Wrackteile des russischen Flugzeugs, das über dem Sinai abgestürzt ist | Bildquelle: dpa

Flugzeugabsturz auf dem Sinai Was passierte mit Flug 7K9268?

Stand: 31.10.2015 16:28 Uhr

Der Absturz eines russischen Urlaubsfliegers über dem Sinai gibt Rätsel auf. Nach offiziellen Angaben stürzte die Maschine mit 224 Menschen an Bord wegen eines technischen Defekts ab. Doch nun meldet sich die Terrormiliz IS zu Wort und will für die Katastrophe verantwortlich sein.

Eigentlich hatten die ägyptischen Behörden einen Terroranschlag auf die über der Sinai-Halbinsel abgestürzte russische Passagiermaschine schon ausgeschlossen. An Bord habe es technische Probleme gegeben, hieß es vonseiten des ägyptischen Komitees für Zwischenfälle im Luftverkehr. Kurz nach dem Start habe die Besatzung einen entsprechenden Funkspruch abgesetzt. Der Pilot habe angekündigt, auf dem nächstgelegenen Flughafen landen zu wollen. Danach sei der Kontakt zu den Fluglotsen abgebrochen.

Doch nun hat sich nach übereinstimmenden Medienberichten der ägyptische Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" zu Wort gemeldet und behauptet, dass er für die Katastrophe verantwortlich sei. Als Quelle wird ein Bericht der IS-nahen Nachrichtenagentur "al-Amaq" und eine Nachricht beim Kurznachrichtendienst Twitter genannt. Die IS-Terroristen wollen den Abschuss mit einem verwackelten, unscharfen Video belegen, auf dem in der Ferne ein Flugzeug zu sehen ist. An der Echtheit des Videos bestehen allerdings Zweifel.

Der Sinai wird seit Jahren von Unruhen erschüttert. Die ägyptische Armee geht dort gegen bewaffnete Islamisten vor.

Zweifel an Verantwortung des IS

ARD-Korrespondent Thomas Aders ist jedoch skeptisch, ob die Islamisten tatsächlich für das Unglück verantwortlich sind. Alle Informationen, die in dem Beitrag von "al-Amaq" genannt würden, seien auch über Nachrichtenagenturen und im Fernsehen gelaufen. Zudem sei das Bekennerschreiben erst sehr spät, Stunden nach dem Absturz, veröffentlicht worden.

Russlands Transportminister Maxim Sokolow sagte, es gebe keine Hinweise, dass die Maschine von einer Rakete getroffen worden sei. Experten bezweifelten im russischen Fernsehen, dass Terroristen in der Region überhaupt über Waffen verfügten, um ein Flugzeug in einer Höhe von fast 10.000 Metern zu erreichen.

Russisches Passagierflugzeug über dem Sinai abgestürzt
tagesschau 20:00 Uhr, 31.10.2015, Thomas Aders, ARD Kairo

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Keine Hoffnung auf Überlebende

Die Maschine mit der Flugnummer 7K9268 war nach russischen Angaben auf dem Weg vom Badeort Sharm El-Sheikh ins russische Sankt Petersburg, als sie am Morgen abstürzte. An Bord des Airbus A321 befanden sich 224 Menschen, darunter 217 Passagiere und sieben Crewmitglieder, wie das ägyptische Ministerium für zivile Luftfahrt bestätigte. Überlebende gebe es keine.

Das renommierte Flugdatenportal "flightradar24" twitterte, dass die Maschine den Aufzeichnungen zufolge mit rund 6000 Fuß pro Minute gesunken sei, bevor das Radarsignal verloren ging. Das entspricht umgerechnet einer Sinkrate von 30,5 Metern pro Sekunde.

Die Trümmerteile wurden den Angaben zufolge in der Nähe des Al-Arisch-Flughafens gefunden, in einer Bergregion im äußersten Norden des Sinai. Rettungskräfte berichteten, das Flugzeug sei in zwei Teile zerbrochen. Helfer hätten bereits mehr als 100 Tote geborgen, darunter fünf Kinder. Viele der Opfer säßen noch angeschnallt in ihren Sitzen.

Flugschreiber gefunden

Bei der Aufklärung des Unglücks werden auch die Flugschreiber helfen. Nach Angaben der ägyptischen Behörden wurden die beiden Flugschreiber inzwischen gefunden. Der ägyptische Ministerpräsident, Sherif Ismail, hat eine Expertenkommission gebildet, die die Umstände des Unglücks klären soll. Dazu stehe er in engem Kontakt mit den russischen Behörden, sagt Ismail. Der russische Präsident Wladimir Putin ordnete ebenfalls die Bildung einer staatlichen Untersuchungskommission an. Die Leitung übernehme Regierungschef Dmitri Medwedew, teilte der Kreml mit. Flugschreiber und Stimmenrekorder sollen nach Moskau geholt und dort ausgewertet werden.

Putin versprach zudem sofortige Hilfe für die Angehörigen der Opfer und sprach ihnen sein Beileid aus. Die russische Generalstaatsanwaltschaft leitete der Agentur Interfax zufolge eine Prüfung der Tragödie ein. Einem unbestätigten Medienbericht zufolge sollen in Moskau bereits die Büros der betroffenen Fluglinie Kolavia durchsucht worden sein.

Der Metrojet Airbus A321 | Bildquelle: REUTERS
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Ein Archivbild der nun abgestürzten Maschine.

Maschine gehört zu kleiner Fluggesellschaft

Die sibirische Fluggesellschaft, die im Westen weitgehend unbekannt ist, wurde 1993 gegründet. Der Name ist die Kurzform von Kogalym-Avia, benannt nach der sibirischen Stadt Kogalym – 2000 Kilometer östlich von Moskau. Dort hat die Airline ihren Hauptsitz. Unter dem Namen "Metrojet" bietet sie Charterflüge von verschiedenen russischen Flughäfen, vor allem von Moskau und Sankt Petersburg aus, zu Urlaubszielen an.

Zur Flotte gehören neben dem heute abgestürzten Airbus A321 nach Angaben der Gesellschaft acht weitere Maschinen vom Hersteller Airbus. Die in Moskau ansässige Metrojet teilte am Abend mit, der 18 Jahre alte Airbus 321-200 sei in gutem Zustand und der Pilot mit 12.000 Flugstunden erfahren gewesen.

Das Passagierflugzeug Airbus A321

Das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A321 des europäischen Flugzeugbauers Airbus ist die größere Ausführung des Passagierjets A320. Die Versionen unterscheiden sich vor allem in ihrer Länge und damit im Platzangebot. Im 44,51 Meter langen A321 können bis zu 220 Fluggäste befördert werden. Die Reichweite des seit 1993 fliegenden Jets wird mit 7400 Kilometern angegeben. Damit sind auch Transatlantikflüge möglich. Nach Angaben von Airbus wurden bis September 2015 mehr als 1150 Maschinen des Typs A321 ausgeliefert.

Mit Informationen von Markus Sambale, ARD-Hörfunkstudio Moskau, und Sabine Rossi, ARD-Hörfunkstudio Kairo.

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