Flüchtlinge in Khazer. | Bildquelle: REUTERS

Flüchtlinge im Nordirak "Mein Kind ist fast am Verhungern"

Stand: 02.11.2016 17:40 Uhr

Die Wege im Flüchtlingslager Khazer östlich von Mossul sind matschig. Die Menschen frieren, haben Hunger. Der Platz ist jetzt schon knapp. Und die Vereinten Nationen rechnen noch mit Hunderttausenden weiteren Flüchtlingen.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Dicke, schwarze Wolken hängen am Himmel - direkt über dem Flüchtlingslager Khazer im Norden des Irak. Fernsehbilder zeigen, dass die Sandwege zwischen den Zelten aufgeweicht sind vom Regen. Hier, etwa 40 Kilometer östlich von Mossul, haben Tausende Menschen Zuflucht gesucht: Männer, Frauen und Kinder aus der Ninive-Ebene, die beim Vormarsch der irakischen Streitkräfte auf den IS in Mossul und Umgebung zwischen die Fronten geraten sind.

So wie Umm Rafi: "Wir leben hier im Matsch und im Regen, es gibt nichts zu kaufen, keine Kleidung, keine anderen Sachen, nichts. Seit vier Tagen habe ich Kopfschmerzen - und ich habe nicht einmal eine Tasse Tee, die ich trinken könnte."

Irakische Frau im Flüchtlingslager Khazer. | Bildquelle: REUTERS
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Warten im Flüchtlingslager Khazer - kalt und matschig.

Flucht aus Mossul

Eine Gruppe von Kindern versucht, Wasser aus einem großen, runden Speicher in kleinere Plastikflaschen zu füllen. Trotz der Kälte tragen sie kurze Hosen und Sandalen. Die Winterkleidung haben sie zuhause lassen müssen, sagt Abu Soud: "Wir brauchen Decken und Kleidung in diesem Regen, wir haben kleine Kinder. Wir haben unsere Häuser verlassen - ohne irgendetwas mitzunehmen. Ich habe nur die Kleidung, die ich trage. Wir haben heute Morgen sehr gefroren, meine Kinder haben keine Kleidung, wir haben nichts dabei."

Mehr als 20.000 Menschen haben seit Beginn der Großoffensive gegen den IS vor zwei Wochen ihre Häuser verlassen, sind vor den Kämpfen zwischen der Anti-IS-Koalition und den Anhängern der Terror-Organisation geflohen. Mossul wird noch nahezu komplett vom IS kontrolliert; in der Stadt sollen bis zu eineinhalb Millionen Menschen leben.

Flüchtlinge warten auf Wasser und Essen. | Bildquelle: REUTERS
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Schlange stehen für Wasser und eine Mahlzeit.

Hunderttausende weitere Flüchtlinge

Die Vereinten Nationen rechnen mit Hunderttausenden weiteren Flüchtlingen, wenn erst einmal alle Orte in der Umgebung vom IS befreit sind und der Kampf um die Stadt selbst beginnt. In den Flüchtlingslagern im Nordirak wird der Platz jetzt schon knapp - und auch an Lebensmitteln und Material für die Erstversorgung mangele es, sagt Razgar Obeid, der Leiter des Flüchtlingslager Khazar. "Wir haben die Neuankömmlinge mit Zelten, Matratzen, Decken und Essen versorgt. Aber wir brauchen mehr Hilfsgüter. Wir sprechen mit dem Ministerium für Migration und Vertriebene, dem UNHCR und anderen Hilfsorganisationen, damit wir die Situation unter Kontrolle bekommen - vor allem jetzt, wo es sehr kalt geworden ist."

Mit bloßen Händen graben einige Kinder ein Loch in den harten Boden, um das blaugraue Zelt der Familie besser zu befestigen. Drinnen liegen ein paar dünne Matratzen, zwischen den Planen hängt Kinderwäsche auf einer Leine. Umm Rafi hält ihre kleine Tochter auf dem Arm, wischt sich Tränen aus den Augen. "Wir wollen nur Ein Dach über dem Kopf, ein Haus, und das ist nicht viel. In diesem Zelt leben neun Personen. Ich würde gerne meine Kleidung waschen oder meinem Kind etwas zu essen kochen. Mein Kind ist fast am Verhungern."

Flüchtlinge im Nordirak: "Mein Kind ist fast am Verhungern"
A. Allmeling, ARD Kairo
02.11.2016 17:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. November 2016 um 18:00 Uhr.

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