Flüchtlinge an der kroatisch-slowenische Grenze in dem kroatischen Grenzort Trnovec | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge auf der Balkanroute Das neue Nadelöhr heißt Slowenien

Stand: 19.10.2015 03:26 Uhr

Nachdem Ungarn seine Grenzen zu Serbien und Kroatien gesperrt hat, versuchen Tausende Flüchtlinge über Slowenien nach Österreich oder Deutschland zu gelangen. Doch das Land kündigte an, maximal 2500 Flüchtlinge pro Tag passieren zu lassen. Viele sitzen nun fest.

Ralf Borchard, ARD-Hörfunkstudio Wien

Das neue Nadelöhr heißt Slowenien. Die slowenische Regierung hat angekündigt, pro Tag maximal 2500 Flüchtlinge einreisen zu lassen. Der Staatssekretär im slowenischen Innenministerium, Bostajn Sefic, spricht sogar von nur 1000 Flüchtlingen, die pro Tag weiter nach Österreich transportiert werden sollen.

"Die Republik Österreich hat uns deutlich gemacht, dass sie angesichts der Überfüllung und der Gesamtsituation dort in keinem Fall mehr als 1500 Migranten täglich aufnehmen können“, so Sefic.

Was Österreich und in der Folge Deutschland vorübergehend entlastet, setzt Kroatien, Serbien und Mazedonien um so mehr unter Druck. Diese Länder entlang der aktuellen Balkanroute befürchten einen wachsenden Flüchtlingsrückstau. "Die Gefahr ist, dass sich dann in den Ländern, die die Flüchtlinge vorher durchqueren, Flaschenhälse bilden", sagt Melita Sunjic. Sie arbeitet für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR an der slowenisch-österreichischen Grenze.

Fluchtwege nach Europa: Slowenien
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Die Karte zeigt die Route durch Kroatien und Slowenien nach Österreich nach der Schließung der ungarischen Grenze.

Andrang im Niemandsland

Schon am Wochenende warteten etwa an der serbisch-kroatischen Grenze Tausende Flüchtlinge vergeblich auf ihre Weiterreise. "Die Busse haben hier in einer Schlange auf die Weiterfahrt gewartet. Viele Menschen sind dann ausgestiegen und zu Fuß weiter Richtung Grenze gegangen. Auf kroatischer Seite ist das Camp in Opatovac ebenfalls voll. Das heißt, wir haben momentan einen ziemlichen Andrang hier im Niemandsland zwischen den beiden Grenzen", sagt Jelena Molonjic, UNHCR-Helferin in der serbischen Grenzstadt Sid.

Auch Louisa Vinton, UN-Koordinatorin in Mazedonien, betont, dass sich die Balkan-Länder als reine Durchgangsländer verstehen und nicht auf die Unterbringung von Zehntausenden Flüchtlingen vorbereitet sind. In den vergangenen Wochen haben pro Tag jeweils zwischen 5000 und 10.000 Flüchtlinge die Grenzen von Griechenland nach Mazedonien und weiter nach Serbien sowie Kroatien passiert.

Kein Ende der Krise in Sicht

"Unsere Sorge ist, dass es keine Anzeichen gibt, dass diese Zahlen zurückgehen", so Vinton. Laut der UN-Koordinatorin wächst die Verzweiflung vieler Menschen eher, etwa in den Kriegsgebieten in Syrien. "Auch die Bemühungen Deutschlands und der EU, die Türkei zu mehr Kooperation zu bewegen, brauchen Zeit", sagt sie. Und falls Länder wie Kroatien, Serbien oder Mazedonien dem Beispiel Ungarns folgen und Grenzzäune bauen, werde das den Flüchtlingsstrom ebenfalls nicht stoppen.

"Flüchtlinge werden immer alternative Routen finden, egal was passiert. Das ist eine Realität, der Europa ins Auge blicken muss", sagt Vinton. Es sei viel besser, diese Realität zu akzeptieren und das Ganze zivilisiert und menschlich zu gestalten, als den Preis, den diese Menschen zu bezahlen haben, immer weiter zu erhöhen. Und das würde man tun, wenn man sie auf alternative Routen durch den Kosovo, Bosnien oder Montenegro zwingen würde.

Flüchtlinge auf der Balkanroute
tagesschau 20:00 Uhr, 19.10.2015, Darko Jakovljevic, ARD Wien

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Flüchtlingsrückstau in den Balkanländern
R. Borchard, ARD Wien
19.10.2015 02:50 Uhr

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