Flüchtlinge auf dem Flensburger Bahnhof | Bildquelle: dpa

Flucht durch Europa Dänemark macht dicht

Stand: 10.09.2015 05:25 Uhr

Sie wollen eigentlich nach Schweden, in Dänemark bleiben wollen die wenigsten. Doch die Regierung hält Hunderte Flüchtlinge im Land fest oder lässt sie gar nicht erst rein. Der Zugverkehr von und nach Deutschland ist unterbrochen, die Autobahn gesperrt.

Chaotische Zustände im sonst so ordentlichen Dänemark: Hunderte Flüchtlinge sind in dem skandinavischen Land gestrandet, viele weitere an der deutsch-dänischen Grenze, bei Flensburg oder auf Fehmarn. Vom Bahnhof in Flensburg wurden am späten Abend viele Flüchtlinge mit Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein gebracht: "Damit der lange Weg ein Ende hat und alle sicher unterkommen", wie ein Behördensprecher in Kiel erklärte.

Züge gestoppt

Die Flüchtlinge waren im Laufe des Abends mit Regionalzügen nach Flensburg gekommen. Sie konnten nicht weiter nach Norden, weil die dänische Bahn zuvor den Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark eingestellt hatte. Auch in Puttgarden auf Fehmarn stoppte die Polizei am Mittwoch wieder einen ICE mit Flüchtlingen mit Ziel Kopenhagen. Ihnen wurde eine Unterkunft in der Erstaufnahme angeboten. Diese Offerte nahmen mehr als 50 Flüchtlinge an. Ein Kommunikationsteam der Polizei hatte mit Hilfe von Dolmetschern die Flüchtlinge davon überzeugt, zunächst in Deutschland zu bleiben.

Dänemark stoppt Zugverkehr mit Deutschland
nachtmagazin 00:25 Uhr, 10.09.2015, Karin Henningsen, NDR

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Mit der Fähre direkt nach Schweden?

Nach Informationen von NDR-Korrespondentin Karin Henningsen sollen viele der nun in Deutschland gestrandeten Flüchtlinge heute von Kiel aus mit der Fähre direkt nach Schweden reisen - an Dänemark vorbei. Dort wollen die meisten auch hin - nach Schweden oder auch nach Finnland. In Dänemark bleiben wollen die wenigsten. Doch die dänische Regierung besteht darauf, dass sich die Menschen, wenn sie schon einmal in dem Land sind, auch dort registrieren lassen und Asyl beantragen. Dann wäre ihnen aber der Weg zurück nach Deutschland oder weiter nach Schweden verwehrt.

Dennoch: Am Abend willigten etwa 100 der rund 340 Flüchtlinge, die den ganzen Tag lang in zwei Zügen im dänischen Rödby festgesessen hatten, ein, in Dänemark zu bleiben. Sie würden nun zur Registrierung in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht, teilte die dänische Polizei mit. Die Einigung war demnach nach stundenlangen Verhandlungen zustande gekommen.

"Wo sie hin sind, weiß ich nicht"

Die übrigen durften schließlich unbehelligt von der Polizei aussteigen. "Wo sie hin sind, weiß ich nicht", sagte John Andersen von der dänischen Polizei der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. Wahrscheinlich seien sie "von Privatautos aufgelesen" worden oder hätten ein Taxi genommen. "Wir überwachen sie nicht mehr", sagte Andersen und fügte hinzu, die Polizei habe die Züge nicht mit Gewalt räumen wollen.

Zuvor hatte ein Sprecher des dänischen Bahnunternehmens DSB gesagt, die rund 240 Flüchtlinge, die in den Zügen blieben, dürften in die Hauptstadt Kopenhagen weiter fahren. "Wir warten nur noch auf grünes Licht der Polizei", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Polizei hatte dies allerdings nicht bestätigt.

Das Fährunternehmen Scandlines und die dänische Bahn teilten derweil mit, dass derzeit nur Passagiere, die in Autos unterwegs seien, auf die Fähren zwischen Rödby und Puttgarden auf der deutschen Ostseeinsel Fehmarn gelassen würden.

Fußmarsch von Flüchtlingen auf der Autobahn bei Padborg Richtung Schweden. | Bildquelle: REUTERS
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Fußmarsch von Flüchtlingen auf der Autobahn bei Padborg Richtung Schweden.

Auch auf der Autobahn nahe Padborg spielten sich gestern chaotische Szenen ab. Nach NDR-Informationen verließen die etwa 300 Flüchtlinge mittlerweile die Strecke und flüchteten in angrenzende Wälder. Die Polizei konnte demnach nur einige wenige von ihnen festnehmen. Zuvor hatten sich die rund 300 Menschen zu Fuß auf den Weg nach Norden gemacht.

Reichspolizeichef Jens Henrik Højbjerg räumte am Abend ein, dass die Polizei die Flüchtlinge nicht dauerhaft von der Weiterreise nach Schweden abhalten könne. "Wir haben laut dem Ausländergesetz Befugnis, Menschen dreimal 24 Stunden zurückzuhalten", sagte er bei einer Pressekonferenz. "Es ist klar, dass wenn die Zeit, in der wir die Menschen zurückhalten können, abläuft, wir nicht verhindern können, dass sie in ein anderes Land reisen."

Hunderte Flüchtlinge wollen von Deutschland aus durch Dänemark nach Schweden reisen. | Karte vergrößern

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