Karte: Italien, Libyen und Lampedusa

Erneut Schiffsunglück im Mittelmeer Flüchtlingsboot gekentert - bis zu 700 Tote befürchtet

Stand: 19.04.2015 11:22 Uhr

Im Mittelmeer hat sich eine weitere Flüchtlingskatastrophe ereignet: Nach UN-Angaben werden etwa 700 Menschen vermisst, nachdem ihr Boot vor der libyschen Küste kenterte. 28 Überlebende wurden Medienberichten zufolge gerettet. Einsatzkräfte bargen bislang mehr als 20 Leichen.

Erneut ist ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer gekentert: Etwa 700 Menschen würden vermisst, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) unter Berufung auf Überlebende mit. Das Schiff geriet demnach in der vergangenen Nacht in Seenot. Die italienische Marine und die Küstenwache sind an der Unglücksstelle im Meer zwischen der libyschen Küste und der italienischen Insel Lampedusa. Sie bargen bislang mehr als 20 Leichen.

Lisa Schurr, ARD Rom zzt. Augusta, zur Flüchtlingstragödie
tagesschau 13:15 Uhr, 19.04.2015

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28 Überlebende konnten von einem portugiesischen Handelsschiff aufgenommen werden, das als erstes an der Unglücksstelle war. Ersten Erkenntnissen zufolge hatten die Migranten einen Hilferuf abgesetzt, woraufhin der Frachter von der italienischen Küstenwache angewiesen wurde, seine Route zu ändern. Das Drama ereignete sich offenbar, als der Frachter in Sichtweite der Flüchtlinge kam und diese sich bemerkbar machen wollten. "Die Bewegung einiger Flüchtlinge hat das Boot zum Kentern gebracht", sagte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami dem italienischen TV-Sender Rai. Über die Herkunft der Menschen an Bord ist bislang nichts bekannt.

Sollten sich die Opferzahlen bestätigen, wäre es das "schlimmste Massensterben, das jemals im Mittelmeer geschah", sagte Sami.

Küstenwache im Dauereinsatz

Die italienische Küstenwache brachte am Wochenende auch weiter Migranten in Sicherheit, immer wieder kamen Boote mit Flüchtlingen an den Küsten an. Allein in der vergangenen Woche sollen es etwa 11.000 Menschen gewesen sein. Menschenhändler nutzen die guten Wetterbedingungen und lassen vollkommen überladene Boote in See stechen. Erst vor wenigen Tagen kenterte ein Boot vor der libyschen Küste. Mehr als 400 Menschen starben - der bisherige traurige Höhepunkt in der nicht enden wollenden Flüchtlingskatastrophe.

Flüchtlinge, die im Rahmen der Operation "Mare Nostrum" gerettet wurden. (Archivbild von 2014) | Bildquelle: dpa
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Hunderte Menschen auf vollkommen überladenen Booten: Dieser "Seelenverkäufer" wurde vergangenes Jahr von der italienischen Küstenwache aufgegriffen.

Kritik an europäischem Grenzschutz

Kritiker machen die europäische Flüchtlingspolitik verantwortlich. Nach dem Aus der Rettungsmission "Mare Nostrum", bei der die italienische Marine Flüchtlinge auf hoher See rettete, sei die Zahl der Todesopfer angestiegen, sagte etwa die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusy Nicolini. Mittlerweile läuft die Nachfolgemission "Triton", diese beschränkt den Einsatz jedoch auf küstennahe Gebiete. Bis sie ein gekentertes Boot auf hoher See erreicht, ist es oft zu spät. "Triton" sei nicht humanitär, sagte Nicolini, deren Insel erste Anlaufstelle für die meisten Menschen aus Afrika ist. Auch Amnesty International kritisierte, "Triton" solle in erster Linie die europäischen Außengrenzen schützen.

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