Flüchtlinge in Griechenland | Bildquelle: AP

Chaotische Zustände in Griechenland 50.000 Flüchtlinge - allein im Juli

Stand: 07.08.2015 17:29 Uhr

Knapp 50.000 Menschen sind im Juli nach Griechenland geflohen - und damit in einem Monat so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Das UNHCR spricht von einer dramatische Lage, Ministerpräsident Tsipras rief die EU zum Handeln auf.

Die Zahl der Flüchtlinge, die Griechenland erreicht haben, hat im Juli einen Rekordwert erreicht. Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex kamen mindestens 49.550 Migranten in Griechenland an. Damit seien in einem Monat so viele Menschen über Griechenland in die EU gekommen wie im gesamten vergangenen Jahr. Die griechische Küstenwache bezifferte die im Juli in der Ägäis aufgegriffenen Flüchtlinge sogar auf 54.899.

Insgesamt wurden laut Frontex bis Ende Juli fast 130.500 Migranten an den Außengrenzen Griechenlands entdeckt - fünfmal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Durch die Ägäis führen wichtige Schleuserrouten nach Europa. Der überwiegende Teil der Flüchtlinge kam nach Frontex-Angaben aus Syrien und Afghanistan. Auch der Anteil pakistanischer Migranten sei deutlich gestiegen. Sie hätten auf kleinen Booten über die Türkei die griechischen Inseln Lesbos, Chios, Kos und Samos angesteuert. Frontex appellierte an die EU-Staaten, die Grenzschutzmission mit mehr Schiffen und Personal zu unterstützen.

Flüchtlinge in Griechenland | Bildquelle: AP
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Diese Menschen kampieren in einem Park in Athen.

Chaotische Bedingungen vor Ort

Der Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) für Griechenland, Giorgos Tsarbopoulos, sprach von einer dramatischen Lage. Die Behörden und die Hilfsorganisationen seien überfordert, sagte er im griechischen Rundfunk. Die Registrierung der Flüchtlinge ist angesichts der hohen Zahl der Ankömmlinge und der zum Teil chaotischen Bedingungen vor Ort äußerst schwierig.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte, am Umgang mit diesem Problem werde sich zeigen, ob es ein Europa der Solidarität gebe oder jeder sich nur um seine Grenzen kümmere. "Griechenland erlebt eine Krise in der Krise", sagte er im griechischen Staatsfernsehen (ERT). "Wir tun alles, was wir können, um diese Menschen menschlich zu behandeln." Die EU müsse sofort handeln.

EU sichert Unterstützung zu

Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte, Griechenland habe bereits jetzt die Zusicherung, bis 2020 rund 260 Millionen Euro aus dem sogenannten Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) zu erhalten. Für die Auszahlung der ersten Tranche müsse das Land aber noch einige der vereinbarten Bedingungen erfüllen.

Griechenland kann Flüchtlinge nicht versorgen
T. Bormann, ARD-Studio Griechenland
07.08.2015 19:58 Uhr

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