Der Lkw in Österreich, in dem die toten Flüchtlinge gefunden wurden | Bildquelle: dpa

Grausiger Fund südlich von Wien Viele tote Flüchtlinge in Lkw entdeckt

Stand: 27.08.2015 18:21 Uhr

In Österreich sind in einem Laster die Leichen von mindestens 20 Flüchtlingen gefunden worden. Der Lkw wurde nach Polizeiangaben auf der Autobahn südlich von Wien abgestellt. Offenbar haben Schlepper den Wagen zurückgelassen. Die genaue Zahl der Opfer wird erst heute klar sein.

Der Chef der Landespolizei, Hans Peter Doskozil
galerie

Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil sagte, den Beamten habe sich beim Fund des Lasters ein Bild des Grauens geboten.

In Österreich sind in einem Lastwagen die teilweise verwesten Leichen von mindestens 20 Flüchtlingen entdeckt worden. Das Fahrzeug sei auf der Autobahn A4 bei Parndorf südöstlich von Wien gefunden worden und habe dort mindestens seit der Nacht gestanden. Das teilten die Polizei und Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner auf einer Pressekonferenz mit. Mitarbeitern des Autobahn-Streckendienstes war der Wagen aufgefallen.

Bei einer weiteren Pressekonferenz am Abend erklärte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil, der Lkw sei vermutlich am Mittwochmorgen in Ungarn in der Nähe von Budapest losgefahren. Ob und wie lange der Lkw bereits vorher unterwegs war, sei noch nicht bekannt. Die Toten seien noch nicht aus dem Lkw geborgen worden, dies werde erst in der Nacht geschehen.

Ein Bild des Grauens

Bei dem 7,5-Tonner handelt es sich um einen Kühllaster, der in einer Pannenbucht abgestellt worden war. Den herbeigerufenen Beamten bot sich offenbar ein Bild des Grauens: Der Verwesungsgeruch sei stark gewesen, Flüssigkeiten traten nach Angaben eines Polizeisprechers aus dem Fahrzeug aus. Die genaue Zahl der Toten sei noch unklar, es könnten bis zu 50 Tote sein, hatte Doskozil bereits am Mittag erklärt. Der Tod könnte - dem Zustand der Leichen nach zu urteilen - bereits vor einiger Zeit eingetreten sein. Ob die Toten erstickt seien, wie Medien berichtet hatten, ist unklar.

Mindestens 20 Flüchtlinge in Schlepperfahrzeug vermutlich erstickt
tagesschau 20:00 Uhr, 27.08.2015, Till Rüger, ARD Wien

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Diese Tragödie macht uns alle betroffen"

Nach bisherigem Stand handele es sich bei den Menschen um Flüchtlinge. Man stehe in Kontakt zu ungarischen Behörden, wo die Menschen mutmaßlich hergekommen seien. Das Büro des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban teilte inzwischen mit, der Wagen habe ein ungarisches Nummernschild.

Der Fahrer sei verschwunden. In Österreich sei eine landesweite Fahndung im Gange, hieß es weiter. Am frühen Abend soll es eine weitere Pressekonferenz geben. "Diese Tragödie macht uns alle betroffen. Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen", erklärte Innenministerin Mikl-Leitner.

Teilnehmer der Westbalkankonferenz erschüttert

Die derzeit in Wien stattfindende Westbalkankonferenz wird durch das Ereignis überschattet. Bei der Konferenz geht es auch um Hilfen für Flüchtlinge. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Nachricht vom Tod der Menschen habe die Teilnehmer erschüttert. Dieser Vorfall zeige erneut die Dringlichkeit der Flüchtlingsfrage, sagte die Kanzlerin. "Das mahnt uns, das Thema Migration im europäischen Geist, im Geist der Solidarität anzugehen und Lösungen zu finden."

Flüchtlingstragödie überschattet Konferenz in Wien
tagesschau 17:00 Uhr, 27.08.2015, Susanne Glass, ARD Wien

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Betroffenheit in Bundesregierung

Vizekanzler Sigmar Gabriel erklärte, er sei betroffen, dass Menschen zu Tode kommen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen. Es sei eine schlimme Entwicklung, dass nicht nur im Mittelmeer, sondern nun auch auf dem Landweg Menschen zu Tode kommen, die auf eine bessere Zukunft hoffen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière zeigte sich ebenfalls bestürzt über die Tat und forderte, verstärkt gegen Schlepper vorzugehen. "Dass dort viele, viele Menschen ersticken, weil verbrecherische Schleuser an diesen Menschen und den unwürdigen Transportbedingungen Geld verdienen, macht mich wütend und fassungslos", sagte de Maizière in Nürnberg. Es komme nun darauf an, den Täter sowie die Hintermänner zu fassen.

Darstellung: