Erdogan hält eine Rede bei der Grundsteinlegung des Istanbuler Flughafens | Bildquelle: dpa

Grundsteinlegung mit Ministerpräsident Erdogan Baubeginn für Rekord-Flughafen

Stand: 07.06.2014 19:48 Uhr

In Istanbul ist der Grundstein für einen dritten Großflughafen der Stadt gelegt worden. Er ist für 150 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt und soll den Plänen zufolge der größte Flughafen der Welt werden. Bereits Ende 2017 soll er fertig sein, sagte der türkische Ministerpräsident Erdogan.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Im Fernseh-Werbespot kann man den schönen, neuen Riesen-Flughafen schon bestaunen: "Der wird soooo gross, dass man ihn sogar aus dem Weltall sehen kann", sagt ein kleiner Junge. Dann verkündet eine tiefe Stimme: "Wir bauen in Istanbul den größten Flughafen der Welt."

Sechs Start- und Landebahnen. eine Kapazität von 150 Millionen Reisenden pro Jahr, Platz für 500 Flugzeuge. Ministerpräsident Erdogan zählte beim ersten Spatenstich jede Menge Superlative auf: "Nicht nur ein Flughafen wird hier entstehen, sondern eine komplette neue Stadt, mit Krankenhaus, Hotels, Gebetsstätten bis hin zu einem Kongresszentrum. Es wird hier alles geben, was eine Stadt so braucht."

In dreieinhalb Jahren schon, im Herbst 2017, soll alles fertig gebaut sein. Dann wird es vorbei sein mit der Ruhe hier am Schwarzen Meer, 50 Kilometer nordwestlich vom Stadtzentrum Istanbuls. Im Minutentakt werden Flugzeuge starten und landen. Istanbul soll eines der weltweit wichtigsten Drehkreuze im internationalen Flugverkehr werden.

Kritik von Umweltschützern

Der Flughafenbau bringt aber auch andere Rekorde mit sich: 2,5 Millionen Bäume müssen gerodet oder verpflanzt werden, 70 Seen trocken gelegt werden. Bislang gilt die waldreiche Gegend an der Küste des Schwarzen Meeres als Ruhegebiet für Zugvögel. "Ökologisch gesehen ist der dritte Flughafen Mord", sagt Emine Girgin von der Bürgerinitiative mit dem Namen "Schützt die Wälder im Norden Istanbuls".

Das gesamte Öko-System am Stadtrand Istanbuls mit all seinen Lebewesen werde leiden, befürchtet sie. Die Wälder im Norden Istanbuls seien bislang die Lebensquelle schlechthin für die Stadt. "Sie spenden sauberes Wasser und saubere Luft. Sie sind die Wasserspeicher und die Lungen Istanbuls." Einige Umweltschützer protestierten in der Istanbuler Innenstadt dagegen, dass nun die letzten Wälder Istanbuls gerodet und zerschnitten werden - aber die Proteste hielten sich in Grenzen.

Karte: Die Lage der drei Flughäfen der Metropolregion Istanbul.
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Der neue Flughafen soll bei Karaburun im Nordwesten Istanbuls entstehen.

Kanal und Seehafen sollen folgen

Erdogan lässt sich sowieso nicht von Kritik beirren. Er hat längst größere Pläne: Erdogan will neben dem Flughafen auch einen Seehafen bauen für große Schiffe - und dazu noch einen 40 Kilometer langen Kanal vom Schwarzen Meer zum Marmara-Meer, sozusagen ein zweiter Bosporus parallel zum Bosporus, den die Natur geschaffen hat.

Das gigantische Projekt des "zweiten Bosporus" stößt ebenfalls auf Widerstand bei Umweltschützern, Städteplanern und Oppositionellen. Erdogan aber wischt alle Zweifel beiseite und schafft Fakten: heute mit dem Baubeginn für den Großflughafen im Nordwesten Istanbuls.

Großflughafen Istanbul | Bildquelle: dpa
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Der Flughafen entsteht auf diesem Gelände am Schwarzen Meer. Ein großes Waldgebiet muss dafür gerodet werden.

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