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Großflughäfen
Berlin patzt, Istanbul protzt
Mehr als sechs Jahre bauen die Berliner mittlerweile an ihrem neuen Flughafen. In Istanbul soll das deutlich schneller gehen: Schon für 2016 ist die Eröffnung des Airports am Bosporus geplant - obwohl mit den Arbeiten noch gar nicht begonnen wurde. Doch der Bau des größten Flughafens der Welt stößt auch auf Widerspruch.
Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
Viel mehr als das Rauschen des Schwarzen Meeres hört man in Karaburun nicht. Doch in drei Jahren wird in dem verschlafenen Küstendorf, das 50 Kilometer von der türkischen Metropole Istanbul entfernt ist, nichts mehr so sein wie bislang.
Passagier-Flugzeuge werden im Minutentakt bei Karaburun starten und landen, denn hier baut Istanbul seinen dritten Flughafen. Die Regierung hat erst vor ein paar Wochen die Pläne für den neuen "Superflughafen" mit seinen sechs Start- und Landebahnen veröffentlicht - und schon explodieren die Grundstückspreise: "Hier zahlt man für den Quadratmeter heute 300 bis 350 Lira", sagt Makler Demir Dalkilic aus dem Nachbardorf Tayakadin. "Früher waren es 30 oder 40 Lira."
Bisheriger Hauptflughafen platzt aus allen Nähten
Wenn Dalkilic aus seinem Bürofenster schaut, sieht er bislang nur ein paar kleine Wohnhäuser und einfache Geschäfte, dazu staubige Straßen und kleine Waldstücke. Der Makler freut sich aber auf den Wandel: "Hier soll nicht nur ein neuer Flughafen gebaut werden, sondern auch ein Hafen für Seeschiffe", erzählt er. "Und eine Autobahn mit Anschluss an die geplante dritte Brücke über den Bosporus."
Istanbul baut größten Flughafen der Welt
T. Bormann, ARD Istanbul
23.01.2013 21:18 Uhr
Istanbul baut und baut. In der Türkei gibt es keine langwierigen Planfeststellungsverfahren. Wenn die türkische Regierung ein Projekt für wichtig hält, dann entscheidet sie schnell - und schon rollen Bagger an.
Der bisherige Haupt-Flughafen Istanbul-Atatürk platzt aus allen Nähten. Wegen Überlastung haben viele Flüge Verspätung, ankommende Flugzeuge drehen Warteschleifen über der Stadt. Das ist unbequem und bremst das Wachstum der türkischen Fluglinie Turkish Airlines. Deshalb hat die Regierung entschieden: Wir brauchen einen neuen Großflughafen - und zwar schnell.
Forst-Ingenieur kritisiert Oberbürgermeister
Der Istanbuler Oberbürgermeister Kadir Topbas, ein Parteifreund von Ministerpräsident Erdogan, hatte auch sogleich am äußersten Stadtrand das passende Gelände gefunden: "Das ist praktisch ein verwüstetes Gebiet ohne Grünflächen", erklärt Topbas. "Da wuchs früher nur Unkraut. Es gleicht heute eher einer Mondlandschaft mit Kratern."
Wie auf dem Mond sieht es bei Karaburun allerdings nicht aus. Zwar gibt es einige Steinbrüche, aber auch viele Wälder und Seen. Forst-Ingenieur Zeynel Arslangündogdu meint daher, was der Oberbürgermeister sage, stimme überhaupt nicht.
"Früher war hier Wald - dann wurden Bergwerke und Minen angelegt", so Arslangündogdu. "In den Verträgen steht, dass die Betreiber der Minen nach der Nutzung das Gebiet wieder aufforsten müssen. Also zu behaupten, das sei hier kein Waldgebiet, ist eine Täuschung."
"Hoffentlich dürfen wir bleiben"
Nennenswerte Proteste gegen den neuen Flughafen gibt es bislang aber nicht. Die Anwohner in den Dörfern ringsum fühlen sich überrumpelt: "Man sagt uns nichts", beschwert sich ein Joghurtverkäufer in Karaburun. "Die kommen, rasieren den Wald, 20 bis 25 Jahre alte Tannen."
Früher habe sich niemand um die Grundstücke gekümmert. "Aber jetzt ist jeder darauf erpicht, Boden einzukaufen", erzählt der Mann. Er wohnt mit seiner Familie in einem kleinen Haus, das er vor vielen Jahren ohne Genehmigung gebaut hatte - wie das so üblich war in der türkischen Provinz. Eine staatliche Besitz-Urkunde für sein Haus oder sein Grundstück hat er allerdings nicht.
"Hoffentlich dürfen wir hier bleiben", sagt er - und blickt in die Landschaft mit den Wäldern und Seen. Bald wird sein Blick hier auf neue Hotels und Shopping Malls treffen, auf den neuen Bahnhof für den Zug in die Istanbuler Innenstadt und auf den Tower für den neuen Flughafen.
Erdogan plant "zweiten Bosporus"
Ministerpräsident Erdogan will bei Karaburun noch ein Projekt umsetzen, ein "verrücktes" Projekt, wie er selbst sagt: Einen "zweiten Bosporus". Einen 50 Kilometer langen Kanal vom Marmara-Meer bis ins Schwarze Meer, damit die vielen Tanker und Frachtschiffe sich nicht mehr durch den Bosporus quälen müssen - sondern parallel dazu durch einen künstlichen Kanal schippern können.
Dieser "zweite Bosporus" soll in zehn Jahren fertig sein, pünktlich zum hundertsten Geburtstag der Republik Türkei. Der neue Großflughafen Istanbul wird dann schon längst in Betrieb sein. Der Eröffnungstermin im Jahr 2016 soll nämlich nicht verschoben werden.
Stand: 23.01.2013 20:44 Uhr
