Demonstranten in Rom | Bildquelle: dpa

Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Italien Gewalttätige Proteste gegen Migranten

Stand: 17.07.2015 20:28 Uhr

Dutzende Menschen haben in Italien gegen die Unterbringung von Flüchtlingen demonstriert. Nahe Rom flogen Flaschen, Möbel wurden angezündet und Hassparolen geäußert. 14 Polizeibeamte wurden verletzt. Vor Sizilien wurde ein Rettungsschiff abgewiesen.

In Italien hat es gewalttätige Proteste gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. In einem Außenbezirk von Rom erlitten 14 Beamte bei Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und rechtsextremen Gruppen sowie Sicherheitskräften Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Die Demonstranten hatten die Zufahrt zu einer ehemaligen Schule blockiert, die zu einem Heim für etwa 100 Migranten werden soll. 

Trotz der Proteste und Blockaden erreichte ein Bus mit etwa 20 Migranten das Gebäude. Die Demonstranten schrien den Menschen Hassparolen und Beleidigungen entgegen, warfen mit Steinen Stühlen und Flaschen. Eine neofaschistische Gruppe hatte sich den Protesten angeschlossen. Laut Polizei wurden zwei Randalierer festgenommen, 15 weitere identifiziert. Die Stadt erklärte, sie werde die Straßenblockade auflösen. Die Migranten sollten weiterhin in der ehemaligen Schule untergebracht werden. "Wir machen keinen Schritt zurück", sagte der Präfekt Franco Gabrielli.

Proteste gegen Flüchtlinge nahe Rom | Bildquelle: dpa
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Ein Bus mit 20 Migranten schaffte es, durch die Blockade nahe Rom zu kommen.

Umquartierung in Quinto di Treviso

Auch in Quinto di Treviso nördlich von Venedig gab es Proteste gegen die Ankunft von Migranten. Hier entschieden die Behörden anders. Etwa 100 Flüchtlinge wurden aus der ursprünglich vorgesehenen Unterkunft in eine ehemalige Kaserne in der Nähe gebracht. Zuvor hatten Möbel und Matratzen vor ihren Appartements gebrannt, Dutzende Menschen protestierten. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, Dutzende wurden festgenommen.

Rettungsschiff vor Sizilien abgewiesen

In Sizilien sorgte die Abweisung eines voll besetzten Rettungsschiffes von Ärzte ohne Grenzen (MSF) für Ärger. Nach Angaben der Hilfsorganisation konnten die knapp 700 Flüchtlinge an Bord wegen mangelnder Aufnahmekapazitäten nicht in Sizilien an Land gehen, das Boot musste weiter nach Kalabrien fahren.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR äußerte sich empört über die Proteste. "Es ist beschämend, dass die Frustration der Bürger bewusst gesteuert wird, um damit Gewalt anzufachen gegen Flüchtlinge und Asylbewerber", erklärte Laurens Jolles, Experte für Südeuropa bei UNHCR.

170.000 Flüchtlinge im Jahr 2015

Die Zahl der Flüchtlinge ist in Italien stark gestiegen. Waren es im Jahr 2012 noch 13.000, lag die Zahl vergangenes Jahr bei 170 000. In diesem Jahr kamen bisher bereits 82.000 Menschen über das Mittelmeer in Italien an. In dem Land gibt es immer wieder Auseinandersetzungen über die Unterbringung der Menschen. So weigern sich vor allem die nördlichen Regionen, weitere Flüchtlinge aufzunehmen.

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