Helfer des libyschen Roten Halbmonds bergen Leichen von ertrunkenen Flüchtlingen | Bildquelle: AFP

Libyen-Italien-Route Immer mehr Flüchtlinge sterben im Mittelmeer

Stand: 24.02.2017 15:25 Uhr

Auf der Fluchtroute von Libyen Richtung Europa häufen sich tödliche Zwischenfälle auf alarmierende Weise, sagt die Internationale Organisation für Migration. In den ersten 53 Tagen des Jahres gab es drei Mal mehr Tote als im selben Zeitraum 2016.

Immer mehr Flüchtlinge sterben laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der gefährlichen Überfahrt von Libyen nach Italien. Von Anfang Januar bis Mittwoch dieser Woche seien 366 Menschen auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute ertrunken oder an Bord der Schleuserboote ums Leben gekommen, verglichen mit 97 im selben Zeitraum des Vorjahres, teilte die IOM mit.

Während von der Türkei kaum noch Flüchtlinge nach Griechenland gelangten, sei die Zahl von Libyen Richtung Italien gestiegen, sagte ein IOM-Sprecher. In diesem Jahr kamen demnach bislang 14.000 Flüchtlinge und Migranten über das Mittelmeer nach Europa, dreiviertel davon nach Italien. Im selben Zeitraum 2016 waren es 105.000 - der überwiegende Teil kam damals nach Griechenland.

Allein am Donnerstag 1100 Flüchtlinge gerettet

Die IOM erläuterte, dass Schlepperorganisationen verstärkt die riskante zentrale Mittelmeerroute wählten. Sie pferchten die Menschen erbarmungslos in morsche und seeuntaugliche Boote, ohne sich um das Schicksal der Passagiere zu scheren. Die meisten Menschen flüchteten vor Armut und Gewalt in Afrika.

Die italienische Küstenwache rettete nach eigenen Angaben allein am Donnerstag 1100 Flüchtlinge aus teils schrottreifen Booten. Zudem seien 69 Flüchtende in einem Container entdeckt worden, berichtete der IOM-Sprecher. 13 seien tot gewesen, darunter zwei Teenager. Die anderen seien ins Krankenhaus gebracht worden. Sie schwebten teils in Lebensgefahr. Anfang der Woche waren mehr als 70 Leichen an einem Strand angespült worden.

Kritiker vermuten, dass das Abkommen zwischen Italien und Libyen zum Kampf gegen illegale Migration dazu führt, dass Flüchtlinge nun schnell aus dem Bürgerkriegsland geschafft werden sollen. Zudem hatte die EU Anfang Februar einen Zehn-Punkte-Plan beschlossen, um die Flüchtlingsroute über das zentrale Mittelmeer zu blockieren.

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