Trümmer der auf der Sinai-Halbinsel abgestürzten Metrojet-Maschine | Bildquelle: dpa

Flugzeugabsturz in Ägypten Suche nach Opfern und Ursache

Stand: 01.11.2015 12:20 Uhr

Nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeugs in Ägypten wird weiter nach den Opfern und nach der Absturzursache gesucht. Noch heute sollen die Flugschreiber untersucht werden. Der Suchradius wurde ausgeweitet. Mehrere Fluggesellschaften meiden inzwischen den Sinai.

Einen Tag nach dem Absturz des russischen Passagierflugzeugs über Ägypten geht die Suche weiter: Die Suche nach den Opfern, die Suche nach der Absturzursache. Inzwischen wurden beide Flugschreiber gefunden. Noch heute wollen Experten mit der Auswertung beginnen.

Der Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Kogalymawia war am Samstag auf dem Weg vom ägyptischen Badeort Sharm El-Sheikh nach St. Petersburg im bergigen Norden des Sinai abgestürzt. Alle 224 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Leichen der Opfer werden von der Unglücksstelle in ein Militärflugzeug gebracht. | Bildquelle: AFP
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Leichen der Opfer werden von der Unglücksstelle in ein Militärflugzeug gebracht.

Suche nach Opfern ausgeweitet

Die ägyptischen Sicherheitskräfte weiteten heute ihre Suche nach den Opfern aus. Weil sogar noch in acht Kilometern Entfernung die Leiche eines Kindes gefunden worden sei, werde die Suche nach sterblichen Überresten nun auf einen Umkreis von 15 Kilometern um die Absturzstelle ausgedehnt, sagte ein an den Bergungsarbeiten beteiligter Militäroffizier der Nachrichtenagentur AFP.

Erste sterbliche Überreste der Opfer sollen spätestens am Montag nach St. Petersburg gebracht werden. Eine erste Maschine könne in der Nacht aus Kairo losfliegen, sagte Wladimir Stepanow vom Katastrophenschutzministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Zur Identifizierung hätten die russischen Behörden von Verwandten DNA-Proben genommen. Heute gilt in Russland Staatstrauer.

Die russische Flagge und die von St. Petersburg wehen einen Tag nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten auf Halbmast. | Bildquelle: AP
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Die russische Flagge und die von St. Petersburg wehen einen Tag nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten auf Halbmast.

Russische Ermittler in Ägypten

Aus Russland flogen inzwischen eigene Ermittler nach Ägypten, darunter auch Verkehrsminister Maxim Sokolow. Nach Berichten russischer Staatsmedien ist das Team inzwischen auf dem Weg zur Absturzstelle. Aufschluss über die Absturzursache erhoffen sich die russischen und ägyptischen Behörden vor allem von den inzwischen gefundenen Flugschreibern. Der Flugschreiber und der Stimmenrekorder seien nach erstem Augenschein nur gering beschädigt, sagte Sokolow nach seiner Ankunft in Kairo.

Die Flugschreiber

Jedes Flugzeug führt zwei Flugschreiber mit sich: Der Flugdatenschreiber speichert technische Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Kurs, aber auch Neigungswinkel der Maschine, Ruder- und Klappenstellungen sowie Triebwerksparameter. Der Stimmenrekorder zeichnet die Gespräche der Piloten und alle anderen Geräusche im Cockpit fortlaufend in einer Endlosschleife von 30 bis 120 Minuten (je nach Bauart) auf.

Die Geräte sind meist in der Mitte oder im Heck der Maschine eingebaut, die erfahrungsgemäß bei einem Unfall am wenigsten zerstört werden. Heutige Modelle sind jeweils etwa so groß wie ein Schuhkarton, in auffälligem Leuchtorange gefärbt. Der Name "Blackbox" ist also etwas irreführend. Manchmal sind beide Flugschreiber in einem Behälter untergebracht, manchmal getrennt. Damit die Datenträger einen Absturz, hohe Temperaturen und hohen Wasserdruck überstehen, sind sie durch eine Stahlummantelung geschützt.

Damit die Flugschreiber nach einem Unglück leichter zu orten sind, sind sie mit Unterwasser-Ortungsbaken ausgestattet. Diese schalten sich bei der Berührung mit Wasser ein und senden ein Ultraschall-Signal aus. Dieser "Ping" wird einmal pro Sekunde gesendet und ist unter Wasser in einem Umkreis bis etwa zwei Kilometer zu orten. Die Batterien halten etwa 30 Tage, neuere bis zu 90 Tagen. An Land senden die Flugschreiber keine Signale.

Keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten

Die russische Justiz hat nach eigenen Angaben keine Hinweise auf Unregelmäßigen bei der Besatzung oder dem verwendeten Treibstoff des Airbus A321. "Die Piloten und Stewards sind vor dem Start in Sharm El-Sheikh medizinisch geprüft und für flugtauglich erklärt worden", sagte Behördensprecherin Maja Iwanowa der Agentur Interfax. Auch eine Untersuchung des Treibstoffs habe keine Hinweise ergeben: Ermittler hätten in einem Lager in der Wolga-Stadt Samara Proben des Kerosins genommen, den auch die Unglücksmaschine im Tank hatte. "Die Qualität entsprach den Anforderungen", betonte Iwanowa.

Russische und ägyptische Behörden suchen nach Absturzursache
tagesthemen 23:15 Uhr, 31.10.2015, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Die russische Fluggesellschaft Kolavia schloss zudem menschliches Versagen als Grund für den Unfall aus. Mit 12.000 Flugstunden sei der Pilot sehr erfahren gewesen. Die Maschine habe über alle nötigen Zertifikate verfügt, sagte ein Sprecher. In Sharm El-Sheikh war die Maschine nach offiziellen Angaben noch erfolgreich technisch gewartet worden.

Zweifel an IS-Behauptung

Schon kurz nach dem Absturz galt ein technischer Defekt als wahrscheinlichster Grund für das Unglück. Der ägyptische Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" sorgte zehn Stunden später mit der Behauptung für Aufsehen, er sei für den Absturz verantwortlich. Einen Beweis dafür legte der IS bisher aber nicht vor. Nach Einschätzung von ARD-Korrespondent Thomas Aders gibt es mehrere Punkte, die gegen einen Terroranschlag sprechen.

Thomas Aders, ARD Kairo, zu den Spekulationen über einen IS-Anschlag
tagesthemen 23:15 Uhr, 31.10.2015

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Mehrere Fluggesellschaften meiden Sinai

Nach der Flugzeugkatastrophe kündigten mehrere Fluggesellschaften an, die Sinai-Halbinsel zunächst nicht mehr zu überfliegen. Dazu gehört neben Emirates, Air France-KLM auch die Lufthansa. Lufthansa hat eigenen Angaben zufolge weniger als zehn Flüge pro Tag, die die Region überqueren.

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