Flüchtlinge am Grenzübergang in Spielfeld | Bildquelle: Dietrich Karl Mäurer

Österreichisch-slowenische Grenze Chaos trifft auf zerbrechliche Ruhe

Stand: 28.10.2015 15:55 Uhr

Knapp 60.000 Flüchtlinge sind in der vergangenen Woche von Slowenien nach Österreich eingereist - meist über den Grenzübergang Spielfeld in der Steiermark. Dietrich Karl Mäurer schildert die Eindrücke von vor Ort, zwischen notdürftiger Ordnung und Chaos.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Absperrgitter und Bauzäune stehen direkt an der slowenisch-österreichischen Grenzlinie. Dahinter bilden - auf slowenischer Seite - Soldaten eine dichte Kette. Dahinter wiederum drängen sich Hunderte Menschen. Sie wollen möglichst ohne Registrierung durch slowenische Behörden weiter nach Österreich. Von dort schallt aus einem Lautsprecherwagen eine Ansage herüber: "Bleibt zurück, drängelt nicht. Bleibt ruhig." Doch das Gedränge lässt nicht nach. Nur einzeln werden Menschen durch die Absperrung geleitet.

Besorgt schaut von österreichischer Seite August Baek, der Sprecher des Roten Kreuzes Steiermark, auf das Geschehen: "Schon so sind unter den Flüchtlingen viele Verletzte und Entkräftete, durch das Gedränge benötigen sie noch mehr medizinische Hilfe. Das ist wie bei einem Megakonzert oder auch bei der Loveparade. Die schieben von hinten an und vorne kollabieren die Menschen."

Am Grenzübergang Spielfeld warten Flüchtlinge auf ihre Weiterreise. | Bildquelle: Dietrich Karl Mäurer
galerie

Am Grenzübergang Spielfeld warten Flüchtlinge auf ihre Weiterreise.

Warten auf die Familie

Hinter einer weiteren Absperrung - bereits in Österreich - stehen Flüchtlinge und starren verzweifelt auf das Gedränge. Sie haben in dem Durcheinander Angehörige verloren. "Ich wurde hin- und hergeschoben", erzählt ein Iraner aufgeregt. Nun wartet der 40-Jährige seit Stunden auf Frau und Kinder. "Sie haben mich einfach hier hereingeschoben und meine Familie ist dort. Sie haben uns getrennt."

Ein Mädchen kommt dazu. Ihm kullern Tränen über das Gesicht: "Meine Mutter ist noch da drüben. Ich warte jetzt schon zwei Tage. Ich weiß nicht, wo meine Mutter ist."

Ganz anders das Bild ein paar Meter weiter, kurz vor dem österreichischen Kontrollpunkt Spielfeld. In beheizten Zelten gibt es Essen. Verletzte werden versorgt. Die Flüchtlinge werden in kleinere Gruppen aufgeteilt für den Weitertransport in Bussen. Doch die deutlich entspanntere Stimmung hänge am seidenen Faden, erklärt Christoph Grill von der Landespolizeidirektion Graz. "Sobald sich dieser Ablauf verzögert oder es einen Stillstand gibt, dann entsteht Beunruhigung und Nervosität und all das zehrt natürlich am psychischen Zustand" , sagt Grill.

ARD-Korrespondent Dietrich Karl Mäurer erlebte die chaotischen Zustände am Grenzübergang Spielfeld. | Bildquelle: Dietrich Karl Mäurer
galerie

ARD-Korrespondent Dietrich Karl Mäurer erlebte die chaotischen Zustände am Grenzübergang Spielfeld.

"Kein Durchwinken" in Österreich

Und es stocke immer wieder, so der Polizist. Denn anders, als Bayern es Österreich vorwirft, würden die Flüchtlinge nicht einfach durchgewunken. "Dass es einen Weitertransport nach Deutschland gibt, ist ja ohnehin bekannt. Aber einen Durchtransport als solchen, unkontrolliert und uneingeschränkt, den gibt es nicht", betont Grill.

Mehrere Tausend Flüchtlinge wurden allein am Dienstag von Spielfeld aus in Unterkünfte in Österreich und an die deutsche Grenze weitergeleitet. Unter ihnen ist ein 49-jähriger Syrer mit Frau und zwei Söhnen. Wie fast alle will auch er nach Deutschland: "Meine Familie ist dort. Und ich glaube, Deutschland behandelt uns Syrer besonders gut."

Flüchtlingsandrang in Österreich - Reportage vom Grenzübergang
D. K. Mäurer, ARD Berlin
28.10.2015 15:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 28. Oktober 2015 um 09:12 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: