Warten auf das Weiterkommen: Ein Flüchtling harrt an der kroatisch-serbischen Grenze zwischen dem Polizeiaufgebot am Grenzübergang Opatovac aus. | Bildquelle: dpa

Streit zwischen Serbien und Kroatien Geschlossene Grenzen als Druckmittel

Stand: 24.09.2015 16:54 Uhr

Im Streit um die Flüchtlingskrise spitzt sich nun die Lage zwischen Kroatien und Serbien zu. Beide Länder setzen auf geschlossene Grenzen als Druckmittel: Serbien stoppt den Güterverkehr, Kroatien schränkt die Einreise ein.

Wohin mit den Flüchtlingen? Serbien versucht Zehntausende der Asylsuchenden, die vor allem aus Mazedonien in das Transitland einreisen, weiter nach Kroatien abzuschieben. Doch das Nachbarland fühlt sich selbst mit dem Flüchtlingsandrang überfordert und will das beständige Nachrücken der Migranten über die serbisch-kroatische Grenze eindämmen.

Kroatien soll Grenze für Autos und Bürger dicht gemacht haben

Aus diesem Grund sperrt Kroatien seine Grenze zu Serbien seit Montag ab: zunächst nur für Lkw. Doch seit gestern durften laut Polizeiangaben weder in Serbien registrierte Autos noch Staatsbürger des Landes die Grenze nach Kroatien überqueren. Diese Aussagen eines Grenzpolizisten wurden heute Morgen vom kroatischen Innenminister Ranko Ostojic teilweise dementiert. Die Sperrung gelte nur für Fahrzeuge, nicht für serbische Bürger. Kroatien forderte die serbische Regierung erneut auf, Flüchtlinge auch nach Ungarn und Rumänien zu bringen.

Doch Serbien reagierte auf den erhöhten Druck seinerseits mit geschlossenen Grenzen: Innenminister Nebojsa Stefanovic verkündete, dass der Güterverkehr von Kroatien nach Serbien gestoppt sei. Pkw seien davon aber nicht betroffen.

Serbien soll Flüchtlinge auch in andere Balkanländer schicken

"Diese Maßnahmen sind wirklich albern", kommentierte der kroatische Regierungschef Zoran Milanovic die Maßnahmen Serbiens in der Zagreber Zeitung "Jutarnji liste". Seine Regierung habe vorgehabt, die Grenzen morgen zu öffnen. Das werde jetzt nicht mehr geschehen.

Die Schuld an der Eskalation sieht Zagreb auf serbischer Seite. Sein serbischer Amtskollege Aleksandar Vucic habe telefonisch versprochen, nicht mehr Tausende Flüchtlinge nach Kroatien zu schicken, hieß es von Milanovic weiter. Doch Vucic habe "nichts unternommen". Serbien hatte innerhalb einer Woche rund 45.000 aus Mazedonien kommende Flüchtlinge weiter an die kroatische Grenze geschickt.

Rekord an neuen Flüchtlingen in Ungarn

Der Methode, Flüchtlinge so schnell wie möglich über die eigenen Grenzen in andere Länder weiterzuschicken, bedient sich auch Kroatien. Das Land versucht vor allem, die Asylsuchenden weiter nach Ungarn zu bringen. Gestern kamen dort mehr als 10.000 neue Flüchtlinge an, wie die ungarische Polizei angab. Noch nie hätten so viele neue Migranten an einem Tag Ungarn erreicht. Nur rund 100 der neuen Flüchtlinge seien dabei aus Serbien gekommen, alle anderen aus Kroatien.

Doch Ungarns Regierung befürchtet auch, dass über Rumänien und Slowenien Flüchtlinge nach Ungarn kommen könnten. Darum begann Ungarn am Donnerstag mit dem Bau eines Grenzzauns an seiner Grenze zu Slowenien, wie die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete. Soldaten und Polizeikräfte seien im Einsatz gewesen und hätten zunächst eine provisorische Absperrung aus Stacheldraht errichtet. Wie lang der Zaun werden soll, blieb zunächst unklar. Die gesamte ungarisch-slowenische Grenze ist knapp 100 Kilometer lang.

Zudem kündigte die Regierung in Budapest an, dass Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban am Freitag nach Österreich reisen soll, um dort mit seinem Amtskollegen Werner Faymann über die Flüchtlingskrise zu beraten.

Fluchtwege nach Europa
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Die Karte zeigt die alternative Route durch Kroatien und Slowenien nach Österreich nach der Schließung der ungarischen Grenze.

Österreich will Flüchtlinge verstärkt zurückschicken

Von Ungarn werden die Flüchtlinge an die Grenze zu Österreich transportiert. Im österreichischen Burgenland wurden gestern 5900 neue Flüchtlinge gezählt, seit Mitternacht kamen nochmal 2200 dazu. Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner kündigte einen strikteren Umgang mit den eintreffenden Flüchtlingen an. Nur wenige der Migranten stellten in Slowenien oder Kroatien Asylanträge, obwohl diese Länder als sicher gelten. Darum werde Österreich die Flüchtlinge nach Kroatien und Slowenien zurückbringen.

Die Flüchtlinge hätten kein Recht, "sich das für sie wirtschaftlich attraktivste Land auszusuchen", sagte Mikl-Leitner weiter. Bislang habe Österreich bereits mehr als 5000 Menschen in die Balkanstaaten zurückgeschickt, vor allem nach Bulgarien und Rumänien.

Jeder siebte Flüchtling krank?

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann betonte nochmals, wie wichtig Grenzkontrollen seien. Als Grund nannte er die hohe Krankheitsquote unter den einreisenden Flüchtlingen. Jeder siebte Migrant, der nach Deutschland käme, leide unter einer akuten Erkrankung. Zum Teil seien die Krankheiten ansteckend. Herrmann forderte daher, vor allem die Grenzkontrollen an den Außengrenzen der Europäischen Union zu verstärken.

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