Flüchtlinge an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien | Bildquelle: dpa

Flüchtlingsdrama auf der Balkanroute Slowenien schließt Grenze zu Kroatien

Stand: 19.10.2015 16:13 Uhr

Auf der Balkanroute sitzen nach Schätzungen der UN mehr als 10.000 Menschen fest. Und nun hat auch Slowenien, das einzige verbliebene Nadelöhr für die Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Westeuropa, seine Grenze dicht gemacht. Die Lage vor Ort ist dramatisch.

Die slowenische Polizei hat mehr als 2000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Österreich und weiter nach Deutschland gewaltsam gestoppt. Sloweniens Aufnahmekapazitäten seien erschöpft, erklärte die Polizei zur Begründung in Ljubljana. Die Grenzübergänge zu Kroatien wurden mit einem provisorischen Zaun geschlossen, Tausende frierende und durchnässte Menschen kampierten davor. Die Hilfesuchenden versuchten, sich mit Decken und Planen vor dem Dauerregen zu schützen und zündeten kleine Feuer an, um sich zu wärmen.

Die Flüchtlinge und Migranten waren in Kroatien mit einem Zug an die Grenze bei Sredisce ob Dravi gebracht worden. Doch der Weg über die Grenze nach Slowenien wurde ihnen versperrt. Stundenlang suchten die Flüchtlinge nach Wegen, um sich in das Land zu schleichen. Wer dabei erwischt wurde oder umkehren wollte, wurde dann offenbar von den kroatischen Grenzbeamten abgewiesen. Bei diesem Hin-und-Her kam es Medienberichten zufolge zu dramatischen Szenen.

Fluchtwege nach Europa: Slowenien
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Die Karte zeigt die alternative Route durch Kroatien und Slowenien nach Österreich nach der Schließung der ungarischen Grenze.

10.000 Menschen sitzen auf Balkanroute fest

Auf der Balkanroute sitzen nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mehr als 10.000 Menschen fest, weil Ungarn seine Grenzen abgeriegelt hat und der Flüchtlingsstrom sich seit dem Wochenende durch den Flaschenhals Slowenien quält. "Es ist wie ein großer Menschenstrom", sagte UNHCR-Sprecherin Melita Sunjic. Wenn man ihn an einer Stelle stoppe, gebe es irgendwo Überschwemmungen. "Genau das passiert jetzt", sagte sie und fügte hinzu: "Es gibt zu wenig Essen, zu wenig Decken, es fehlt an allem."

Slowenien erklärte, es werde pro Tag nur 2500 Flüchtlinge passieren lassen, so viele, wie nach Österreich ausreisen könnten. Die Regierung beschwerte sich bei der EU in Brüssel darüber, dass sich Kroatien unsolidarisch verhalte. Es gehe nicht, dass der EU-Nachbar weiter viel mehr Flüchtlinge an die Grenze zu Slowenien bringe, als das Land aufnehmen könne, hieß es in einer Mitteilung. Alleine am Montag seien bis zum frühen Nachmittag etwa 5000 Flüchtlinge in Slowenien angekommen, sagte der Innenminister.

Dabei lässt auch Kroatien gar nicht mehr alle Flüchtlinge ins Land. Mehrere tausend Menschen harren inzwischen auch an der serbisch-kroatischen Grenze aus, weil die Grenzbeamten sie nicht mehr weiterlassen. Die Flüchtlinge kampieren im Schlamm, haben kein Dach über dem Kopf. Die Nerven liegen bei vielen blank, es kam bereits zu Tumulten.

Tausende Flüchtlinge stecken auf der Balkanroute fest
tagesschau 17:00 Uhr, 19.10.2015, Darko Jakovljevic, ARD Wien

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Weitere Zehntausend sollen aufgebrochen sein

Bislang kamen täglich rund 5000 Menschen über die Balkanroute von Griechenland über Mazedonien und Serbien in die Europäische Union. Die Transitländer haben aber kaum Möglichkeiten und Kapazitäten die Flüchtlinge zu versorgen. Und weitere Dramen zeichnen sich ab: Kroatische Medien berichteten, rund 10.000 neue Flüchtlinge hätten sich von Griechenland aus auf den Weg nach Norden gemacht.

Derweil rief US-Außenminister John Kerry dazu auf, der humanitären Katastrophe in Syrien und im Irak Einhalt zu gebieten. Bei einem Besuch in Madrid äußerte er die Befürchtung, dass es Russland bei seiner militärischen Intervention in Syrien allein darum gehe, das Regime von Präsident Baschar al-Assad an der Macht zu halten. "Dadurch werden noch mehr Dschihadisten ins Land gelockt, und die Zahl der Flüchtlinge nimmt weiter zu", sagte Kerry nach einem Treffen mit seinem spanischen Kollegen José Manuel García-Margallo.

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