittler hätten in einem Lager in der Wolga-Stadt Samara Proben des Kerosins genommen, den auch die Unglücksmaschine im Tank hatte. "Die Qualität entsprach den Anforderungen", betonte Iwanowa.

Die russische Fluggesellschaft Kolavia, zu der das abgestürzte Flugzeug gehört, schloss zudem menschliches Versagen als Grund für den Unfall aus. Mit 12.000 Flugstunden sei der Pilot sehr erfahren gewesen. Die Maschine habe über alle nötigen Zertifikate verfügt, sagte ein Sprecher. In Sharm El-Sheik war die Maschine nach offiziellen Angaben noch erfolgreich technisch gewartet worden.

Die Flugschreiber

Jedes Flugzeug führt zwei Flugschreiber mit sich: Der Flugdatenschreiber speichert technische Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Kurs, aber auch Neigungswinkel der Maschine, Ruder- und Klappenstellungen sowie Triebwerksparameter. Der Stimmenrekorder zeichnet die Gespräche der Piloten und alle anderen Geräusche im Cockpit fortlaufend in einer Endlosschleife von 30 bis 120 Minuten (je nach Bauart) auf.

Die Geräte sind meist in der Mitte oder im Heck der Maschine eingebaut, die erfahrungsgemäß bei einem Unfall am wenigsten zerstört werden. Heutige Modelle sind jeweils etwa so groß wie ein Schuhkarton, in auffälligem Leuchtorange gefärbt. Der Name "Blackbox" ist also etwas irreführend. Manchmal sind beide Flugschreiber in einem Behälter untergebracht, manchmal getrennt. Damit die Datenträger einen Absturz, hohe Temperaturen und hohen Wasserdruck überstehen, sind sie durch eine Stahlummantelung geschützt.

Damit die Flugschreiber nach einem Unglück leichter zu orten sind, sind sie mit Unterwasser-Ortungsbaken ausgestattet. Diese schalten sich bei der Berührung mit Wasser ein und senden ein Ultraschall-Signal aus. Dieser "Ping" wird einmal pro Sekunde gesendet und ist unter Wasser in einem Umkreis bis etwa zwei Kilometer zu orten. Die Batterien halten etwa 30 Tage, neuere bis zu 90 Tagen. An Land senden die Flugschreiber keine Signale.

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