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Abgefangenes syrisches Flugzeug
Kreml weist Vorwürfe der Türkei zurück
Nach der erzwungenen Landung einer syrischen Passagiermaschine aus Moskau in der Türkei hat Russland den Vorwurf zurückgewiesen, es seien Waffen transportiert worden. Das Flugzeug habe eine völlig legale Lieferung von Radarteilen mitgeführt, sagte Außenminister Sergej Lawrow nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau.
"Eine solche Beförderung mit Passagierflugzeugen ist gängige Praxis und nach internationalen Gesetzen absolut legal", betonte der Ressortchef. Russland habe hier "keine Geheimnisse". Das russische Unternehmen, das die Radarteile nach Syrien geschickt habe, werde deren Rückgabe von der Türkei verlangen, kündigte Lawrow an.
Hintergründe zu den Spannungen zwischen der Türkei und Syrien
tagesschau24 15:00 Uhr, 12.10.2012, Claus Singer, ARD Rom
Die USA stellte sich hinter die Türkei
Die USA stellte sich derweil hinter die Türkei. Zwar nahm man in Washington nicht ausdrücklich Bezug auf die zur Landung gezwungene Maschine. Jedoch stehe die US-Regierung hinter Verbündeten, die versuchten, Waffenlieferungen an das Regime von Baschar al Assad zu verhindern, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest. Dies gelte besonders für die Türkei.
Der türkische Regierungschef Erdogan hatte Donnerstagabend vom Fund "militärischer Güter" in dem syrischen Passagierflugzeug gesprochen. Ein russischer Rüstungshersteller habe dies an das Verteidigungsministerium in Damaskus schicken wollen, sagte Erdogan dem türkischen Fernsehsender NTV. Absender sei die russische Behörde für Industrie und Chemie.
NATO-Waffenexperte hinzugezogen
Die Regierung in Ankara hat nach Informationen der türkischen Zeitung Takvim jetzt einen NATO-Waffenexperten hinzugezogen, um die Fracht des abgefangenen Passagierflugzeugs zu untersuchen. Wie die Zeitung unter Berufung auf das Außenministerium berichtete, soll geprüft werden, ob unter den beschlagnahmten Materialien Teile sind, die zu Raketensprengköpfen montiert werden können.
Außenminister Guido Westerwelle rief alle Seiten zu Besonnenheit auf. "Wir müssen sorgfältig darauf achten, dass wir hier nicht in eine Eskalationsspirale geraten, an deren Ende dann ein Flächenbrand steht, der die gesamte Region anzünden kann", sagte Westerwelle. Auf der Rückreise von einem dreitägigen China-Besuch will er am Samstag Zwischenstation in Istanbul machen. Geplant ist ein Treffen mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu. Vor dem Hintergrund der Spannungen wird auch der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi am Samstag mit Davutoglu zusammenkommen.
Neuer Zwischenfall an der Grenze zu Syrien
Ein neuer Zwischenfall an der Grenze hat unterdessen die Spannungen zwischen der Türkei und Syrien weiter verschärft. Die türkische Luftwaffe setzte nach Angaben eines Offiziellen ein Kampfflugzeug ein, um einen syrischen Hubschrauber abzudrängen. Dieser habe sich der Grenze genähert, um die von Rebellen kontrollierte syrische Stadt Asmarin zu bombardieren, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Daraufhin sei das türkische Kampfflugzeug vom Stützpunkt im südöstlichen Diyarbakir gestartet und habe den Hubschrauber abgedrängt.
Nach Informationen der Zeitung "Hürriyet" verlegte die türkische Armee inzwischen mindestens 250 Panzer an die Grenze zu Syrien. Wie es unter Berufung auf Militärkreise weiter heißt, laufen die Planungen für eine mögliche Intervention auf Hochtouren. Demnach ist das Militär zu dem Schluss gekommen, dass sich die relativ flache Gegend um Akcakale gut für einen Panzerangriff eignen würde. Dem Bericht zufolge sehen die Überlegungen vor, einen Panzereinsatz durch Luftangriffe auf syrische Stellungen vorzubereiten.
In der vergangenen Woche war der Konflikt an der Grenze eskaliert, nachdem syrische Artilleriegeschosse in dem türkischen Ort Akcakale einschlugen und fünf Zivilisten töteten. Das Parlament in Ankara hatte daraufhin grundsätzlich grünes Licht für einen Militäreinsatz im Nachbarland gegeben.
Stand: 12.10.2012 23:01 Uhr
