Eine kurdische Fahne hängt am 27.09.2017 im Internationalen Flughafen in Erbil (Irak). | Bildquelle: dpa

Kurdengebiete im Nordirak Airlines stellen Flüge ein

Stand: 28.09.2017 18:14 Uhr

Nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden stellen zahlreiche Fluggesellschaften ihre Flüge in die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak ein. Die Airlines reagieren damit auf eine Anweisung der irakischen Luftfahrtbehörde.

Ein Großteil der internationalen Flüge von und in die nordirakische Stadt Erbil soll ab Freitag ausgesetzt werden. Das teilte Flughafenchefin Talar Faiq Salih mit. Den Stopp wies der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi an. Die Ankündigung könnte eine Ausreisewelle auslösen: Am Flughafen von Erbil warteten bereits jetzt Hunderte Passagiere auf ihren Abflug. Viele sind Ausländer, die sagten, sie reisten aus, um nicht festzusitzen, wenn das Verbot in Kraft tritt.

Der irakische Regierungschef hatte sich vehement gegen die Abhaltung des Unabhängigkeitsreferendums der Kurden im Nordirak gestemmt und mit Gegenmaßnahmen gedroht. Die Türkei warnte die Kurden, dass ihr Referendum sogar eine militärische Gegenreaktion zur Folge haben könnte und riet ihren Bürgern, die Region zu verlassen. Auch der Iran lehnt das Vorgehen der Kurden strikt ab. In allen drei Ländern lebt ebenso wie in Syrien eine starke kurdische Minderheit.

Trotz dieser Drohungen sowie der Kritik aus den USA und anderen Ländern hatte Kurdenführer Massud Barsani das Unabhängigkeitsreferendum am Montag abhalten lassen. Die Kurden stimmten mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit: Fast 93 Prozent votierten dafür. Iraks Zentralregierung lehnte die Abstimmung ab und erkennt das Ergebnis nicht an. Auch die Türkei nannte das Referendum null und nichtig.

Erbil: ein Brückenkopf für humanitäre Hilfe

Flughafenchefin Salih warnte, die Einstellung internationaler Flüge werde sich negativ auf den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" und die Versorgung von Flüchtlingen in der Region auswirken. "Wir haben Konsulate, internationale Mitarbeiter, internationale Firmen, das wird jeden betreffen. Das ist nicht die richtige Entscheidung", sagte sie. Erbil sei ein Brückenkopf für humanitäre Hilfe der UN in Syrien. Auch die US-geführte Koalition gegen die Terrormiliz nutze den Flughafen.

Neben Libanons Middle East Airlines und EgyptAir hatten die türkischen Fluglinien Turkish Airlines, Pegasus und Atlas Global bereits erklärt, ab Freitag die Städte Erbil und Suleimanija im Nordirak nicht länger anzufliegen. Die Lufthansa hält zunächst an ihrem für Samstag geplanten Flug nach Erbil fest, wie Unternehmenssprecher Thomas Jachnow erklärte. Eventuell müsse die Airline aber sehr kurzfristig reagieren. Lufthansa stehe in engem Kontakt mit den irakischen Behörden.

Am Dienstag hatte die türkische Regierung den irakischen Kurden bereits mit einer Öl- und Handelsblockade gedroht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. September 2017 um 17:00 Uhr.

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