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UNHCR legt Bericht für 2011 vor
Mehr als 1500 Flüchtlinge im Mittelmeer umgekommen
Mehr als 1500 Menschen sind im vergangenen Jahr auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken oder verschwunden. 2011 sei das tödlichste Jahr seit Beginn der Statistik im Jahr 2006 gewesen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mit. Mit den Revolten in Tunesien, Ägypten und Libyen im vergangenen Jahr sei die Zahl der Bootsflüchtlinge weiter angestiegen, sagte UNHCR-Sprecherin Sybella Wilkes.
Überlebende hätten erschütternde Szenen bei gefährlichen Überfahrten in völlig unzulänglichen Booten geschildert. Auch hätten Flüchtlinge berichtet, dass sie von Bewaffneten zum Einsteigen in Boote gezwungen worden zu sein. Dies sei vor allem im April und Mai in Libyen der Fall gewesen. Auch habe es Fälle gegeben, in denen Bootsflüchtlinge auf der Überfahrt von anderen verprügelt oder gefoltert worden seien. Dazu gebe es Ermittlungen in Italien.
58.000 Menschen kamen über das Mittelmeer nach Europa
In der Mittelmeer-Region ist 2011 nach Erkenntnissen der Organisation nicht nur hinsichtlich der Todesfälle unter den Flüchtlingen, sondern auch bei ihrer Gesamtzahl ein trauriger Rekord zu verzeichnen. 58.000 Menschen seien 2011 auf diesem Weg nach Europa gekommen, 4000 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008.
In den Jahren 2009 und 2010 hätten verschärfte Grenzkontrollen durch Griechenland, Italien und Malta einen Rückgang der Flüchtlingszahlen bewirkt. Jedoch hätten sich nach dem Zusammenbruch der Regimes in Tunesien und Libyen wieder viel mehr Menschen auf den illegalen Wasserweg nach Europa begeben.
Mit 56.000 gingen 2011 die weitaus meisten Menschen in Italien an Land. Sie seien vor allem Migranten und keine Asylsuchenden gewesen, so die UNHCR-Sprecherin. "Wir appellieren erneut an die Kapitäne auf dem Mittelmeer - einer der verkehrsreichsten Meeresregionen der Welt -, wachsam zu sein und ihrer Pflicht zur Rettung von Seefahrzeugen in Not nachzukommen", sagte sie.
Die Angaben zur Zahl der umgekommenen Menschen beruhten auf Befragungen von Bootsflüchtlingen durch UNHCR-Helfer in Griechenland, Italien und Malta sowie Angaben von Verwandten über vermisste Angehörige. "Die tatsächliche Todeszahl könnte sogar noch höher sein", erklärte das UNHCR.
Stand: 31.01.2012 18:30 Uhr
