Flughafen in Erbil | Bildquelle: AFP

Nach Referendum im Nordirak Bagdad blockiert Flüge in Kurdengebiete

Stand: 29.09.2017 17:32 Uhr

Nach dem Referendum im Nordirak macht die Zentralregierung in Bagdad Ernst: Sie blockiert alle internationalen Flüge in die Kurdengebiete. Die Maßnahme hat eine regelrechte Ausreisewelle aus der Region ausgelöst.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Das Tor zur Welt ist keines mehr - ab heute kann man von Erbil aus nur noch zu Städten innerhalb des Irak fliegen, aber nicht mehr ins Ausland. Das gilt auch für den zweiten Flughafen in Irakisch-Kurdistan, Sulemaniya. Damit haben die Kurden ein wichtiges Symbol ihrer Autonomie verloren.

Kritik von Regionalregierung

Maulud Murad, der Verkehrsminister der Regionalregierung, kritisiert die Maßnahme aus Bagdad: "Die Entscheidung war gegen Kurdistan und seine Menschen wegen des Unabhängigkeitsreferendums. Es ist eine politische Entscheidung, die aber negative Folgen für die normalen Menschen hat." Er warnt zudem vor den strategischen Folgen der Blockade: "Aus militärischer Sicht ist der Flughafen Erbil unverzichtbar im Kampf gegen die Terrormiliz IS."

Ultimativ hatte die Zentralregierung verlangt, dass die Kurden die Kontrolle über ihre Airports abtreten. Weil die sich weigerten, hat Bagdad nun alle Flüge aus dem Ausland von und nach Kurdistan untersagt. Sie kann dies durchsetzen, da der gesamte Luftraum über dem Irak den Fluglotsen in der Hauptstadt untersteht.

Flughafen in Erbil
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Vom Flughafen in Erbil starten nur noch Maschinen zu Inlandsflügen.

Regelrechte Ausreisewelle

Während der vergangenen Tage hatten fast alle ausländischen Airlines bereits mitgeteilt, dass sie der Anweisung der irakischen Regierung folgen würden, darunter die deutsche Lufthansa. Irakisch-Kurdistan erlebte daraufhin einen regelrechten Exodus: Wer nicht in der Region festsitzen wollte, sah zu, dass er noch vor Inkrafttreten der Blockade ausflog. Einige Airlines schickten größere Maschinen, um die Nachfrage befriedigen zu können, die Ticketpreise stiegen.

Wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums gab sich Talar Saleh, Chefin des Flughafens von Erbil, stoisch: "Wir sind nicht beunruhigt. Mit Bagdad haben wir ja schon ähnliche Erfahrungen gemacht, sodass wir nicht erstaunt sind. Das ist die irakische Politik gegen das eigene Volk, immer willkürlich und eine Qual. Was mich erstaunt, ist, dass einige mit dem Referendum nicht einverstanden sind und fragen, warum es überhaupt stattfand." Jetzt gibt es nur noch Landverbindungen vom Nordirak ins Ausland: Einen Übergang zur Türkei, einen zum Iran.

Laxe Einreisebestimmungen

Was Bagdad seit vielen Jahren ärgerte: Die Kurden hielten sich nie an die irakischen Einreisebestimmungen. Während beispielweise Deutsche, die in den Zentralirak wollten, zuvor ein Visum beantragen mussten, durften sie bei den Kurden immer ohne das Dokument einreisen. Diese Offenheit zog ausländische Investoren an und beflügelte einen Wirtschaftsboom, der das Stadtbild von Erbil in wenigen Jahren drastisch modernisierte.

Ein Drittel des gesamten Passagieraufkommens

Nach Angaben des irakischen Verkehrsministeriums fertigten die beiden kurdischen Airports zuletzt rund 2,8 Millionen Passagiere im Jahr ab. Das sind etwa 30 Prozent der Passagiere aller irakischen Flughäfen. Der Airport von Erbil wurde erst vor sieben Jahren gebaut, von einem türkischen Konsortium, für mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Der vorerst letzte Flug ins Ausland, der heute auf der Tafel im Terminal angezeigt wurde, ging in die Türkei: 15. 35 Uhr, Turkish Airlines nach Istanbul.

Iraks Regierung blockiert internationale Flüge nach Kurdistan
C. Kühntopp, ARD Kairo
29.09.2017 17:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. September 2017 um 20:00 Uhr.

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